Artikel zum Thema Mann//Frau//Partnerschaft

Im folgenden findest Du an dieser Stelle von mir verfasste Artikel zum Thema Mann//Frau//Partnerschaft. Diese Artikel-Reihe wird fortgesetzt.

Wasch´mich, aber mach´mich nicht nass // über die Bindungsstörung

Die sog. Bindungsstörung, die sich im übrigen meist bei Männern „finden“ läßt, entsteht durch verschiedene Traumata im frühen Kindesalter:

  • häufig wechselnde Bezugspersonen
  • Übervereinnahmung durch einen oder beide Elternteile
  • starke emotionale Vernachlässigung bis Verwahrlosung
  • Gewalt, Alkohol etc. innerhalb der Familie oder Pflegefamilie

All diese Erfahrungen lassen im Kind vor allem eine Macht-Ohnmacht-Thematik entstehen, die sich im Jugend- und Erwachsenenalter – über verschiedene Persönlichkeits-/Sozialstörungen – dann entsprechend manifestiert, wenn nicht so früh wie möglich therapeutisch gegengesteuert wird.

Die Macht-Ohnmacht-Thematik kann sich – vor allem später in Beziehungen sichtbar – äußern durch eine

  • extreme Abhängigkeit von Partnerinnen oder aber polar ein
  • extremes Bestreben nach sog. Freiheit (die aber im Grunde gar keine ist) und möglichst „(gefühls)-fernen“ Beziehungen

Beide Beziehungsformen zeichnen sich durch eine eher und schon krankhafte Beziehungsdynamik aus.

So wird der abhängige und bindungsgestörte Partner an seiner Partnerin anklammern und sich verhalten wie das Kind damals, als es den Verlust oder den ständigen Wechsel oder die ständige Abwesenheit der Bezugsperson(en) ohn-mächtig hinnehmen musste. So wird dieser Mann immer einen Kreis von Frauen um sich oder in seiner Nähe haben müssen, auf die er im Notfall zurückgreifen kann, falls die Partnerin sich – wie auch immer – entfernt. Der in dieser Form bindungsgestörte Mann kann sein Alleinsein nicht ertragen und sich selbst schon mal gar nicht. Um die diffusen oder offensichtlichen Ängste des früheren Verlustes und des damit verbundenen Alleinseins nicht spüren zu müssen, kompensiert er – am liebsten gleich mit der nächsten Frau, die dann in sein Leben tritt oder neben der Partnerin verfügbar sein soll. Wenn die Partnerin dann irgendwann irgendwann die Nase voll hat und diese Anklammer-Beziehung beendet aus o.g. Gründen, wird er u.U. zum Stalker, hat aber natürlich sofort eine neue Frau in seinem Leben. Die ihn dann trösten, bei ihm sein, ihm die Mutter ersetzen soll usw. Die Frau selbst wird benutzt, aber nie um ihrer selbst willen geliebt. Sie steht immer für die Mutter, und mit jeder Frau (und mit jedem Scheitern der Beziehung) wird die alte Wunde der Verlassenheit und der emotionalen Unterernährung, der Vernachlässigung reproduziert.

Der möglichst „unabhängige“ und im Grunde immer nach Distanz und „weg wollen“ von einer Frau strebt (und sich selbst und anderen das dann als „Freiheit“ verkauft), geht mit seinem Verhalten den entgegengesetzten Weg:

er macht sich möglichst in irgendeiner Form aus der Beziehung heraus…Hauptsache, WEG von der Frau, im Grunde aber weg von seinem Gefühl der Ohn-Macht und seinem zutiefsten Gefühl des Verlassenwerdens und/oder der Angst vor Vereinnahmung (durch die ehemalige Mutter, heute durch die jeweilige Partnerin). Der in dieser Form bindungsgestörte Mann wird es in keiner Beziehung wirklich lange und kontinuierlich aushalten. Diese Männer können durchaus in längeren Beziehungen/Ehen sein, werden sich aber möglichst schnell und kontinuierlich emotional „vom Acker“ machen und das sog. Weite auch wirklich in der Tat umsetzen. Diese Männer suchen sich entweder selbst sog. schwierige Frauen aus oder geraten an Frauen, die Bindungsmenschen sind im Sinne von gesunder Bindungsfähigkeit, vor allem aber mütterliche und gebende Frauen. Und genau hier setzt die Panik beim in der Form bindungsgestörten Mann ein: Nähe ist einem Todesurteil und damit Todesangst gleich, dem man(n) sich so bald wie möglich entziehen muss.

Die Beziehung und auch die Partnerin werden torpediert in unterschiedlichsten Arten und Weisen:

  • es wird sich in die Arbeit oder Hobbies oder oder oder gestürzt
  • vermehrt Außentermine OHNE die Partnerin wahrgenommen
  • fremdgehen und/oder aber immer auf der Suche sein nach einer anderen Frau, sprich nach Bestätigung
  • die Frau wird, wenn sie nicht schon „schwierig“ ist (und das ja ein legitimer Grund ist, sich möglichst bald wieder zu trennen), „schwierig“ gemacht. So wird ihre Verzweiflung als „Hysterie“ oder „Durchgeknallt-Sein“, ihre (berechtigte!) Wut als „Aggression“ betitelt und auch noch „angefüttert“ (auch das ist schließlich ein sehr guter Grund, sich trennen „zu müssen“), und schlussendlich als „Täterin“ hingestellt, wenn das Machtbestreben nach „Freiheit“ (also Un-Freiheit und Ohn-Macht) Formen annimmt, die mit Gewalt einhergehen

Auch diesem Verhalten liegt allerdings zugrunde, daß diese bindungsgestörten Männer nicht allein sein können, sondern oft schon lange im Vorfeld, bevor sie die Beziehung endlich zum „finalen und befreienden Ende“ gebracht haben, Kontakte zu anderen Frauen machen. Auch hier soll dann Trost erfolgen, das Elend des Alleinseins kompensiert und ebenso wie beim abhängigen Typus die Mutter ersetzt werden. Auch hier wiederholt sich das Drama aus der Kindheit: der Verlust. Da bei diesem Typus aber die Ohn-Macht so groß ist, daß er oft im Laufe seiner Entwicklung zu enormer Macht- und Kontrollsucht neigt (Mangel an Vertrauen, vor allem in sich selbst), werden sie diejenigen sein, die die Beziehung „beenden“ – nur nicht wörtlich und selbst verantwortlich. Sie machen die Beziehung und auch die Frau solange „mürbe“, bis sie es hoffentlich schafft, aus einer solchen Verbindung auszusteigen. Diese Männer werden sich niemals im Frieden trennen können. Sie zerstören eine Beziehung systematisch, damit sie endlich „von dieser „schrecklichen Frau“ weg sind. Und sie glauben das tatsächlich auch noch.

Ich bin mir nicht sicher, ob eine Bindungsstörung wirklich heilbar ist. Aus meinen Erfahrungen heraus würde ich sagen: je nach Stärke der Bindungsstörung: nein. Es muss der zutiefste Wille und vor allem die zutiefste Kapitulation im eigenen Inneren erfolgen, daß man(n) diese Bindungsstörung hat und auch erkennt.

Wie so oft und gerade bei Männern kann dieser Schritt nur über folgende Krisen im Leben erreicht werden:

  • eine schwere Krankheit (somatisch oder organisch)
  • ein sich-bewusst-werden über die lebenslange Depression und tiefe Verlustangst, die im Grunde dahintersteckt, wenn dieser Mann irgendwann zusammenbricht (oft Folge von Überarbeitung z.B. als Kompensation)

Die zweite Möglichkeit halte ich persönlich und gerade bei Männern, die schon ihr ganzes Leben lang so in Beziehungen agieren, für unwahrscheinlicher als die erste. Solange es Frauen gibt, die sich dieser Männer „annehmen“, brauchen sie ja nichts zu ändern. Bis auf daß die tiefe Leere in ihnen selbst immer wieder neu und auf die Dauer auch immer „kurzweiliger“ gefüllt werden möchte, es aber niemals wird.

Beide bindungsgestörten Männer-Typen, insbesondere aber der sog. Typus, der sich möglichst schnell wieder aus einer Beziehung verabschiedet und im Grunde gar keine Beziehung möchte außer zu kompensatorischen Zwecken, ist im Grunde total abhängig von Frauen und der Weiblichkeit an sich. Diese Männer propagieren ihre Freiheit, brauchen aber dringend und direkt – in welcher Form auch immer – das Weibliche in ihrem Leben. Sie können nicht ohne, und schon gar nicht allein mit sich sein.

Wie kann frau einem bindungsgestörten Mann „entgehen“? Es gibt sehr typische Anzeichen, bei denen die Frau am besten sofort ihre Beine in die Hand nehmen sollte und weglaufen. Wichtiger aber ist – nach meinen Erfahrungen – WAS genau wollen wir von einem bindungsgestörten Mann? Was reizt an ihm? Welche Seite in uns wird durch die im Grunde zutiefste Bedürftigkeit berührt?

Was glauben wir – und ich meine das wörtlich! – diesem Mann geben zu können, was er in sich selbst entwickeln und finden muss? Vor allem aber ansehen und genau da hinfühlen, wo es ihn am allermeisten schmerzt? Keine Frau der Welt kann einem solchen Mann das geben, was er seit seiner Kindheit vermisst und entbehrt hat. Die Mutter könnte es tun, aber sie ist, wie sie ist. Was ist, wenn die Mutter schon tot ist oder schwer krank? Und: welches Bild der Mutter an sich gibt es noch in unser aller Köpfen? Zu WIEVIEL ist eine Mutter überhaupt zu „verpflichten“, was sie zu geben hat? Was hat sie selbst für Mankos in ihrem eigenen Leben erlitten, daß sie unfähig macht, eine sog. „gute Mutter zu sein“? Was ist überhaupt eine „gute Mutter“?

Ich habe viele Männer mit dieser Wunde kennengelernt und war auch mit ihnen zusammen. Es war – vor allem aber in meiner letzte Beziehung – die absolute Hölle. Wir alle – auch wir Frauen – haben die Wunde durch unsere Mütter erfahren! Es ist nicht nur Zeit, unseren Müttern, die selbst unter ihren Müttern gelitten haben, selbst ihre eigenen Mankos hatten und haben, selbst nichts bekommen haben außer eine „Grundversorgung“ zu vergeben.

Vor allem aber ist es an der Zeit, daß sich bindungsgestörte Männer (Frauen befassen sich eher und viel mehr mit ihrer Geschichte und sind eher bereit, an sich zu arbeiten) endlich dazu bekennen, daß sie diese Störung haben und an ihr arbeiten – und zwar mit einem guten und männlichen Therapeuten, der selbst hoffentlich nicht auch eine Mutter-/Bindungsstörung hat! Davon gibt es nämlich genauso reichlich, und daß so ein Therapeut einem bindungsgestörten Mann keine Hilfe sein kann und wird, versteht sich wohl von selbst.

Und es ist an der Zeit, daß diese Männer aufhören, verbrannte Erde in all ihren Beziehungen und auch als Väter ihrer Kinder hinterlassen und genau das immer und immer wiederholen, was sie aus ihrer Kindheit kennen:

  • den Verlust
  • das Verlassenwerden
  • das Alleinsein
  • ohne Liebe zu leben, ohne wirkliche Zärtlichkeit, Hingabe und ohne wirkliche Erfüllung in einer echten Bindung
  • die Ohn-Macht

 

Der Missbrauch des Mannes durch die Mutter // die Ent-Grenzung und Bindungsstörung als Folgen

„Du kannst deine Augen schließen, wenn du etwas nicht sehen willst, aber du kannst nicht dein Herz verschließen, wenn du etwas nicht fühlen willst.“ ~ Johnny Depp

Meines Erachtens gibt es bei weitem mehr Missbrauch der Mütter an ihren Söhnen, als vielleicht durch Statistiken bekannt ist.

Wenn wir das Wort „Missbrauch“ hören, denken wir meist und zuerst an sexuellen Missbrauch. Der muss aber nicht zwingend in einem gestörten Mutter-Sohn-Verhältnis gegeben sein.

Wo fängt denn Missbrauch durch einen Elternteil am eigenen Kind eigentlich an?

Für mein Verständnis beginnt der Missbrauch in einer bestimmten Übernahme des kindlichen Willens, in der Übergriffigkeit auf die Psyche des Kindes durch bestimmte Handlungen, aber auch Gedanken.

Es gibt Mütter, die ihre Söhne als „Kuschel-Ersatz“ benutzen, wenn sie keinen Partner haben. Diese Söhne müssen dann im Bett der Mutter schlafen, oft bis über die Pubertät hinaus.

Es gibt Mütter, die ihren Söhnen ein Vaterbild präsentieren, daß eher vater-feindlich als positiv gefärbt ist. Der Kindes-Vater wird zum Feindbild hochstilisiert, weil die Partnerschaft durch verschiedene Umstände einen unguten und destruktiven Verlauf hatte.

Söhne sind Müttern ausgesetzt, die in ihrer eigenen Psyche durch bestimmte Familien- und/oder Lebensumstände psychisch instabil bis persönlichkeitsgestört sind.

Söhne wachsen in Familienverhältnissen auf, die von Gewalt (zwischen den einzelnen Familienmitgliedern), Drogen, Kriminalität etc. geprägt sind.

Söhne lernen im Laufe ihrer Entwicklung von diesen Vorbildern. Ein abwesender oder schwacher Vater kann den Sohn nicht konstruktiv in sein Mann-Sein begleiten, so daß der Sohn sich an anderen Vorbildern orientieren muss. Im günstigsten Fall findet der Sohn ein männliches Vorbild, daß diese Rolle durchweg positiv übernimmt und den „Zieh-Sohn“ dann in gute Bahnen lenken kann.

In den ungünstigen Fällen wird dem Kind, dem Sohn beigebracht, daß der Vater eben „schlecht“ ist, nicht präsent, nicht fähig etc. Der Sohn lernt von Kindesbeinen an, daß das Männliche an sich „schlecht“ ist und wird dann bestimmte Abspaltungen in sich selbst vornehmen. So wird er sich nicht mit einer

  • konstruktiven Kraft, Stärke und Präsenz
  • einem wirklichen Verantwortungsbewusstsein
  • der Achtung vor dem Leben und dem Weiblichen
  • der eigenen Vater-Rolle
  • wahrhaftigen Beziehungsfähigkeit
  • etc.

auseinandersetzen können. Das Bild der „schlechten“, „schwachen“, „übergriffigen“, allgemein negativ besetzten Männlichkeit innerhalb eines Familiensystems formt diesen Sohn und hat in seinem späteren Leben entsprechende Auswirkungen.

Mütter, die ihre Söhne allein aufziehen müssen oder wollen und selbst psychisch krank sind, den Sohn als „Mittel zum Zweck“ benutzen oder gar durch Abwesenheit und Instabilität „glänzen“, vermitteln dem Sohn eben diese Instabilität, das sich-nicht-verlassen-können, die Schwäche der Mutter. Im schlimmsten Fall aber wird der Sohn auch auf sexueller Ebene von der eigenen Mutter missbraucht durch Übergriffe oder Eingriffe in die Intimität oder Privat-Sphäre des Sohnes.

Diese durch eine instabile bis psychisch kranke Mutter vermittelt dem Sohn in Übertragung auf das Weibliche mehrere Botschaften:

  • ich bin aufgerufen, diese Mutter zu „retten“
  • ich kann mich nicht auf meine Mutter verlassen, also bin ich selbst verlassen
  • ich kann meiner Mutter nichts zumuten
  • ich wachse ohne die konstruktive Mutter auf, die sich kümmert und für meine Belange da ist und für mich einsteht
  • ich kann das Weibliche nicht achten, weil ich wütend/traurig/hilflos etc. bin

Frauen im späteren Leben dieser missbrauchten Söhne werden dann

  • sog. Ersatz-Mütter, die einerseits „gebraucht“ und damit auch missbraucht werden als Kompensation für die nie erhaltene Mutter-Liebe im guten Sinn und in Projektion der Gefühle von Wut, Trauer, Hilflosigkeit etc.
  • verachtet und lediglich als „Material“ betrachtet und benutzt (auch hier wird der Missbrauch wiederholt)
  • vermeintlich „gerettet“, weil die „Rettung“ der Mutter nie gelungen ist (Gefühle des Scheiterns und Versagens beim Mann)
  • grundweg abgelehnt und verachtet (die Schwäche der Mutter wird auf alle Frauen im späteren Leben übertragen, selbst, wenn diese Frau nicht schwach ist)
  • auf einen Sockel gehoben, dann aber auf die Dauer heruntergestoßen (die Frau „beweist“ sich nicht als Ersatz-Mutter oder als sonstiges „Objekt der Begierde/Kompensation“)
  • etc.

Es ist erwiesen, daß fast ausnahmslos alle Söhne, die in solch gestörten Mutter-, aber auch Vaterbindungen (bzw. ohne Bindung) aufgwachsen sind, eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickeln, die unterschiedliche Ausprägungen haben kann. Da das männliche Kind mit einer Vater-Abwesenheit oder -Schwäche, sowie mit einer psychisch instabilen bis kranken Mutter aufgewachsen ist, bzw. verlassen wurde und der liebevolle Spiegel in den Eltern ausbleibt, bzw. blind ist, kann das männliche Kind in diesem Spiegel ja nur sich sehen – ohne Halt und ohne liebevolle Grenzen. Das konstruktive Gegenüber fehlt, die Anleitung und Wegbegleitung durch „die Großen“, sprich Eltern/Erwachsenen fehlt, aus der sich dann eine sog. Ent-Grenzung des eigenen Ichs entwickelt, das nur sich selbst bespiegelt…im späteren Leben mit Partnerinnen dann wiederholt, was aber schlussendlich zu keiner Lösung führen kann.

So werden die Partnerinnen mehr oder weniger häufig gewechselt, sang- und klang-, aber auch sehr gefühllos einfach ausgetauscht…immer auf der Suche nach der ausgebliebenen Spiegelung im Angesicht und in der Präsenz der Mutter (aber auch des Vaters). „Bei der nächsten Frau wird alles anders“ funktioniert eben genau aus diesem Grunde nicht, denn die jeweilige Partnerin ist de facto NICHT die Mutter, wird aber dazu gemacht. „Versagt“ sie oder will sich nicht zur Mutter machen lassen, wird sie ausgewechselt. Je nach sog. moralischen Vorstellungen im eigenen Inneren von „gut und böse“ wird diese Beziehung gewaltsam oder aber durch ständige Infiltration von destruktiven Verhaltensweisen des Mannes mit einer solchen Vorgeschichte vollständig zerstört.

So wird das Bild der erlebten instabilen, unzuverlässigen, missbrauchenden etc. Mutter immer und immer wieder reproduziert; die Frustration des früheren Kindes immer wiederholt, die Jagd nach der Frau, die diese Wunde „endlich heilt“ unablässig fortgesetzt.

Dazu kommen – um die Frustration, die ja durchaus in „lichten Momenten“ erkannt wird – diverse Kompensationen, um genau diese Gefühle überhaupt aushalten zu können. Meist in Form von stoffgebundenen und/oder nicht stoffgebundenen Süchten. Eine Spirale also, die destruktiver nicht sein kann – und zwar für alle Beteiligten.

Die Lebenswege dieser Männer in ihren sog. Beziehungen (die ja an sich keine sind, weil sie nur dem Mittel zum Zweck dienen) pflastern oft reichlich gescheiterte Beziehungen, Kontakt-Abbrüche, verlassene Kinder etc. Frauen, die in solchen Beziehungen mit diesen Männern waren, erleben zutiefste Verletzungen ihrer Weiblichkeit; die Kinder dieser Männer sind meist ebenfalls in ihrer Psyche gestört und entwickeln z.T. wiederum narzisstische Persönlichkeitsanteile bis -störungen. Dabei ist es unerheblich, ob die Kinder weiblichen oder männlichen Geschlechts sind. So wird gerade die NPS (narzisstische Persönlichkeitsstörung) bei Nicht-Behandlung/ohne wirklich tiefgehende Psychotherapie nahezu „weiter vererbt“ wie ein genetischer Defekt.

Die schlussendlichen Auswirkungen einer NPS ohne Behandlung können sein:

  • Suizid
  • Geschlechtskrankheiten
  • Herz-Erkrankungen
  • Burnout
  • Depressionen
  • Vereinsamung
  • etc.

Die „Dosis“ Kompensation muss nicht nur aufrecht erhalten, sondern in der Regel auch gesteigert werden. Was dem ein Ende setzt und in welcher Form, ist vom Einzelfall, vor allem aber von der EINSICHT und der Bereitschaft des ehemaligen Sohnes und jetzt Mannes mit dieser Vorgeschichte abhängig, inwieweit er bereit ist, sich wirklich und ehrlich mit seiner Störung auseinanderzusetzen. Mit zunehmendem Alter wird das allerdings immer schwieriger, vor allem, wenn keine Einsicht zum einen vorhanden ist. Zum anderen es aber immer noch genug „weibliche Kompensation“ gibt, die die Leidenswege mitmachen und dabei selbst massiv leiden.

Was sind das für Frauen, die mit narzisstisch gestörten Männern in eine Beziehung gehen?

Meist Frauen, die empathisch, liebevoll und mütterlich sind, auch, wenn sie selbst keine eigenen Kinder haben. Es sind Frauen, die Geberinnen und Heilerinnen auf ihre Art und Weise sind. Aber auch Frauen, die selbst eine narzisstische Verletzung in sich tragen, ohne eine narzisstische Persönlichkeitsstörung zu entwickeln, sondern diese eher auf dem Weg des „heilens und helfens anderer“ kompensieren. Diese Frauen sind leicht zu „ködern“ und nehmen sich gerne einen Mann „an ihre Brust“, um ihn zu heilen, ihm die Wärme und Zuneigung zu geben, die er braucht etc. und schlittern dann auf die Dauer in eine Beziehung, die keine sein kann, weil es nur um Kompensation geht. Für die Frau selbst bleibt am Ende nichts, sie brennt in der Regel aus, weil die narzisstische Wunde des Partners nicht von ihnen zu heilen ist. Je nach Charakter-Struktur des Mannes kommen noch andere Komponenten hinzu, die eine Beziehung an sich, wie sie im gesunden Sinne sein sollte, nicht nur verhindern, sondern auch noch u.U. gewaltsam durchfärben.

Was kann diese Frau nach einer Trennung tun, um für sich wieder in die Heilung zu kommen?

Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten, die – unterschiedlich und je nach Wesensart der Frau – zur Heilung beitragen können:

  • eine Psychotherapie
  • Familienaufstellung(en), um die eigenen Familienstrukturen hinsichtlich der Heiler- und Helferinnen-Rolle zu ergründen
  • Unterstützung durch Homöopathie und TCM (traditionelle chinesische Medizin) auf seelischer und auch körperlicher Ebene (Burnout und wirkliche Vergiftungserscheinungen!)
  • energetische Behandlungen wie Reiki etc.
  • Massagen („weiche“ Massagen wie Lomi-Lomi eignet sich hervorragend dazu!)
  • bestimmte Form von Tänzen
  • körperliche Betätigung allgemein und das, was gut tut, um die angestauten und oft über Jahre gespeicherten Anspannungen im System abzubauen
  • Ruhe, Ruhe, Ruhe
  • auf eine gesunde Ernährung achten und „Kraftfutter“ zu sich nehmen (gut für sich selbst sorgen!)
  • schamanische Reisen zur Rückholung eigener Seelenanteile, die beim narzisstischen Partner verblieben sind, die aber wieder in das eigene System zurückgeholt und integriert werden müssen
  • Klarwerdung der eigenen Helfer- und Heilerrolle (die Heilung des eigenen nicht präsenten, psychisch kranken etc. Vaters insbesondere, aber auch die dringende Erlaubnis, ZUERST für sich sorgen zu dürfen, ja sogar zu müssen, bevor alle Kraft und Heil-Fähigkeit in andere, besonders „Fässer ohne Boden“ geht!)
  • alles, was der Frau gut tut…sich halten lassen, weinen, sprechen und somit verarbeiten des Erlebten, Tagebuch schreiben, malen etc.

Homöopathische Erstversorgung kann sein durch folgende Mittel:

  • Staphisagria (bei Demütigungen innerhalb der Beziehung)
  • Natrium Chloratum (Lösen von „eingefrorenen Tränen“)
  • Arnika (Lösen von Schocks durch verbale und non-verbale Angriffe)
  • Pulsatilla (gerade für Frauen geeignet, die in ihrer Grundstruktur sanft sind, aber sich in Wut aufgrund ständiger Zurückweisung und Schuldzuweisung, Macht-Kämpfen etc. aufgebraucht haben)
  • Aurum Metallicum (Depressionen mit Todessehnsucht)

Bei diesen Mitteln handelt es sich lediglich um Empfehlungen/Erfahrungen! Ich bin keine Heilpraktikerin und rate DRINGEND von der Selbst-Medikation ohne professionelle Anamnese ab!!! Bitte immer eine Fachfrau, bzw. Fachmann in der Hinsicht aufsuchen!!!

 

Warum das „nicht sprechen“ ein sehr manipulativer Beziehungskiller ist

Heute gab es ein Tages-Video von Veit Lindau mit dem Titel „Mach`s Maul auf!“

Wie passend zu dem, was mir seit heute morgen als Artikel für heute durch den Kopf geht!

Viele von uns haben es nicht gelernt, über ihre Gefühle zu sprechen. Viele von uns wurden abgestraft, wenn sie gesprochen haben und trauen sich als Erwachsener nicht mehr. Viele von uns hatten auch niemanden zum sprechen in Kindheit und Jugend.

Aber:

sprechen ist erlernbar! Und man höre und staune: selbst als sog. Erwachsener noch!

Es gibt Menschen, die können über ihren Beruf, ihre Hobbies oder andere belangslose Dinge ganze Kataloge runterrasseln. Geht es um Gefühle, herrscht Schweigen im Walde.

Dieses Schweigen, dieses nicht-sprechen lässt dem Gegenüber immer sehr viel Interpretations-Spielraum. Es wird halt einfach nicht gesprochen, und die Interpretationen dann natürlich und auch unter Vorsatz für Streitereien und damit Distanz in Beziehungen benutzt.

Das Schweigen – gerade über Gefühle – hat also einen sehr manipulativen Charakter. Der andere wird – aus welchem Grund auch immer – „abgestraft“. Er/sie wird still entwürdigt, still beleidigt, still in die Ecke gestellt,  still isoliert, als nervende(r) „Dauerredner(in)“ betitelt, der den oder die Schweigende „ja nicht zu Wort kommen lässt“ etc.

Dieses Schweigen ist im Grunde kein Schweigen. Dieses Schweigen ist für mich persönlich eine Form von nonverbaler Gewalt in Beziehungen. Es ist ein Macht-Spielchen, wie es so viele Macht-Spielchen gibt. Das Schweigen, das Verweigern von Gesprächen, von Klärung, das Verweigern, dem anderen gegenüber wirklich mal sein Maul aufzumachen und nicht nur auf sachlicher Ebene zu reden – denn reden ist de facto KEIN sprechen! – ist Manipulation und nach meinen Erfahrungen immer ein Zeichen von Ohn-Macht.

Wenn wir schweigen, lassen wir den anderen vor die Wand laufen. Wenn wir schweigen, und der andere nutzt diesen Interpretations-Spielraum, aus dessen Aussagen der/die Schweigende dann heraus einen Streit anzetteln kann, ist das im wahrsten Sinne des Wortes a- oder un-sozial. Es ist unfair und absolut jeder Beziehungs-Form abträglich!

Wenn wir schweigen, wollen wir dem anderen unseres aufdrücken – unsere Ohn-Macht, aber auch unsere Demonstration von Macht. Unsere Form von Kommunikation (wir können nicht nicht kommunizieren!), unseren Willen, unser Abstrafen (für was auch immer), unseren erlernten oder auch nie reflektierten, unseren manipulativen Umgang mit Beziehungspartnern.

Menschen, die in ihren Beziehungen schweigen und genau dieses Schweigen auch benutzen, es manipulativ einsetzen, sind einer wirklichen Beziehung nicht fähig. Für sie (oder vielen von ihnen) geht es um Macht, Kontrolle über den anderen, über die Beziehung und schlussendlich auch über die Gefühle des anderen.

Es geht auch darum, dem Partner, der Partnerin schlussendlich nicht nur die „mangelnde/falsche Kommunikation“ anzulasten, sondern auch darum, sich überhaupt erst gar nicht in der Tiefe einzulassen.

Wenn wir schweigen, lassen wir den anderen draußen. Wir lassen ihn außen vor und beschweren uns dann hinterher, daß der/die „andere“ ja die Beziehung zerstört hat, und wir „dann eben gehen mussten“.

Schweiger und Schweigerinnen verstehen nur eine einzige Sprache, wenn sie sie als Macht-Mittel in ihren Beziehungen einsetzen:

  • umdrehen und ebenfalls schweigen

Schweigen macht verdammt einsam. Kontrolle über andere haben zu wollen oder zu müssen ebenfalls. Wer nicht spricht, isoliert sich. Und wer reden kann, kann noch lange nicht sprechen.

 

Warum Geborgenheit so wichtig ist

„Wer Geborgenheit schenkt, lässt den anderen wie ein Kind in sich hineinflüchten.“ ~ Elmar Kupke (dt. Aphoristiker und Stadtphilosoph)

Je länger ich mir unsere Gesellschaft ansehe…Familien, Kinder, Erwachsene, Alte, Junge, Beziehungen…umso mehr komme ich zu dem (traurigen) Ergebnis, daß vielen Menschen in unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen vor allem eines fehlt:

  • Geborgenheit

Die Menschen scheinen nicht mehr in der Lage zu sein, sich selbst und anderen Menschen in ihrem Umfeld Geborgenheit zu geben und damit eine seelische Stabilität herbeizuführen, eine Resillienz, die unserem „seelischen Immunsystem“ die notwendige Hülle und Kraft gibt, den Anforderungen der heutigen Zeit gewachsen zu sein.

Alles ist nur noch auf eine gewisse „Haltbarkeit“ und „Machbarkeit“ angelegt. Auf eine gewisse Funktionalität – auch und gerade in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Die Männer unserer Gesellschaft haben in ihren Jobs und als Ernährer, „Macher“ etc. zu funktionieren, die Frauen als Mütter, als arbeitende und als „Karriere-Frauen“, die sich oft zwischen Familie und beruflichem Aufstieg entscheiden müssen und dabei entweder sie selbst und/oder ihre Familien leiden (können). Kinder haben ebenfalls zu funktionieren, damit sie so früh wie möglich als „gute Mitglieder der Gesellschaft“ weiter in die Fußstapfen genau dieser Gesellschaft treten und diese Funktionalität wiederum in ihren Beziehungen weiterleben und an ihre optionalen Kinder weitergeben.

Geborgenheit, Zärtlichkeit, Fürsorge, „Nest-Pflege“ sind oft nur noch ungelebte Worthülsen, aber insgesamt genau das, wonach die Menschen sich zutiefst sehnen – und das zu Recht! Denn nur, wenn wir diese elementar wichtigen Eigenschaften geben und empfangen können, sind wir stress-resistent (zumindest weitestgehend) und den heutigen Anforderungen gewachsen.

Ich höre immer mal wieder von Menschen: „Ich brauche das alles nicht…ich komme allein klar.“ Sicher kommen wir alleine „klar“, aber was genau heißt das denn: „klar kommen“? Für mich ist das eine reine Funktion, aber kein Leben. Ein überleben, aber kein erleben.

Wir wissen alle, daß Säuglinge, wenn sie lediglich grundversorgt werden, im schlimmsten Falle sterben. Die Generation der Kriegsenkel hat doch meist genau das erlebt: wir wurden (grund-) versorgt, für mehr gab es oft weder Raum, noch Zeit, noch konnten unsere Eltern (Kriegskinder) und Großeltern das leisten, weil sie oft schwer traumatisiert waren von den Weltkriegen, von Flucht, Vertreibung, Hungersnöten etc.

Die Folgen der fehlenden Geborgenheit sind vielfältig. Ich bin der festen Überzeugung, daß die sog. Volkskrankheiten Depressionen und Burn-Out auch eine Folge von fehlender Geborgenheit sind. Während meiner Tätigkeit als mobile Masseurin durfte ich viele Menschen kennenlernen und behandeln, die an diesen Krankheiten litten. Oft waren es Menschen, die – trotz Familienanbindung – einsam waren. Ihnen fehlte die Geborgenheit, die Fürsorge, das Gehalten- und Verbundensein in ihren eigenen Familien. Liebevolle Berührungen, ein gehalten werden, das Schaffen von Gemütlichkeit innerhalb der eigenen vier Wände statt lieb-loser Einrichtung (Hauptsache teuer), sich selbst gegenüber fürsorglich sein, sich selbst ein Umfeld zu erschaffen, das unsere Seele wärmt und erfreut, das geht vielen Menschen einfach ab. Sie haben es nicht gelernt, sich all das selbst und anderen zu geben.

Was erwarten wir also von uns selbst und anderen, wenn wir selbst diese Geborgenheit nicht geben oder nehmen können? Liebevolle und annehmende Beziehungen, Familien, die an sich unser Hafen sein sollten? Das Zuhause, in dem wir uns wohlfühlen, in dem wir sein können und dürfen, wie und wer wir sind?

Ich selbst habe in meinem Elternhaus eine eher sachlich-kühle Atmosphäre erfahren, wie sicher viele Menschen meines Alters. Wirkliche Fürsorge, Geborgenheit etc. gab es nicht. Meine Eltern waren aufgrund ihrer eigenen Geschichte dazu nicht in der Lage – eben weil sie das u.U. auch nicht in dem Maß erfahren haben, wie es ihnen zuträglich gewesen wäre, so daß sie diese Fähigkeit hätten weitergeben können.

Aber diese Fähigkeit ist erlernbar. Wir dürfen dazu gern in uns hineinspüren, was wir denn – individuell – brauchen, um uns geborgen und „sicher“ in unserem Zuhause fühlen, innerhalb unserer sozialen Beziehungen. Das Erkennen der eigenen Bedürfnisse an der Stelle ist für viele schon eine Aufgabe. So wissen viele Menschen oft gar nicht, was genau sie brauchen, wie sie sich ihr Umfeld behaglich gestalten können, wie ihre Beziehungen.

Wie innen, so außen und umgekehrt. Ich habe Wohnungen und Häuser gesehen, die z.T. sehr teuer eingerichtet waren. Aber darin fehlte jegliche Wärme, um sich wohl zu fühlen.

Ich habe Wohnungen und Häuser gesehen, aus denen ich am liebsten rückwärts wieder rausgegangen wäre und ich mich fragte: wie kann ein Mensch so leben?

Und genauso gestalteten sich oft auch die Beziehungen dieser Menschen: sie waren ähnlich lieb-los, „ungepflegt“, unterkühlt, sachlich-nüchtern, rein auf Funktionalität ausgelegt – zu sich selbst und zu anderen.

Wenn wir unseren Blick darauf erweitern, dürfen wir uns also nicht wundern über das, was in der Welt an sich passiert. Die Fähigkeit, sich selbst und anderen Geborgenheit zu geben wird oft materiell kompensiert, hinterlässt aber in der Seele eine gähnende Leere. Wir können nicht mehr wirklich auftanken, sondern sind in der Hauptsache damit beschäftigt, diese Kompensationen zu erarbeiten und zu verdienen…ein Fass ohne Boden.

Wo soll das hinführen? Wie lieb-los wollen wir noch werden? Mit uns und mit anderen? Wie ungeborgen müssen wir uns noch fühlen, damit wir noch mehr zum „Futter“ einer kapitalistischen Gesellschaft werden, die genau daraufhin abzielt:

  • in die Vereinsamung der Menschen
  • in die Isolierung der Menschen

um damit einen besseren und manipulativen Zugriff des/der Einzelnen zu erhalten, den einzelnen Menschen zu schwächen.

Denn nur in einer liebevollen Gemeinschaft, in der Fürsorge füreinander gelebt wird und Geborgenheit gegeben, ist der Mensch stark, kräftig an Körper, Seele und Geist und damit in seiner Resillienz. Die Schulmedizin wäre sicher um einige Millarden ärmer, denn all die Psycho-Pharmaka, die Jahr für Jahr über die Ladentheken von Apotheken gehen, wären dann sicher nicht mehr nötig. Die Gemeinschaft an sich wäre tragfähiger, wenn sie sich bewusst wäre, welche Auswirkungen das Fehlen von Geborgenheit hat und damit widerstandsfähiger.

Unsere Kinder und Kindeskinder müssten nicht mehr im Außen nach Halt und Sicherheit, Geborgenheit und Fürsorge suchen, sondern wüssten sie im Schoß ihrer Familie zu finden.

Ich sehe eine gewisse Zukunft auf vielen Ebenen nur in der Rückkehr der Bewusstheit an vielen Stellen. Die Bewusstheit über die heilende Kraft von Geborgenheit ist eine ganz wichtige.

 

Warum der Mutter-Sohn nicht wirklich lieben kann

„Die seelische Verfassung der Mutter prägt die Zukunft ihrer Kinder.“ ~ Anita Ludwig

Den Begriff des „Muttersöhnchens“ kennen wir wohl alle. Wir haben direkt das Bild eines vermeintlich erwachsenen Mannes vor Augen, der aber auch im fortgeschrittenen Alter noch immer an Mamas Rockzipfel hängt. Die ihn verwöhnt, die ihn immer noch bekocht, ihm die Wäsche wäscht. Und gegen die keine noch so gute „Schwiegertochter“ eine Chance hat. Denn: der erste Platz an der Seite dieses Mannes ist von der Mutter besetzt und wird es auch über ihren Tod hinweg bleiben. Muttersöhnchen stellen wir uns wohl meist als verweichlichte Männer vor, die als Mann gänzlich untauglich sind. Sollte es dennoch eine Frau mit der (Über-) Mutter im Hintergrund ihres (Wunsch-) Partners aufnehmen wollen, so kann man der Frau nur sehr starke Nerven wünschen und sie fragen, ob sie sich genau überlegt hat, ob sie immer auf Platz 2 hinter der Mutter ihres Partners stehen will, denn „so gut wie Mama“ wird sie eh niemals werden können. Ergo ist auch die Liebe des Mutter-Sohnes zu seiner Partnerin auch nur eine „Liebe zweiter Wahl“. Diese Frau hat dann u.U. lediglich die „Funktionen“ zu erfüllen, die die Mutter eben nicht erfüllen kann.

Es gibt aber auch den Mutter-Sohn der anderen Art. Er hat sehr früh gelernt, daß die Mutter entweder nicht vorhanden, nicht präsent ist, dem Kind gegenüber gleichgültig war oder ernsthafte psychische Probleme hat. Oft erfolgen zu diesen Müttern dann Kontakt-Abbrüche über lange Jahre, wenn nicht für immer. Die Wut des kleinen Jungen, der in seinem narzisstischen Kind-Sein durch die Schwächen der Mutter entsteht, aber nicht zum Ausdruck gebracht wird oder werden „darf“ (denn schließlich ist es ja die Mutter, die man nicht beschimpfen darf), wird ergo unterdrückt und zeigt sich spätestens in den folgenden Paar-Beziehungen durch die Projektion des gestörten Mutter-Bildes auf die Partnerin. Auch hier ist keine aufrichtige Liebe zur Partnerin möglich, denn diese steht immer für die Schwächen der Mutter. Die Partnerin selbst wird nicht gesehen als das, was sie wirklich ist, sondern sie hat lediglich eine Hauptaufgabe: sie stellt die Mutter dar, wie sie vom Mann als Kind – also negativ – erlebt wurde.

Die Wut des ehemals kleinen und verlassenen oder schlecht behandelten Jungen trägt sich oft durch sein ganzes Leben, weil sie an die Mutter ja selbst nicht herangetragen werden konnte oder kann. Aber genau da gehört sie hin, und nicht auf die Partnerinnen übertragen. Und so entstehen Leidens-Beziehungen, die sehr schmerzhaft sein können – für beide Seiten. Der Mann wird seine über Jahrzehnte mitgeschleppte (und kompensierte) Wut nicht los, und die Partnerinnen bekommen sie ab – in allen möglichen Lebenslagen und Situationen, die für den Mutter-Sohn einen sog. Trigger darstellen. Die Partnerin kann im Prinzip tun, was sie will oder auch lassen: ist das Bild der Mutter einmal übergestülpt, werden bestimmte Situationen in der Beziehung vom Mutter-Sohn immer und immer wieder inszeniert, damit das Bild von der „schlechten“ oder „bösen Mutter“ reaktiviert wird und die Wut dort abgeladen, wo sie an sich nicht hingehört.

Ist die Partnerin eher unterwürfig, wird sie all das hinnehmen und leiden, sich nicht als Frau gesehen und angenommen fühlen. Sie ist und bleibt die „böse Mutter“.

Ist die Partnerin eher rebellisch und wehrt sich gegen die Projektionen, wird die Wut des Mutter-Sohnes nur noch größer, weil seine Hilflosigkeit über das nicht-loswerden der kindlichen und jugendlichen Wut immer deutlicher wird. Hier vermischt sich dann die Wut auf die Mutter mit der Wut auf die Partnerin, die sich zum einen auf Dauer nicht instrumentalisieren lässt und sich zum anderen entsprechend zur Wehr setzen wird. Daraus entsteht dann eine Kampf-Beziehung: der Mann will weiter in der Projektion bleiben, um sein Ventil zu finden, die Partnerin steht dem entgegen. Auch hier wird die Partnerin nicht als das gesehen, was sie ist. Sie wird in ihrem Frau-Sein nicht wahrgenommen, höchstens in der Mutter-Projektion. Sie hat keine Chance, auf den Platz der wirklichen Partnerin zu gelangen, sondern wird dazu verdonnert, auf dem Platz der „bösen Mutter“ zu bleiben.

Die Folge: Kämpfe, Misstrauen, Wut auf beiden Seiten, Frustration, eine sich immer schneller drehende Negativ-Spirale.

Beide Typen von Partnerinnen werden im Grunde nicht wirklich geachtet (oder sogar verachtet), sie werden benutzt und emotional ausgebeutet. Sie verhungern emotional, die Einsamkeit wird – für beide Partner in einer solchen Beziehung – immer größer.

Schlussendlich kann der Kreislauf nur unterbrochen werden, wenn der Mutter-Sohn sich klar macht (oder machen lässt mit Hilfe von außen), WAS genau er da tut. Mit sich, seiner Partnerin und seiner Beziehung. Er muss die Projektion erkennen und abstellen lernen. Dazu gehört aber eine ganz klare Auseinandersetzung mit der eigenen Mutter und seinem negativ geprägten Mutterbild.

In der eher unterwürfigen Partnerin könnte der Mutter-Sohn die eigene Hilflosigkeit gegenüber einer schwachen oder auch psychisch kranken Mutter erkennen, die er als Kind erlebt hat. In der rebellischen Partnerin, die ihre Wut über die Projektion und Missachtung als Frau offen zeigt, seine eigene Wut, die er schon solange mit sich herumschleppt.

Die Aussöhnung mit der Mutter im negativen Vorbild, aber auch eine Loslösung von der „Über-Mutter“ ist die einzige Chance für diese Männer, in gesunde und förderliche Beziehungen zu gehen und sie zu erhalten. Findet die Aussöhnung oder Ablösung nicht statt, wird es keine wirklich erfüllende Beziehung – sowohl für den Mutter-Sohn, als auch seine Partnerinnen – geben.

Zurück bleiben Scherben von Beziehungen, die immer an die Mutter erinnern werden. Aber was nutzen einer Mutter, die vielleicht einfach ihr damals möglichstes Bestes gegeben hat, die Scherben von den Beziehungen ihrer Söhne? Und sind es nicht die Söhne, die diesen Müttern nicht nur ent-wachsen müssen, sondern sich auch auf ihre eigenen Verantwortung besinnen sollten, und diese – ja, oft auch leidvollen – Beziehungen zu ihren Müttern aufzuarbeiten?

 

Warum nur Beziehungen auf Augenhöhe wirklich eine Chance haben (und die, die es nicht sind, eben nicht)

„Verlieben kannst du dich nur in Augenhöhe, aber wenn ein Partner vor dir einknickt, bist du gezwungen, auf ihn herabzuschauen.“ ~ Frank Schätzing („Limit“)

An sich sagt dieses Zitat alles aus. Und genau da liegt der Zündstoff für Beziehungen, die eben nicht auf Augenhöhe gelebt werden.

Nur Beziehungen auf Augenhöhe der Partner kann:

  • in die Erfüllung für beide führen
  • in einer für beide konstruktiven Art und Weise gelebt werden
  • Fülle für beide Partner, aber auch ihr Umfeld bewirken
  • gegenseitigen Respekt und Wertschätzung als Grundlage der Beziehung hervorrufen
  • eine Geborgenheit innerhalb der Beziehung schenken
  • in eine echte Gefährtenschaft führen
  • gegenseitige Förderung der Stärken und damit
  • das Beste aus den jeweiligen Partnern herausholen zum Wohle aller, die mit diesem Paar zu tun haben
  • die Familiensysteme an sich stärken auf beiden Seiten
  • alte Verletzungen heilen helfen
  • beiden Partnern generell zu einer größeren Zufriedenheit verhelfen
  • eventuellen gemeinsamen Kindern eine gesunde und stabile Basis für ihr Wachstum bieten
  • die körperliche Gesundheit fördern und erhalten, ebenso wie die seelische
  • Wege zu einer gemeinsamen und kontinuierlichen Weiterentwicklung und die
  • Bereitschaft dazu, an der Beziehung gemeinsam zu arbeiten fördern
  • konkrete Pläne für die Vision und Zukunft der Beziehung entwickeln helfen und für deren
  • gemeinsame Umsetzung sorgen
  • eine für beide genuß- und liebevolle, erfüllende Sexualität zu leben, sich treu zu sein und zu bleiben
  • den Partner immer in seine Entscheidungen mit einzubeziehen
  • dem Partner gegenüber immer Transparenz zu leben
  • die Bereitschaft zu zeigen, an sich selbst zu arbeiten, um den verantwortlichen Teil der Beziehungsarbeit zu leben
  • das Interesse am anderen zu zeigen, was ihn bewegt, was er mag und was nicht
  • sich gegenseitig zu unterstützen in allem, soweit möglich
  • etc.

Augenhöhe heißt für mich nicht zwingend, daß die Partner immer einer Meinung sein müssen. Augenhöhe heißt für mich nicht zwingend, eine (konstruierte) Dauer-Harmonie zu leben.

Augenhöhe heißt für mich: aufeinanderzuwachsen, gemeinsame, wenn nicht zwingend gleiche Wege gehen, aber immer mit dem Ziel und der höchsten Priorität, die Beziehung zu fördern und sie zu stärken. Dafür zu sorgen, daß die Beziehung der gemeinsame Garten ist, der kontinuierlich gepflegt und gehegt wird, um später eine Ernte der Aussaat gemeinsam einzufahren.

Nur solche Beziehungen, in der sich die Partner auf Augenhöhe bewegen, können m.E. nach funktionieren. Ja, es sind immer Kompromisse nötig. Aber wenn diese Kompromisse zur Unfreiheit eines oder beider Partner führen, wenn das Verstehen und das Verständnis für den anderen nicht da ist, wenn es immer wieder Reibereien an den elementaren Punkten gib, gilt es hinzuschauen, ob die Beziehung, die wir gerade führen, wirklich auf Augenhöhe gelebt wird.

Beziehungen, die nicht auf Augenhöhe gelebt werden, erkennen wir an einer grundsätzlichen Destruktivität, vor allem aber an Machtkämpfen.

Wir erkennen sie daran, daß ein Paar, wenn wir es erleben, für uns als Paar nicht greif- und spürbar ist.

Wir erkennen sie daran, daß:

  • sich ein Paar in Projektionen bekämpft, anstatt als als Mann und Frau im gut gemeinten Sinne gegenüberstehen
  • beide oder zumindest einer der Partner sich in der Rolle des Elternteils des Gegenübers wiederfindet (was zu unglaublicher Frustration führen kann, weil man nicht als das gesehen wird, was man eigentlich ist oder sein sollte)
  • sich der projizierende Partner immer noch in alten Konstrukten von „böser Mama“, „böser Papa“, „die Mutter als Erwartungserfüllern“ oder „der Papa als der König“ etc. befindet; hier kann beim besten Willen keine Beziehung auf Augenhöhe entstehen
  • sich einer oder beide Partner weigern, sich mit ihren eigenen und projizierten Anteilen zu befassen und sie in Dauerschleife auf den Partner oder die Partnerin übertragen
  • sich zumindest einer oder aber auch beide Partner ständige Kämpfe um die „Oberhand“ in der Beziehung liefern oder einer den anderen in diese Kämpfe hineinzieht
  • sich einer der Partner schlichtweg weigert, in die erwachsene Rolle zu gehen und stattdessen seine alten und familienbedingten Rollenspiele einfach weiterspielt
  • sich einer oder beide Partner in einer Sexualität wiederfindet/wiederfinden, die eindeutig darauf abzielt, den anderen zu unterwerfen oder zu benutzen
  • sich die Beziehung eher nach Ausbeutung, statt nach Fülle anfühlt
  • sich die Streitereien oder Beziehungskämpfe immer wieder um die gleichen Themen drehen und in keinster Weise ein konstruktiver Fortschritt abzeichnet
  • sogar die Kinder mit hineingezogen werden oder die Kinder die Themen in sich weiterleben, die zuhause in ihrem Elternhaus nicht in die Erlösung finden
  • die intellektuelle oder die Ebene der persönlichen Weiterentwicklung der Partner in keiner Relation zueinander steht
  • die Interessen an sich soweit auseinandergehen, daß keine gemeinsame Ebene von Austausch besteht
  • die sog. Kommunikation entweder gar nicht stattfindet (weil einer oder beide Partner das nicht gelernt haben und dazu nicht bereit sind, es zu lernen) oder eine diametrale Kommunikation geführt wird, die dann in beiden Fällen großes Potential für Missverständnisse und Fehl-Interpretationen führt
  • der eine Partner emotional orientiert ist, und der andere Partner sachlich ist; das führt immer zu Konflikten, denn der sachlich orientierte Partner wird den emotionalen Partner nicht auch nur im Ansatz verstehen, da er ihn eher be-greifen müsste, sich aber vor allem mit seinen Gefühlen befassen und lernen müsste, diese auch zu äussern
  • der eine Partner die Beziehung als erste Priorität in seinem Leben versteht und auch so lebt, der andere Partner aber eher seinen Beruf an die erste Stelle setzt; auch das kann niemals gut gehen, denn der Beziehungsmensch wird mit dem „Berufs-Menschen“ emotional auf die Dauer seelisch verhungern
  • einer der Partner immer und immer wieder flüchtet – sei es in seine Arbeit, seine Hobbies oder in andere Aktivitäten; auch fremdgehen ist da gern als Flucht genommen
  • schlussendlich die seelische und gesundheitliche Unversehrtheit stark leidet
  • etc.

Ich selbst habe solche Beziehungen mehr oder wenige lange mitgemacht. Vielleicht in der Hoffnung, daß es doch funktionieren kann, weil ich dem anderen zugetraut und zugemutet habe, daß er sich auf den Weg macht.

Mein Fazit ist: der an sich schon unreflektierte Mensch wird keinerlei Bereitschaft haben, diesen Zustand zu verändern. Menschen, die auf dem Weg sind – mehr oder weniger lange – sollten es einfach unterlassen, diesen Versuch zu starten. Er wird garantiert nach hinten losgehen.

Wenn wir selbst ausstrahlen, daß wir eine in sich gesunde und tragende, für beide Seiten förderliche und liebevolle Beziehung möchten, werden wir diese auch irgendwann führen (oder jetzt aktuell schon 🙂 ).

Alles andere – jeder „Versuch von“ geht meistens nicht gut. Er führt nur zu Leid – mehr oder weniger großem – und zu z.T. massiven Verletzungen – gerade, wenn sich einer der Partner noch in unreflektiertem Projektionsverhalten befindet.

Wir können den anderen nicht ändern. Wir können nur uns ändern. Und das heisst hier im konkreten Fall: vorher gut hinfühlen, ob sich diese Beziehung auf Augenhöhe entwickeln kann oder nicht.

Für mich persönlich wären heute gewisse Punkte ein sofortiges „Ausschluss-Kriterium“:

  • Probleme mit Vater oder Mutter
  • Probleme mit dem oder den eigenen Kindern
  • kein eigener Freundeskreis
  • der Job als oberste Priorität
  • keine oder nur sehr sparsame Aktivitäten außerhalb vom Job
  • eine politische Haltung, mit der ich nichts anfangen kann
  • Oberflächlichkeit
  • eine aggressiv-unterdrückte Persönlichkeit mit allen Konsequenzen
  • ein Umgang mit Kindern, Alten und Tieren, der für mich nicht okay ist
  • eine rein „sachliche Natur“
  • fast durchweg Schimpfen auf die ehemaligen Partnerinnen mit „Schuld-Vergabe“
  • keine Eingeständnisse von eigenen Anteilen an gescheiterten Beziehungen
  • keine Therapie-Erfahrung aufgrund von bisheriger Verweigerung, sich mit der eigenen Geschichte zu befassen
  • keine sonstigen Erfahrungen in puncto persönlicher Weiterentwicklung (von einem Menschen um die 50 erwarte ich das ganz einfach)
  • schlechte Umgangsformen, gerade in Beziehungen
  • keine wirkliche beziehungsfördernde Kommunikation
  • Abwertung des Weiblichen (auch versteckt)

Wir sollten es uns selbst wert sein, nur noch eine Partnerschaft auf Augenhöhe zu führen.

 

Warum das Unerledigte in unserem Leben ein Beziehungskiller ist

„Nichts ist nachtragender als die Vergangenheit. Weil sie dazu neigt, in unbeobachteten Momenten rigoros Rache zu spucken.“ ~ Alissa Sterne

Wir alle tragen unsere sog. Altlasten mit uns herum. Früher fand ich diesen Begriff „Altlasten“ doof. War ich doch immer der Meinung, daß es keine solchen gibt, sondern die Erfahrungen sind, die wir alle mitbringen.

Heute sehe ich das bei weitem anders. Ja, es gibt sog. Altlasten. Das Wort an sich sagt es ja schon: alte Lasten. Das sind all die destruktiven Muster, Begebenheiten, Wunden, Verletzungen, Erinnerungen, Wehmütigkeiten, unerledigten Dinge in unserem Leben, die wir mit einem mehr oder weniger großen Rucksack mit uns herumschleppen. Und so ein Rucksack kann ganz schön Gewicht haben. Ich frage mich manchmal, warum so viele Menschen „Rücken“ haben – egal, in welchem Bereich. Sind es denn immer nur die rein physiologischen Gründe, die dazu führen? Der einseitige Büro-Job? Der Bewegungsmangel? Ein u.U. vorhandenes Übergewicht? Wobei ja auch in diesem Wort schon ganz klar die Ursache liegt: es ist ein „Über“ an Gewicht.

All das Übergewichtige – bildlich gesprochen – belastet. Es macht unsere Lebensreise schwer. Aber nur sehr wenige Menschen sind bereit, diesen Rucksack mal von ihrem Rücken zu nehmen, ihn zu öffnen und reinzusehen, auszusortieren, zu entmüllen und zu entsorgen, was dort einfach nicht mehr hineingehört.

Den Rucksack immer mal wieder komplett auskippen und schauen, was da unten auf dem Grund vor sich hingammelt und hinschimmelt, ist nicht angenehm. Lieber wird immer noch mehr obendrauf gepackt, um den Gestank von unten nicht wahrzunehmen. Der Rucksack wird einfach so fest verschnürt und ohne Murren wieder aufgesetzt. Und mitgeschleppt. Durch unser ganzes Leben, durch unsere Beziehungen, Freundschaften. Kurzum: wir „landen“ irgendwo…in einer Freundschaft, in einer Beziehung und stellen unseren vollgepackten Rucksack dort ab in der Hoffnung, daß wir nie wieder dort hineinsehen müssen. Wir stellen ihn in die hinterste Abstellkammer unserer neuen Bleibe und „vergessen“ ihn dort einfach. Also…wir hoffen, ihn dort vergessen zu können. Und darin sind die meisten Menschen wie die kleinen Kinder: wenn sie die Augen verschließen, dann meinen sie auch, nicht gesehen werden zu können.

Wir sind aber „eigentlich“ keine kleinen Kinder mehr. Wir sollten erwachsen genug sein, um diesen Rucksack immer und immer wieder auf den – bisweilen gärenden – Inhalt zu untersuchen. Das Alte, Gammelige und Destruktive auszukippen und zu entsorgen. Und nicht in der hintersten Ecke irgendwo stehenlassen, in der Hoffnung, daß dieser Rucksack sich irgendwann selbst entsorgt. Das tut er nämlich nicht. Stattdessen fängt er an zu stinken, zu modern und seine Fäulnis in all das hineinzutragen, womit wir den Rucksack und seinen Inhalt doch am liebsten vergessen wollten.

Damit vergiften wir alles. Wir vergiften uns, unsere neue Bleibe – sprich unsere Beziehungen – unsere (neuen oder auch alten) Freundschaften, unsere Arbeitsverhältnisse. Wir lassen den alten Kram gären und wundern uns dann über den Gestank, der von ihm ausgeht.

In Beziehungen heißt das: bevor wir eine neue Beziehung eingehen, sind wir in der Eigenverantwortung, das Alte aufzuräumen und nicht immerzu mitzuschleppen und damit die neue Beziehung und vor allem auch den neuen Partner, die neue Partnerin damit zu belasten. Er oder sie kann das zum einen nicht übernehmen, darf das auch gar nicht. Und es ist schlichtweg respektlos, den Partner, die Partnerin mit diesen Altlasten zu be-lasten! Es geht nicht darum, daß wir – vor allem im fortgeschrittenen Alter – völlig frei sind von alten Geschichten, Erlebnissen. Wir alle haben unseren Rucksack, der Themen enthält. Wir alle haben Verletzungen, Unwegbarkeiten, unschöne Erfahrungen etc. in unserem Leben gemacht und ja, es ist menschlich, daß wir diese auch in jede neue Beziehung hineinbringen. Wir müssen darüber sprechen. Über den Rucksack und seine Inhalte. Das ist nur fair dem anderen gegenüber. Aber das Aufräumen, das Entmüllen obliegt uns ganz allein, und wir sind in der Verantwortung uns selbst UND der Beziehung gegenüber, daß wir das auch tun, mit Hilfe oder ohne. Tun wir es nicht, entsteht neuer Müll. Und dieser neue Müll landet dann wieder in unserem Lebens-Rucksack. Und den schleppen wir – dann nochmal schwerer – auch wieder mit uns rum bis zur nächsten Bleibe, bis zu unserer nächsten Beziehung. Und dann folgt wieder das gleiche Spiel: ab in die hinterste Kammer damit, hoffen, daß der Rucksack nicht irgendwann explodiert und die Hand vor Augen halten.

Es gibt Menschen, die spielen dieses Spiel ihr ganzes Leben lang. Bis der Rucksack so schwer ist, daß er uns nicht mehr aufstehen lässt. Bis er so schwer ist, daß wir unter seiner Last endgültig zusammenbrechen. Die Schuld für solche Rucksäcke lässt sich dann fein verteilen…nur: wer möchte denn das gärende Zeug in die Hand nehmen, wenn es nicht das eigene ist? Wer befasst sich denn gerne mit den Rucksack-Inhalten von anderen, wenn er nicht dafür in irgendeiner Weise dafür entlohnt wird, sprich also ein Therapeut? Denn dafür sind diese Menschen ja da.

Einem Partner, einer Partnerin oder sogar den eigenen Kindern und womöglich noch Enkeln dieses ganze gärende Zeug zu hinterlassen, das kennen wir doch aus der Generation unserer Großeltern und Eltern. Auch sie haben ihre Rucksäcke nicht ausgepackt. Auch sie haben nicht darüber gesprochen, damit etwas verändert werden konnte und die Last nicht den Nachkommen weitergegeben wurde.

Ich habe meine Therapien vor allem aus einem Grund gemacht:

  • meinen Kindern nicht meinen Müll zu hinterlassen und sie so unbeschwert wie möglich in ihr eigenes Leben gehen zu lassen

So haben sie nämlich im Vorbild gelernt, ihre Rucksäcke beizeiten und frühzeitig zu leeren.

Ob sie das dauerhaft oder immer tun, liegt nicht mehr in meiner Verantwortung. Sie sind erwachsen oder auf dem Weg dahin. Meine Verantwortung als Mutter war: ich schaue mir meinen Rucksack an und entmülle ihn. Und das ist kein Einmal-Job, das ist dauerhafte Seelen-Hygiene. Es ist die Übernahme von Verantwortung als Mensch und Elternteil meinen Kindern gegenüber. Es ist die Verantwortung mir selbst und meinen Beziehungen gegenüber. Es ist eben nicht „die Hand vor die Augen halten“.

Ich bin nicht perfekt. Niemand ist das. Darum geht es auch nicht. Es geht darum, bewusst und klar zu sein, verantwortlich zu handeln. Wenn jeder Mensch das tun würde, hätten wir z.B. nicht unsere derzeitigen politischen Umstände, die mehr als erschreckend sind. „Wie konnte das nur passieren???“ Ja, wie denn wohl? Durch die Nicht-Entsorgung von altem Müll – jeder für sich, und Deutschland an sich. Wir alle haben Großeltern und Eltern, die durch die Kriegsgeschichten traumatisiert und „vollgemüllt“ sind.

Unsere Generation ist daher dringend aufgerufen, diesen alten Müll aus den Rucksäcken zu kippen, ihn zu sichten und zu entsorgen!

Unsere Generation hat die dringende Aufgabe, diese Verantwortung zu übernehmen und nicht unseren Seelen-Müll auf die Wege unserer Kinder und Kindeskinder zu schütten!

Unsere Generation ist zuständig, und wir haben heute alle Möglichkeiten, in die Klärung zu kommen und dafür zu sorgen, daß unsere Familien und Beziehungen, Freundschaften und Arbeitsverhältnisse weitestgehend unbelastet bleiben.

Was für eine Welt wollen wir unseren Nachkommen hinterlassen?

 

Warum un-erwachsene Menschen in Beziehungen un-tauglich sind

„Trotzdem kamen wir auf anderen Ebenen des Wahnsinns gut miteinander klar.“ ~ Jack Kerouac

Kerouac, der Held der nie erwachsen werdenden Männer…saufen, vögeln, Drogen und der große Duft der (männlichen) „Freiheit“…so manch einer „erholt“ sich nimmer von den feucht-pubertären Träumen und bleibt ein „Möchtegern-Kerouac“, kann nicht mit Anstand älter und vor allem nicht reifer werden.

Nein, das wird hier kein Moral-Artikel.

Ich selbst habe noch genug Flausen im Kopf, die vielleicht für „mein Alter“ von anderen Menschen meiner Generation für „nicht angemessen“ gehalten werden ;). Es gibt aber einen Unterschied:

  • ist der Mensch in der ständigen Weigerung, wirklich erwachsen zu werden oder
  • ist der Mensch einfach nur erfrischend in seiner Art und bleibt damit jugendlich mit einer dennoch erreichten Reife

Es gibt manches Buch in meinem Regal, das ich nicht unbedingt von hinten bis vorne durchlese, sondern mit einer bestimmten Frage oder einem Gedanken das Buch in die Hand nehme und es an irgendeiner Stelle aufschlage.

So ist es auch mit dem fantastischen Buch von Tsültrim Allione „Dem Dämonen Nahrung geben“.

Tsültrim Allione ist gebürtige Amerikanerin und lebte viele Jahre als buddhistische Nonne im Himalaya. Sie befasst sich mit den weiblichen Traditionen im tibetischen Buddhismus und gründete ein Meditationszentrum in Colorado. Weiterhin ist sie spirituelle Lehrerin und ist regelmäßig in Deutschland, Österreich und in der Schweiz zu hören.

Allione beschreibt in ihrem Buch unter anderem die sog. Dämonen in der Liebe, den Puer aeternus, den ewigen Jüngling.

Der „ewige Jüngling“…

„…der sich jede Möglichkeit offenhalten, sich nie binden und nie erwachsen werden will. Menschen mit diesem Komplex gehen oft gefährlichen Freizeitaktivitäten nach, die etwas für junge Leute sind und verweigern sich einem normalen Erwachsenenleben als auch bindenden Beziehungen.

er kann in seiner dämonischen Form…“andere verletzen, weil er keine Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt.“

„…lässt sich mit Partnern ein, die jünger sind als er, und will Sex ohne jede Verpflichtung.“

Allione berichtet im folgenden Text von einem Mann, der – mit entsprechend prägender eigener Geschichte – erst nach „wildem und der Jugend nachjagenden Leben“ mit allen Unvernünftigkeiten und natürlich immer auf der Jagd nach jungen Frauen um die 50 auf seine eigene Schliche kommt. Er ist dabei, seinen Sohn zu verlieren, als er auf einer Party die Freundin des Sohnes im betrunkenen Zustand sehr anflirtet. Sein Sohn will daraufhin nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Dieser Mann beginnt also mit der Arbeit an seinem eigenen Dämon und muss sich schlussendlich eingestehen, daß er Angst hat, „alt und starr“ zu werden. Er gestand sich auch ein, daß er ein „abgöttisches“ Verlangen nach sog. Freiheit hatte, sich im tiefsten Inneren und mit zunehmendem Alter aber eine feste Partnerschaft ersehnte.

Nach einer von ihm beschlossenen Therapie, in der seine Thematik und die gemeinsame mit seinem Vater behandelt wurde, war er wirklich frei und ging eine feste Beziehung ein.

~~~~~~~

Eine schöne Geschichte der Heilung!

Allione beschreibt im weiteren Kapitel die Auswirkung der Dämonen und deren Projektion auf den Partner und die Partnerin.

Es wird also alles an sog. Dämonen in einem Menschen selbst vehement abgestritten – und das kennen wir sehr gut von einer narzisstisch gestörten Person – und auf den Partner, die Partnerin projiziert. Dort kann sich derjenige, der seine Dämonen in sich selbst ablehnt (er/sie muss schließlich „der/die Gute“ sein) das „Ergebnis“ seiner eigenen Dämonen-Unterdrückung dann „schön“ an der Partnerin oder dem Partner anschauen und sie/ihn dafür verachten, sich trennen und sich wieder seiner/ihrer „Freiheit“ widmen.

Ebenso kann das mit Gewalt-Potential passieren: der Partner selbst hat den gewalttätigen Dämon in sich, weigert sich aber vehement, diesen Anteil in sich anzuschauen und überträgt ihn auf die Partnerin.

Wir alle haben Dämonen in uns, wir alle haben unsere Schattenanteile. Der Umgang mit Dämonen oder sog. Schattenanteilen kennt nur zwei Wege:

  • ansehen, bewusst machen, anerkennen und in die eigene Persönlichkeit integrieren als Lichtseite
  • wegsehen, sich (wie ein trotzendes Kleinkind) weigern, alles aus seinem Umfeld eliminieren, das ihn an diese Schattenseiten erinnert oder heranbringt und einfach so weitermachen wie bisher

Genau die letztere Wahl zeugt für mich von totaler Un-Reife. Ein Mensch, der wachsen möchte in seine Reife hinein, wird sich mit diesen Seiten auseinandersetzen. Es ist KEIN Manko, diese Seiten in sich zu tragen, aber es ist sehr problematisch, diese Seiten immer weiter zu verdrängen und sie auf sein zwischenmenschliches Umfeld zu übertragen.

Narzisstisch gestörte Menschen – ob Männer oder Frauen, das spielt keine Rolle – würden sich eher ein Bein abhacken lassen, als zuzugeben, daß sie ewige Jünglinge oder ewige Mädchen sind und das im Grunde auch weiterhin bleiben möchten. Sie haben Verantwortung nie gelernt und auch nie gelebt. Für die männlichen ewigen Jünglinge ist das Leben eine dauerhaft rasante Fahrt in einem offenen Ford Mustang, einer Flasche Whiskey zwischen den Beinen und auf dem Beifahrersitz leicht bekleidete junge Frauen, die sie anhimmeln und natürlich mehr.

Für die weiblichen Vertreter dieser „Spezies“ muss es dann immer der Prinz auf dem schneeweißen Pferd sein, der sie „rettet“, ihr jeden Wunsch von den Augen abliest, sie dauerhaft auf seinen Händen trägt und ihr „sein Königreich“ zu Füßen legt. Verantwortung übernehmen auch sie nicht; so einige dieser Damen sind sogar in der Lage, sich schreiend auf den Boden zu werfen, wenn sie nicht das bekommen was sie wollen oder sich in „Windel-Gesänge“ zu begeben (alles erlebt, ich schreibe vielleicht wirklich mal irgendwann ein Buch 😉 ).

Sie träumen von Delphin-Gesängen, in die sie sich dauerhaft hineinträumen oder vom „american lifestyle“…“wild“ muss es sein oder „prinzessinnen-romantisch“ und in jedem Fall „FREI“- äh, bitte…wo ist die Realität? Die Reife? Wo steckt da der Mann oder die Frau? Und wo ist die Freiheit? Nichts ist un-freier als solch eine Haltung zum Leben, und nichts ist problem-lastiger in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Ich habe einige solcher Menschen kennengelernt; manche von ihnen haben sich aber irgendwann auf die Spurensuche in sich selbst begeben und ihr Lebensruder noch herumgerissen bekommen. Sie konnten sogar gute Eltern werden und ihre Kinder verantwortungsbewusst erziehen, weil sie selbst ihre eigenen Verantwortlichkeiten leben.

Andere wiederum bleiben auf dem Weg der „Prinzessin oder dem Prinzen der Kelche“ hängen und werden vielleicht in noch älteren Jahren feststellen, was ihnen bleibt:

  • ein zu Schrott gefahrener Mustang oder
  • ein alter klappriger Gaul

Beide „Transportmittel“ ihres Traumes von der ewigen Jugend sind aufgebraucht und innerlich leer – wie sie selbst.

 

Von heilendem und missbräuchlichem Sex – Anforderungen an eine oberflächliche und narzisstische Gesellschaft

„Von allen Umschreibungen für Geschlechtsverkehr gefällt mir am besten die polynesische Formulierung: „Nahe bei Gott sein.“ ~ Günter Jursch (Heilpraktiker)

Nie war es einfacher den „schnellen Sex“ zu bekommen als in der heutigen Zeit. Apps wie Tinder etc. machen es möglich. Innerhalb von zwei, drei Klicks (wenn überhaupt) ist man(n), aber auch frau am „Ziel der Begierde“. Legitim, durchaus. Erfüllend auf allen Ebenen? Sicher nicht.

Menschen, die genau nur das suchen, sich niemals wirklich auf einen Partner, eine Partnerin auch emotional einlassen können und wollen, befinden sich also in heutigen Zeiten im Schlaraffenland ihrer oberflächlichen Begierden. Gefühle spielen hier keine Rolle, Hingabe und Erotik ebenso wenig. Das Sexleben dieser Menschen spielt sich weitestgehend und/oder ausschließlich in ihren unteren Chakren ab. Das Herz ist nie beteiligt, was auch erwünscht ist, bzw. angestrebt wird. Die eigene Geilheit und die Lüsternheit müssen maximal „bedient“ werden, alles andere ist Nebensache. Diese Menschen können durchaus in Beziehungen leben, aber der sog. Kick wird woanders gesucht und sicher auch gefunden. Anstatt sich in ihrer eigenen Beziehung um eine heilende Sexualität zu bemühen, wird fremdgegangen. Die Suche nach (Selbst-) Bestätigung und Erfüllung narzisstischer Bedürfnisse (möglichst oft und vielfältig) ist die oberste Maxime, nach denen diese Menschen leben oder schreibe ich besser: vor sich hin vegetieren?

Dieser Artikel soll kein sog. moralischer werden; ich selbst habe solche Phasen in jungen Jahren gelebt, was in der Zeit auch in Ordnung war. Hinterlassen hat das aber vor allem eines: eine innere Leere, die dann anderweitig kompensiert werden musste. Im schlimmsten Fall durch noch mehr oberflächlichen Sex. Nur irgendwann war mir klar: DAS ist es definitiv nicht! Es muss noch mehr geben.

Und ja, das gibt es auch. Es gibt durchaus eine heilende Sexualität, die allerdings Hingabe an den Partner, die Partnerin, eine wirklich tiefe Begegnung und Einlassung beinhalten. In dieser Sexualität hat Angst, Machtstreben und Oberflächlichkeit keinen Platz. Diese Form der Sexualität ist das, was ich wie im oben beschriebenen Zitat sehr schön finde: „nahe bei Gott sein.“. Wer einmal diese heilende Sexualität erleben und mit allen Sinnen erfahren durfte, der möchte nichts anderes mehr. Denn hier geschieht etwas transformierendes in uns selbst. Wir begegnen uns als Partner, Partnerinnen tief in uns selbst – und ich bin der Überzeugung: genau das wollen die meisten Menschen eben nicht. Sie wollen „außen vor“ bleiben – vor dem anderen und auch und vor allem „vor sich selbst“. Die Türen zum eigenen Herzen bleiben verschlossen und dürfen auch nicht erreicht werden, denn das ist – gerade für bindungsunfähige und/oder narzisstische Menschen „lebensgefährlich“.

So wird der Geschlechtspartner, die -partnerin immer nur zum „Objekt der Begierde“ und ist absolut austauschbar. Die Menschen, der mit dieser inneren Haltung unterwegs sind, scannen potentielle „KandidatInnen“ max. nach äußeren Merkmalen ab und ob diese Frau, dieser Mann ihn/sie „bedienen“ kann, ihre Geilheit befriedigen. Selbst, wenn sie in einer Beziehung sind, wird im Außen weiter gesucht und weiter“gescannt“, denn diese Form der Gier ist nicht zu befriedigen. Wie auch, wenn das Herz niemals beteiligt ist, das auch unter allen Umständen verhindert werden soll? Dieser Mensch ist nie „satt“, weil immer nur der Trieb befriedigt und „befriedet“ werden muss – das ist die Antriebsfeder. Nicht das Schaffen von Geborgenheit, wirklicher Intimität, Zärtlichkeit und Erfüllung BEIDER Partner, sondern möglichst keine Nähe, keine emotionale Bindung, kein schauen nach dem anderen, was dieser braucht, um sich in der Sexualität und in der Beziehung gut und wirklich befriedigt, satt zu fühlen.

Die Sexualität dieser Menschen ist in jedem Fall missbräuchlich; ich würde sogar sagen: sie grenzt an oder ist faktisch Körperverletzung am anderen.

Maitreyi Piontek, die ganz wunderbare Bücher zur weiblichen Sexualität geschrieben hat, stellte mal die – für mich total nachvollziehbare – These auf, daß sich für den Mann nichts ändert, wenn er mit einer Frau schläft. Für die Frau aber ändert sich alles. Darüber mag man(n)/frau streiten, aber ich verstehe, was sie meint, denn

  • Frauen nehmen alles an Energien in ihrem Becken auf
  • Frauen empfangen grundsätzlich
  • Frauen sind daher auf körperlicher und energetischer Ebene viel leichter zu vergiften und zu verletzen, als ein Mann, der ja „von sich gibt“ und sich erst einmal nicht durch das Aufnehmen bindet

Daher ist eine missbräuchliche Sexualität, die von bindungsgestörten und/oder narzisstisch gestörten Männern praktiziert wird, in meinen Augen höchst toxisch für die Frau – und zwar auf körperlicher, aber auch und vor allem auf energetischer und seelischer Ebene. Sie wird benutzt und „vermüllt“. Da solche Männer recht wahllos „wildern“, ist auch die Übertragung von Geschlechtskrankheiten keine Seltenheit. Auch ungewollte Schwangerschaften sind möglich; allerdings wird der entsprechende Mann sich darum nicht kümmern…schließlich ist das ja nicht sein Problem, wofür er auch auf keinen Fall Verantwortung übernimmt.

Eine gute und auf allen Ebenen heilende Sexualität ist ein echtes Stück Arbeit – gerade in Beziehungen. Es erfordert die immerwährende Arbeit an sich selbst und ein gemeinsames Wachstum innerhalb der Partnerschaft. Nur so kann die Basis auch auf allen anderen Ebenen von Beziehungen geschaffen werden. Zusammenhalt, Vertrauen, Geborgenheit geben und nehmen, das Schaffen eines „Hafens“, eines wirklichen Zuhauses von Körper, Seele und Geist für beide Beziehungspartner…das wollen sicher die meisten Menschen. Aber wer ist noch dazu bereit, wo es doch so viel einfacher ist, sich einfach das zu nehmen, was die (Netz) Welt so anbietet?

Ist es fortschrittlich, daß wir heute alles, also wirklich ALLES und oft nur zur eigenen Befriedigung in nullkommanix bekommen? Ist das anspruchsvoll? Ist es vor allem liebevoll? Ist es nachhaltig? Ist es verantwortungsbewusst? Ist es erwachsen und reif?

Ist es Treue und Liebe? Ist es die Fähigkeit, auch Durststrecken in Partnerschaften gemeinsam zu überwinden als nächsten Schritt in der gemeinsamen Persönlichkeitsentwicklung? Ist es Beziehungen und Verbindlichkeit stärkend? Ist es nährend für beide? Ist es förderlich für Familien? Ist es seelisch und emotional gesund?

Nein. All das ist eine solche Sexualität, ein ledigliches Abgreifen und ausschließliche Triebbefriedigung auf Kosten anderer auf keinen Fall. Es ist in meinen Augen zutiefst destruktiv und krankhaft. Es ist ebenso ein zutiefster Ausdruck von Krieg im eigenen Inneren nach außen verlagert. Es sind Vertrauensbrüche und die Verachtung gegenüber dem anderen. Es ist zerstörerisch für diejenigen selbst und für alle die, die mit solch einer Sexualität in Berührung kommen. Es ist toxisch auf allen Ebenen und hinterlässt immer Spuren in der eigenen Matrix. Es zerstört (Ur-) Vertrauen und macht schlussendlich unglaublich einsam.

Und dann wundern wir uns darüber, daß Kriege in der Welt herrschen? Wir wundern uns über eine immer mehr zunehmende Umweltverschmutzung? Über Korruption und Gewalt?Über mehr und mehr verantwortungsloses Handeln? Über eine Geilheit, die nur noch darauf abzielt, andere zu benutzen, damit es uns „gut“ geht?

Der Mensch ist gut im Selbstbetrug. Und gerade diejenigen, die handeln, als gäbe es immer eine neue Welt irgendwo, immer wieder Menschen, die sie für ihre Zwecke benutzen – egal, auf welcher Ebene, sind Meister darin. Sie sind Meister der Manipulation und der Gewalt – und sie übersehen leider dabei, daß sie sich selbst wahrscheinlich am meisten (dafür aber nachhaltig) schaden…von denen, die mit ihnen zu tun haben, mal ganz abgesehen.

Was also bleibt? Wie damit umgehen? Woher wissen wir, ob wir einem sexuell missbräuchlichen Menschen begegnen oder nicht?

Für mich zählen hier mehrere wichtige Faktoren:

  • das erste Bauchgefühl! Wahrnehmen und danach handeln
  • wirklich gut hinspüren, ob die Form der Annäherung an sich und der folgenden Sexualität unsere ist oder ob uns nicht gleich im Ansatz wichtiges fehlt
  • den anderen beobachten…wir sehen und fühlen im Normalfall sehr schnell, ob der/die andere nur sich selbst befriedigt beim Sex oder auch uns
  • meint er/sie uns in der Sexualität oder dienen wir lediglich als Vorlage? Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als zu wissen und zu spüren, daß der Partner sich erst woanders aufgegeilt hat und dann an uns seinen Trieb auslässt
  • wie schnell geht`s in Richtung Sex? Ein ziemlich untrügliches Zeichen dafür, daß es hier nicht um ein wirkliches Streben nach einer Beziehung, Partnerschaft geht, sondern lediglich um die meist schnelle und unverbindliche „Nummer“. Wer ebenfalls nichts anderes möchte: prima, dann ist man(n) und frau schnell am Ziel.
  • Anzüglichkeiten – ob offen oder unterschwellig „verpackt“ – sie haben nichts mit dem Menschen an sich zu tun, sondern wollen lediglich das „Eine“
  • mehrere Eisen im Feuer…auch das ist ein Zeichen dafür, daß es nie um uns geht, sondern immer nur um den anderen
  • ein relativ schneller emotionaler Rückzug, sobald der Sex vollzogen ist. Im schlimmsten Fall aber eine durch Streit herbeigeführte Distanz.
  • das meist untrügliche Bauchgefühl, daß wir nicht die Einzigen sind. Dafür muss uns der entsprechende Partner/die Partnerin nicht einmal wirklich betrügen. Betrug am anderen beginnt im Kopf und die daraus folgende Abwesenheit ist spürbar
  • der Sex wird mehr und mehr zum mechanischen Akt, der beim anderen in jedem Fall eine große innere Leere hinterlässt
  • Zärtlichkeit und Hingabe, Erotik und das Spiel mit den sexuellen Energien, Zeit…all das hat keinen Raum. „Fast, hot & dirty“ – in diesem Modus fallen die Unzulänglichkeiten auf seelischer und emotionaler Ebene nämlich (hoffentlich) nicht auf

Nach einigen sehr prägenden und schmerzhaften Erfahrungen gilt für mich der Leitsatz:

„Besser keinen Sex als schlechten.“ Ich bin weder mir, noch meinem Körper, vor allem aber meiner Seele „nicht böse“. Den vielen Frauen, die sich in diese leidvollen Erfahrungen einreihen können, wünsche ich, daß sie viel selbst-bewusster und achtsam mit sich umgehen! Sich selbst vor solchen Energien zu schützen und auf sich acht zu geben, ist eine Form der Selbstliebe und Selbstachtung.

Wie können sich Frauen selbst heilen nach solchen Erfahrungen?

  • auf keinen Fall gleich Sex mit dem Nächsten haben! Gerade Frauen, die solche Verletzungen erlitten haben, sind umso offener für Männer, die es dem Vorgänger gleich tun.
  • die eigenen Verletzungen betrauern und ausheilen lassen
  • sanfte Massagen durch eine Frau oder am besten durch eine gute Freundin geben lassen, um ein neues Körpergefühl zu bekommen, was achtsam und wertschätzend ist. Ausbeutung auf körperlicher Ebene macht eine ganze Menge!
  • dem eigenen Bauchgefühl folgen und all das tun, was der Seele und dem Körper gut tut
  • Energiearbeit wie Reiki und/oder Chakrenarbeit (insbesondere Wurzel-,Sakral- und Herz-Chakra behandeln (lassen))
  • Tantra-Massagen von einer Frau geben lassen, dabei die eigenen Grenzen wahrnehmen und auch äußern
  • tanzen in jeder Form, die dem eigenen Körper und der eigenen Seele gut tun
  • das Zusammensein mit guten Frauen und Freundinnen insbesondere
  • den Gefühlen Ausdruck geben durch kreatives arbeiten
  • KEIN schlechtes Gewissen haben, das das passiert ist. Wir haben – sehr wahrscheinlich – aus Liebe zum Partner gehandelt. Wer liebt, öffnet sich. Und das ist kein Fehler, im Gegenteil! Wir dürfen nur in Zukunft sehr gut darauf achten, wer dieser Liebe auch würdig ist.
  • sich austauschen mit anderen – auch sprechen heilt, indem es bewusst macht

Und schlussendlich:

  • jede Frau, die sich selbst von den Verletzungen solcher Männer und Erfahrungen an sich heilt, heilt auch andere Frauen im morphogenetischen Feld!

 

Warum Bedürftigkeit unattraktiv macht

„Bedürftigkeit steht zwar unseren Wünschen entgegen, aber sie begrenzt sie auch. Überfluss vermehrt zwar unsere Bedürfnisse, aber hilft uns auch, sie zu befriedigen. Ist man am rechten Platz, so ist man glücklich.“ ~ Luc de Vauvenargues

Einen Artikel über dieses Thema wollte ich schon ganz lange mal schreiben. Ein heikles Thema, das sicher in so manches Wespennest sticht.

Bedürftig im positiven Sinne sind alle Menschen. Jeder möchte angenommen, geliebt, gehalten und respektiert werden. Daran ist nichts „unattraktiv“, nichts „verwerflich“, es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis.

Aber es gibt eine Bedürftigkeit, die das Leiden nach außen zeigt – im Verhalten und im Aussehen, in der äußeren Erscheinung. Diese meine ich. Und genau diese Verhaltensweisen und sichtbaren Merkmale machen einen Menschen unattraktiv und lassen andere Menschen eher von ihm weggehen, als dauerhaft und in der Tiefe auf ihn zugehen und ihn unterstützen.

Was sind das für Verhaltensweisen?

  • extreme Anhänglichkeit; die eigene Autonomie wird entweder nicht empfunden oder unterdrückt, um anderen zu gefallen. Vor allem aber um zu bekommen. Das „haben wollen“ wird der eigenen Autonomie und dem entsprechend selbst-bewussten Verhalten übergeordnet
  • manipulierendes Verhalten im Umgang mit anderen Menschen, insbesondere aber bei den Menschen, von denen wir uns eine Erfüllung unserer Bedürftigkeit wünschen oder gar einfordern wollen. Dieses manipulierende Verhalten kann sich zeigen in Jammern, dem offen gezeigten „Leiden“ bis hin zu Erpressung in „milder“ bis zu übergriffiger Form
  • Rat und Tat haben wollen, aber im Grunde nichts am Verhalten verändern; es soll schließlich doch so bleiben wie es ist, damit die Bedürftigkeit legitimiert wird
  • immer nach der „Mama“ oder dem „Papa“ suchen, die/der „es“, also das eigene Leben mit seinen Verantwortlichkeiten regeln und machen soll
  • eine erhöhte Disposition zur Lebensangst und einem grundsätzlichen Verbleiben im Status eines kleinen und bedürftigen Kindes

Die Verhaltensweisen sind z.T. bei Männern und Frauen unterschiedlich – je nach persönlicher Konstitution – wollen aber im Grunde dasselbe: „gib mir!“, „heile mich!“, „rette mich!“

Die äußeren Anzeichen sind:

  • ein vor allem hungriger und auch melancholischer Blick
  • ein klein-kindlicher Blick
  • ein bestimmter Augenaufschlag, der etwas devotes und immer bittendes bis flehendes hat, niemals etwas selbst-bewusstes; der Blick ist nicht klar und „geradeaus“, sondern eher von unten nach oben geneigt (wenn auch nur minimal erkennbar)
  • oftmals hängende Mundwinkel oder einen eher verschlossenen und/oder angespannten Mund (von Kieferproblematiken oder Zahnfehlstellungen abgesehen, die durchaus auch die herunterhängenen Mundwinkel oder die angespannten Lippen zur Folge haben können)
  • eine Körperhaltung und Körpersprache, die immer eher einem kleinen Kind, aber nie einem gereiften Erwachsenen entspricht. Bei Frauen, aber auch bei vielen Männern zeigt sich das oft durch eine gewisse „Hineinwölbung“ im Herzbereich, d.h., dieser Bereich ist oft nach innen gezogen (mehr oder weniger), so daß die wirklich aufrechte (und damit aufrichtige) Haltung kaum noch möglich ist oder immer schwieriger wird. Bei vielen Männern konnte ich beobachten, daß sie sich im Rückenbereich als Kompensation „hart und breit“ machen
  • in der Sprache ist sie zu erkennen am Tonfall und in der Stimme (nicht wirklich kraftvoll, sondern „gemacht sanft“); die Sprachwahl ist oft sehr angepasst (weil: „haben wollen“) oder geht z.T. bei Frauen schon ins Piepsige hinein. Bei Hunden ist z.B. sehr leicht erkennbar, wann sie die „Welpen-Nummer“ abziehen 😉 : ihr Bellen ähnelt dem eines Welpen, wenn sie entweder Aufmerksamkeit wollen oder Angst (vor größeren Hunden z.B.) haben.
  • eine gute Körperspannung ist oftmals nicht vorhanden; der bedürftige Mensch zeigt hier oft eine gewisse Schlaffheit und oder einen Körper, der eher an ein Kind erinnert als an einen Erwachsenen. Z.T. ist aber auch eine permanente Überspannung sichtbar, die aber auch die tiefe Bedürftigkeit zeigt. Aufgrund meiner jahrelangen Massage-Tätigkeit konnte ich sehr viele Studien an der Stelle betreiben, was für mich sehr faszinierend war und immer noch ist. Alexander Lowen hat dazu in seinen Büchern über Bioenergetik viel über Körpertypen beschrieben.
  • das vordergründig manchmal erst zurückhaltende (und nicht zupackende) Verhalten, was sich dann aber schnell in ein forderndes ändert, wenn entweder gegeben wird, was der bedürftige Mensch haben will oder negativ zupackend, wenn das Geben verweigert wird
  • bei genauerem Hinsehen ist diese bis in die Körperlichkeit hineingeschriebene Bedürftigkeit auch am Gang erkennbar

Es gibt dazu noch viele Krankheitsbilder, die auf eine Unerfüllung der ehemals kindlichen Bedürfnisse hinweisen. Auch erkennen wir am Essverhalten und in der Auswahl von Nahrungsmitteln sehr oft eine kindliche und unerfüllte Bedürftigkeit. Viele Süßigkeiten zu konsumieren z.B. ist IMMER eine Kompensation des Gefühls, nicht genug bekommen zu haben oder zu bekommen und der Schrei nach (mütterlicher) Liebe. Muttermilch schmeckt halt süß und nicht nach Pommes ;).

Warum ist diese Bedürftigkeit unattraktiv, bzw. warum macht sie einen Menschen unattraktiv (für die Menschen, die diese Bedürftigkeiten von anderen nicht erfüllen wollen, sondern einen erwachsenen und gereiften Menschen insbesondere als Partner oder Partnerin, aber auch in Freundschaften an ihrer Seite wissen möchten)?

  • sie werden zur „Mama“ oder zum „Papa“ gemacht mit den entsprechenden Forderungen
  • man hat das Gefühl, mit einem unreifen Kind zusammen zu sein, aber nicht mit einem erwachsenen Mann oder einer erwachsenen Frau
  • möchte man Sex mit seinem eigenen „Sohn“ oder mit seiner eigenen „Tochter“ haben???
  • der Partner, die Partnerin ist nicht für die emotionale Nachreifung des bedürftigen Partners/der bedürftigen Partnerin zuständig, wird aber mehr oder weniger unter Druck gesetzt (durch entsprechend manipulierende Verhaltensweisen, wie ich sie oben beschrieb), genau das zu übernehmen und zu tun
  • die Beziehung zwischen zwei Menschen mit einem solchen Gefälle ist nicht auf Augenhöhe, sondern hat immer die Grundstimmung: Mutter/Vater/Kind
  • der Partner, die Partnerin wird „wie selbstverständlich“ in Verantwortungen gebracht, die überhaupt nicht seine/ihre sind. Wehrt sich der Partner, die Partnerin dagegen, gibt es unterschiedliche Formen von Gegenwehr: jammern, schimpfen, wüten, erpressen usw.

Besonders spannend wird es, wenn sich zwei bedürftige Kleinkinder in einer sog. Beziehung zusammentun (was sehr oft der Fall ist!). Was dann passiert ist eine Potenzierung von Bedürftigkeit, Jammerei, Schimpferei und sich gegenseitigem Ergehen von „du hast aber…für mich tun sollen“, „du tust ja…nicht mehr für mich“, „du wolltest doch…machst es aber nie“ etc. Wir kennen es wohl alle aus irgendeiner Beziehung ;).

Mein persönliches Fazit aus diesen Begegnungen und Beziehungen mit Männern und Frauen:

  • ich möchte es mit Erwachsenen zu tun haben im Umgang (manch sehr junger Mensch ist da erwachsener und reifer als manch eine(r) in meinem Alter)
  • Verantwortungsbewusstsein und entsprechendes Handeln (bei Männern und Frauen) ist für mich äußerst sexy 😉
  • ich selbst darf immer wieder lernen, mir nicht die „Mama“-Rolle auf meinen Leib zu schneidern, weil ich schon sehr früh in meiner Kindheit für die Bedürfnisse der Erwachsenen in meinem Umfeld zuständig war. Aber ich habe sehr viel davon verstanden die letzten Jahre im Umgang mit Menschen
  • bei den geringsten Anzeichen von o.g. Verhaltensweisen und äußeren Merkmalen im Umgang ziehe ich sofort eine Grenze und schicke den kindlich bedürftigen Menschen zurück (in seine Eigenverantwortung) bis hin zum Kontakt-Abbruch
  • attraktive Menschen sind für mich in erster Linie diejenigen Männer und Frauen, die in ihrer Persönlichkeit gereift sind und das auch leben in all ihren Umfeldern; alles andere hat in meinem Leben keinen Platz mehr – und auch das ist eine Form von „Erwachsen werden und sein“ ;).

 

Let`s talk about sex

„Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird.“ ~ Woody Allen

Ich wurde immer mal wieder gefragt, ob ich Artikel über Sexualität schreiben könnte. Bisher habe ich mich geweigert, denn

  • es wird so dermaßen viel über das Thema Sex geschrieben
  • es gibt so dermaßen viel „nackte Ware“ an jedem Kiosk und in allen Medien

daß es mich persönlich schon fast anwidert. Die dauernde Präsenz törnt mich persönlich enorm ab. Und das scheint vielen Menschen so zu gehen. Es sei denn, sie sind in der Pubertät oder dieser nie entwachsen ;).

Ich bin der Meinung, daß Sexualität immer noch in den sog. heiligen Raum von zwei Menschen gehört, in dem wirkliche Intimität stattfindet – im günstigsten Fall.

Aber das ist meine eigene Meinung dazu. Dennoch möchte ich nun dem Wunsch meiner Leser und Leserinnen nachkommen, einen Artikel zum Thema Sexualität zu veröffentlichen.

Wo beginnt Sexualität eigentlich zwischen zwei Menschen? Beginnt sie erst beim tatsächlichen Berühren oder schon viel früher?

Für mich beginnt Sex immer im Kopf, in einer bestimmten Form von Anziehung des authentischen Männlichen, ihrer Präsenz und vor allem in dem phantasievollen Spiel zwischen zwei Menschen, der sog. Verführung. Die Verführung – wenn sie wirkliche Verführung ist und nicht „plumpes Gefummel“.

Sex ist im schlechtesten Fall lediglich der Akt selbst; die Erotik spielt für mich persönlich eine erhebliche Rolle. Wenn das erotische Spiel zwischen zwei Menschen im Sinne von sinnlicher Verführung nicht stattfindet, kann der Sex meines Erachtens nach lediglich der Akt an sich bleiben…wie sagte Helge Schneider mal so schön ;): „…das alte Rein-Raus-Spiel“. Langweilig!!!

Erotik ist das, was den meisten Menschen heute m.E. nach komplett abhanden kommt. Der „nächste Fick“ ist ruckzuck über diverse Plattformen zu haben – nur einen Klick entfernt. Wozu also sich mit solchen Mühseligkeiten wie Erotik abplagen und stattdessen einfach schnell und „unkompliziert“ zur Sache kommen?

Ich schmälere und werte das nicht. Auch in meinem Leben hat es Phasen gegeben, wo genau das dran und richtig war. Auch mehrere Affären nebeneinander – kein Problem, solange sich die Männer nicht untereinander kannten ;). Aber da war ich Mitte Zwanzig. Es gibt reichlich Menschen (Männer und Frauen), die an sich gar nichts anderes wollen und aufgrund von Bindungsschwierigkeiten auch gar nichts anderes können. In Zeiten wie diesen ist alles von jetzt auf gleich zu haben. Wer also bitte möchte sich noch die „Arbeit“ einer Beziehung machen, die alle Möglichkeiten und Potentiale bietet oder bieten könnte?

Wahre Erotik, wahre Einlassung und einen wirklich guten Flow beim Sex gibt es für mein Empfinden nur in einer vertrauten und liebevollen Beziehung. Alles andere ist halt „ficken“. Wer das so möchte, okay. Aber wer nur so kann, hat ein echtes Problem und zwar mit sich selbst.

„Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird.“ – ein wunderbares Zitat von Woody Allen!

Was ist denn sog. schmutziger Sex überhaupt? Was ist denn „richtig“?

Ich glaube, letzteres ist am einfachsten zu beantworten: „richtig ist, wenn es beiden Spaß macht, wenn der Sex im flow ist. Wenn beide Partner zufrieden und satt sind und es nicht nur eine „einseitige Nummer“ auf Kosten des einen Partners ist, über den lieblos „drübergerutscht“ wird. Oder der lediglich als „Behälter“ für den anderen gilt. Auch das ist in einer guten Beziehung durchaus lebbar mit Absprachen, aber wenn das die Regel ist und sich ja meistens der Mann dann beschwert, daß seine Partnerin „da liegt wie ein Brett“, der darf sich gerne fragen, warum das wohl so ist. Wahrscheinlich NICHT, weil sie „frigide“ oder „prüde“ ist, sondern weil die „Sprache“ des Mannes, seiner Nicht-Fähigkeit der Erotik einfach gegen null geht und keinerlei Einfühlungsvermögen beinhaltet. Ich habe mit vielen Frauen gesprochen und alle haben mir genau das bestätigt: der Mann hat in sie „reingehackt“, ist über sie „drübergegangen“ ohne jegliches Interesse, wie sie die Sexualität gerne hätte. Wenn ich diese Frauen gefragt habe, warum sie nichts gesagt haben, keine Wünsche geäußert, dann kamen verschiedene Antworten:

  • zuviel Scham ihrerseits aus ihrer Erziehung heraus
  • bei dem Mann meistens gegen eine Wand reden (das war die häufigste Antwort)…er zieht seins eh einfach durch ohne Rücksicht auf die Partnerin
  • keine Zärtlichkeit
  • zu viel Grobheit
  • zu wenig „Drumherum“, sondern lediglich eine „schnelle Nummer“…nach der der Mann natürlich direkt einschläft
  • keine erotische Ansprache
  • keine Beziehungspflege ansonsten, sondern eher Gleichgültigkeit
  • emotionale Kälte im Alltag
  • etc.

Männer ticken sicher ganz anders als Frauen in der Sexualität. Ich habe die Erfahrung gemacht: sprechen außerhalb des Bettes kann helfen insofern es sich darüber sprechen läßt. Wer nicht spricht oder das Gespräch entweder nicht zuläßt oder sich (irgendwann) nicht mehr traut, bekommt Probleme. Und wenn die Sexualität innerhalb einer Beziehung komplett wegbricht, kann sie u.U. nur über ein beiderseitiges Vermögen einer Erotik gelebt werden. Ich kenne durchaus Paare, die ohne Sex leben, aber ansonsten so innig miteinander sind, daß der Sex nicht zwingend fehlt. Das ist aber die Sache eines jeden Paares selbst, und ich bin auch der Meinung, daß das lange gut gehen kann. In Zeiten von Dauer-Stress und absoluter Überbewertung von Sex an sich, die Veröffentlichung von allen möglichen „Super-Techniken“, „HIER ist das G-Punkt-Geheimnis“ etc. kann ich nachvollziehen, wenn sich Paare (insgeheim) darauf einigen: „Das ist uns zu viel, wir halten das anders.“

Was ist denn nun „schmutziger“ Sex?

Sex mit einer Prostituierten? Dirty talk? Gewisse Praktiken und Techniken? Oder oder oder?

Ich sehe das so wie Woody Allen – und zwar exakt so :).

Für mich kann Sex alles sein, und ich kann in der Sexualität alles sein. Die dringliche Voraussetzung allerdings ist: ich habe den richtigen Partner dafür. Mit einem One-Night-Stand geht vielleicht einiges, aber nicht alles. Wer nur das „Dreckige“ braucht, ist im Puff gut aufgehoben. Keine Bindung, vor allem keine emotionale. Geld gegen „Ware“ und gut isses. Kann passen. Für einige oder viele Männer ist das entweder der Kick, den sie brauchen – ob Beziehung oder nicht – oder sie sind nicht in der Lage, wirkliche emotionale Nähe zu einer Frau aufzubauen und mit ihr durchaus „dreckigen Sex“ zu leben.

Männer, die sich lediglich einer Frau in der Form „bedienen“, haben sicher unterschiedliche Motivationen. Ich finde aber vor allem und besonders spannend:

  • es sind oft Männer, die das sog. „Schmutzige“ in sich selbst nicht akzeptieren und wirklich (mit ihrer Partnerin) leben, sondern als sog. Schatten ins Außen, sprich ins Bordell transportieren müssen. An diesen Orten „darf“ es sein, hier dürfen sie ihre eigene „innere Sau“ rauslassen. Die Partnerin zuhause…ja, was ist sie denn dann eigentlich?

Sie ist:

  • Ehefrau (wer bitte sagt denn, daß diese Frau nicht „dreckigen Sex“ mag?)
  • Mutter der gemeinsamen Kinder (wer bitte sagt denn, daß diese Frau auch noch andere Facetten als die der Mutterrolle hat und haben möchte?)
  • das Abbild der eigenen Mutter (und das ist wohl ein ganz großes Problem vieler Männer: die sog. Schlampe als Ambivalent zur eigenen Mutter, bzw. zum eigenen Mutterbild)
  • insgesamt also herunter reduziert auf die Facetten, die der Mann ihr zubilligt im günstigsten Fall?

Die Männer, mit denen ich gesprochen habe, sagten mir dann u.a.:

  • „ich kann meiner Frau meine Phantasien nicht zumuten“ – haben aber nie mit ihr darüber gesprochen, sondern sie im schlimmsten Fall im Außen ausgelebt
  • „das kann ich mit meiner Frau nicht leben, das will sie nicht“ – haben sie aber nie gefragt oder ein Gespräch darüber geführt; die eigene Scham ist dann nämlich viel zu groß
  • „das will meine Frau sowieso nicht machen“ – aha. Auch hier: kein Gespräch, aber Vermutungen. Um das „suchen und finden woanders“ dann vor sich selbst zu rechtfertigen (Schatten!)
  • „meine Frau ist eh langweilig im Bett, ich hole mir den Kick woanders“ – vielleicht sieht sie die Langeweile im Bett genauso und geht selbst fremd oder leidet, weil der Partner fremdgeht?

Je mehr der sog. Schattenanteile – das sog. „Schmutzige“, „Verdorbene“ nicht innerhalb einer Beziehung gelebt, sondern im Außen gesucht wird, umso mehr ist davon auszugehen, daß wirkliche Kommunikation, vor allem aber eine wirklich gelebte Tiefe innerhalb einer Beziehung nicht gelebt wird. Ich bin der festen Überzeugung, daß Männer UND Frauen, die sich im Miteinander verständigen, ihre „sauigen“ Seiten mit echter Lust und Hingabe leben können – weil sie sich dieser Seiten in sich bewusst sind und zu ihnen stehen! – die brauchen keinerlei Kompensation im Außen.

Da muss die „Hure“ nicht von der „Heiligen“, der „Mutter“ etc. abgespalten, sondern kann im Rahmen einer liebevollen Beziehung nicht nur leidenschaftlich gelebt werden, sondern auch zu einer enormen Vertiefung der Seelen-Ebene führen.

Ich habe das erleben dürfen, und es war das schönste Geschenk, was mir ein Mann jemals gemacht hat. Wir haben NICHTS ausgelassen, was uns beiden Spaß und Lust bereitet hat.

Männer, die sich ihrer sog. Schattenseiten im Außen „entledigen“ wollen, weil sie sie nicht in sich integriert haben, werden das niemals leben können. Sie werden immer nur im eigenen Inneren verklemmt der Partnerin die Schuld am „langweiligen Sex“ geben oder sich immer wieder Partnerinnen suchen, die ihnen ihre eigene Verklemmtheit spiegelt. Diese Männer sind weder in der Lage, eine wirkliche und mit allen Facetten gelebte lust- und liebevolle Sexualität zu leben, noch werden sie jemals auf sog. Außenreize durch bestimmte Vorlieben verzichten können.

Let´s talk about sex, Baby :). Sex begins about words, creative playing and at last sensual touching all over.

 

Welche Verhaltensweisen einer Beziehung nutzen und welche ihr schaden

„Liebe ist nicht das, was man erwartet zu bekommen, sondern das, was man bereit ist zu geben.“ ~ Katherine Hepburn

Alle Menschen – oder zumindest die meisten – wünschen sich einen anderen Menschen, bei dem sie früher oder später in ihrem Leben ankommen können.

Nur haben wir alle unsere Vorstellungen und Muster in uns, die einer Beziehung nicht nur nutzen, sondern es auf die Dauer auch schwierig machen können bis hin zur Schädigung der Beziehung und der anschliessenden Trennung.

Jeder Mensch hat sicher zunächst eine andere Vorstellung von Liebe.

Für mich bedeutet Liebe:

  • Einlassung auf allen Ebenen – nicht „ein bisschen“, nicht „nur soweit, wie ich die Gefühle kontrollieren kann“, nicht „nur so, wie ich das will“ etc. Liebe ist oder ist nicht.
  • der Partner sollte die Nummer eins in einer Beziehung sein. Nicht der Job, nicht die Hobbies, nicht die Freunde, nicht das Materielle etc. Wer dem Partner von vornherein das Gefühl gibt, daß er/sie im Grunde immer die Nummer zwei sein wird, darf damit rechnen, daß dieser früher oder später gehen wird. Daß das emotionale Konsequenzen hat – und zwar für beide Seiten.
  • eine grundsätzliche Liebesfähigkeit mit der Fähigkeit, diese auf allen Ebenen zu kommunizieren. Lieblosigkeit, emotionale Kälte machen auf Dauer auch die gesündeste Seele kaputt.
  • sich gegenseitig fördern in allen Belangen und nicht nur in dem, was ich für richtig oder wertvoll empfinde. Leistungsdenken hat in einer Beziehung nichts zu suchen.
  • eine liebevolle und für beide Seiten erfüllende Sexualität leben. Nicht eine Sexualität, in der der Partner lediglich als Mittel zum Zweck, also ausschließlich meiner eigenen Befriedigung dient. Das ist spürbar und verletzt über alle Maßen, denn der Partner wird dann schlichtweg benutzt.
  • Fürsorge für den anderen tragen, auch wenn es ihm schlecht geht, er krank ist. In der Fähigkeit zur Fürsorge zeigt sich oft sehr deutlich, inwieweit der andere sich für mich stark macht, wenn ich schwach bin.
  • Dem anderen auf Augenhöhe begegnen. Macht- und Dominanz-Spielchen haben in einer Liebesbeziehung nichts zu suchen.
  • Den anderen in seinem Gefühl abholen können und ihm genau da zuhören, auch, wenn es unangenehm wird. Eine Kommunikation in der Form, dem anderen Rationalität entgegen zu setzen, wenn es darum geht, selbst in seine Gefühle zu gehen, ist keine Kommunikation. Es ist Abwehr und erzeugt beim Gegenüber Wut, Trauer, Enttäuschung. Der Partner wird sich in seinem Gefühl abgewertet und in keinster Weise gesehen fühlen.
  • Fehler eingestehen können, sich „gerade machen“. Eine quasi erzwungene Entschuldigung ist keine. Sie muss von Herzen kommen. Und danach sollten leichte bis grobe Vergehen im eigenen Inneren bearbeitet und abgestellt werden. Wiederholungstaten machen Wiederholungstäter und schwächen beide Partner, die Beziehung an sich enorm.
  • Beziehungsarbeit gilt für beide Partner, nicht nur einem. Meist sind es die Frauen, die die Beziehungsarbeit leisten. Die Männer ruhen sich gern auf ihrem Job, ihren sonstigen Verpflichtungen etc. aus. Viele Männer sind nach wie vor – Emanzipation hin oder her – immer noch nicht in der Lage, diesen Teil der Verantwortung in einer Beziehung zu leisten. Wenn die Frau damit irgendwann schlichtweg überfordert ist, weil sich NICHTS ändert, sie unmutig, unzufrieden, wütend, traurig wird oder schlichtweg resigniert bis hin zu depressiven Erscheinungen, wird die Schuld dann natürlich dort gesucht und nicht in der fehlenden Eigenverantwortung.
  • Selbstreflektion. Auch dieser Punkt zählt zur Beziehungsarbeit. Es ist ein leichtes, selbst nichts zu reflektieren, dem anderen die Verantwortung zuzuschieben und sich dann zu beschweren, daß sich nichts ändert in der Beziehung. Wenn nicht beide an ihren Anteilen wirklich und stringent arbeiten – auch mit Hilfe von Therapie etc. – dann bleibt die Beziehung stecken, erkrankt und geht schliesslich kaputt.
  • gemeinsame Interessen pflegen, sich die Zeit nehmen für Paar-Zeit. Die meisten Menschen sind heute in einem Hamsterrad gefangen, in dem kaum noch Zeit für die Pflege von Beziehungen, Familie, Freundschaften und Hobbies bleibt. Hier gilt es, ganz klare Prioritäten zu setzen: wird die Beziehung nicht von beiden Seiten aus regelmässig gepflegt, sondern u.U. nur da heraus geflüchtet, wird sie irgendwann nicht mehr sein.
  • gemeinsame Zielsetzungen. Eine Beziehung braucht Ziele und Visionen, über die gesprochen werden muss. Beziehungen ohne Ziele und Visionen sind wie Boote, die ohne Kurs auf dem Meer des Lebens herumschippern und dann irgendwann auf Grund laufen.
  • gemeinsame Entscheidungen, terminliche Absprachen, sprechen über die Finanz-Themen. Wer oft oder fast immer einsame Entscheidungen trifft, übergeht den anderen, schließt ihn aus, setzt ihn der Ungewissheit und permenanten Unsicherheit aus, schafft eine regelmäße Unruhe, Vertrauensbrüche, die natürlich entsprechenden Missmut nach sich ziehen. Wer seine Termine mit dem Partner nicht abspricht, tut ihm ebensolches an. Wenn eine Ungewissheit über die Finanzen besteht, mit dem Partner nicht darüber gesprochen wird, zieht das ebenso Vertrauensbrüche nach sich.
  • Einbeziehung in die Familie. Es gibt sicher Familien, die man dem Partner nicht unbedingt antun möchte. Darüber kann man sprechen. Wenn aber der Partner grundsätzlich von der Familie ferngehalten wird, dann stimmt etwas überhaupt nicht. Dazu kommt dann ebenso das Gefühl für den Partner des Ausschlusses.
  • Nähe schaffen, nicht Distanz. Menschen, die eine grundsätzliche Nähe- oder Bindungsangst haben, gehören m.E. nach in eine Therapie. Distanz-Schaffende in Beziehungen bringen sehr viel Leid über ihre Partner. Diese Distanz wird durch verschiedene Verhaltensweisen erzeugt, die aber nicht nur sehr verletzend, nicht nur sehr erniedrigend und demütigend sind, sondern dem anderen immer und durchgängig das Gefühl geben, nicht geliebt zu werden. Diese Verhaltensweisen erzeugen eine ganze Palette von Gefühlen, von Streitereien, die in Folge dann aber die beste Legitimation sind, den Partner von sich und seinen Aktivitäten, an sich gemeinsam zu besprechenden Themen etc. fern zu halten. Dieses Fernhalten erzeugt eine weitere Spirale von Unmut usw.
  • ich bin selbst für meine Versäumnisse verantwortlich. Wenn der Partner dafür verantwortlich gemacht wird, daß wir unsere Hobbies nicht pflegen, keine Freunde (mehr) haben, keine Zeit für uns etc., dann ist es nicht die Schuld des anderen – auch, wenn das so schön einfach ist.
  • Offenheit und Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit. Gebe ich diese nicht, dann darf ich gerne bei mir schauen, ob ich ein Thema mit „Kontrolle“ habe. Partner, die sich nicht offen ihren Partnern gegenüber zeigen, ihre „kleinen Nischen pflegen“, Heimlichkeiten etc., die in die Beziehung hineinreichen, erzeugen Misstrauen und einen Spielraum für Spekulationen. Die Folge: Unmut. Aus dem Unmut heraus entsteht Streit, daraus folgernd zunehmende Distanz. Diese Distanz ist aber für gewisse Menschen nötig, um die Kontrolle zu behalten.
  • der Liebe einen Schutzraum geben, sie wahren und erhalten. Dazu gehört für mich vieles, was ich oben angeführt habe. Wenn wir unsere Liebe opfern – der Arbeit, dem Freundeskreis, den Hobbies etc., dann ist das keine Liebe. Dann ist die Liebe ein „austauschbares Ding“, etwas, was nicht halten kann. Liebe gehört für mich geschützt und nicht geopfert.
  • Alte Traumen, Verletzungen aufarbeiten und nicht die Beziehungen damit belasten. Wer immer nur von einem Partner zum nächsten geht und sein Päckchen dort hineinträgt, darf sich nicht wundern, wenn der „Müllhaufen“ immer größer wird. Alte Traumen haben die Eigenschaft, sich fortzusetzen und zu potenzieren, wenn wir sie nicht bewusst bearbeiten und zwar mit Hilfe von außen, nicht nur im eigenen Kopf kreiselnd. Wir haben alle unsere Geschichten. Wir haben alle unsere Verletzungen – aus der Familie, aus unseren Beziehungen. Wer nur über die Ex-PartnerInnen wettert, aber seine eigenen Anteile nicht mit professioneller Hilfe aufarbeitet, darf sich nicht wundern, daß es einfach nicht klappen will mit der „großen Liebe“ um dann – wieder mal – enttäuscht zum Nächsten/zur Nächsten weiter zu ziehen, dort das Spielchen von „Täter und Opfer“ fortzusetzen.
  • KEINE Gewaltanwendung!!! Sobald es in einer Beziehung zu tätlichen Angriffen kommt – meist von demjenigen aus, der nicht mehr Herr der emotionalen Lage ist und vermeintlich die Kontrolle verliert (nämlich über sich selbst) – ist eine Grenze überschritten, die mit Liebe nicht mehr viel zu tun hat. Ist diese Grenze einmal überschritten, werden sich die Angriffe fortsetzen und in ihrer „Qualität“ zunehmen. Wer sich mit dem Thema „häusliche Gewalt“ befasst hat, weiß, daß das niemals einmalige „Ausrutscher“ sind. Nur über die tätlichen Angriffe ist noch eine vermeintliche Kontrolle zu beziehen. Vor allem aber geht es hier um Macht und Ohn-Macht. Menschen, die – egal, was vorher passiert ist – ihre PartnerInnen tätlich angreifen, gehören in psychologische Behandlung. Vor allem aber dann, wenn sie keinerlei Reue zeigen und auch für dieses Verhalten die Schuld beim anderen suchen. Einen Grund „hinzulangen“ wird es für Menschen mit Angst vor Kontroll-Verlust immer geben. Hier gibt es nur einen Weg: nämlich den raus aus der Beziehung!

Liebesbeziehungen zu erhalten und sie qualitativ so hochwertig wie möglich zu gestalten, erfordert mehr als einen Blumenstrauß oder ein Abendessen pro Monat. Es erfordert viel Bereitschaft – erst einmal in uns selbst – genau diese Liebe hochzuhalten und sie genauso gut und pfleglich zu leben.

 

Empathie vs. Liebesunfähigkeit

Ich war immer der Meinung, jeder Mensch kann lieben. Jeder Mensch hat einen Zugang zu seinem Herzen. Jeder Mensch hat zumindest ein gewisses Maß an Empathie. Jeder Mensch hat ein Gewissen, eine gewisse Moral, wie er mit Nahestehenden umgeht. Ich hatte auch jahrelang, wenn nicht jahrzehntelang geglaubt, ich müsse einfach nur „genug“ lieben, dann wird das schon.

Um in einer emotional gestörten Familie halbwegs überleben zu können, hat sich meine Seele wohl als Empathin in diese inkarniert. D.h., ich entwickelte sehr früh ein sehr seismografisches, inneres „Radar-System“, um jegliche emotionale Irritation möglichst so früh wahrzunehmen, daß ich mich „vorbereiten“ konnte in meinem Handeln, wenn meine Eltern mit Boshaftigkeiten, Gemeinheiten, Gewalt etc. agierten.

Empathen können sich sehr gut in andere Menschen hineinfühlen, sie erkennen Stimmungen und Schwingungen bei anderen Menschen, was – wenn sie sich nicht massiv abgrenzen können – zu enormen Irritationen im eigenen Fühlen führen kann. Sie „riechen Lügen 10 Meilen gegen den Wind“, sie erkennen sehr schnell die Schwachstellen, die Unaufrichtigkeit von anderen Menschen. Das macht sie sehr verletzbar, denn ein Mensch, der nicht integer ist, wird darauf sehr ungemütlich bis u.U. gewalttätig reagieren.

Gerade Empathen ziehen oft Menschen in ihr Leben, die selbst nicht liebesfähig sind. Diese Menschen „ernähren“ sich von der Herzens-Energie von anderen. Sie benutzen Menschen – insbesondere und gerne emphatische – um ihr eigenes Manko (bis hin zu einer massiven Störung der Liebesfähigkeit) aufzufüllen. Was aber nicht gelingt, denn der liebesunfähige Mensch lässt die Herzens-Energie anderer wie durch ein Faß ohne Boden auslaufen. Wir können uns nur mit der Herzens-Energie von anderen aufladen lassen, wenn wir in uns selbst einen Boden geschaffen haben, damit diese Herzens- und Liebesenergie fruchtbar ist und wachsen kann.

Nicht liebesfähige Menschen fühlen nicht mit anderen. Sie vermeiden jegliche Nähe und können nur über die Distanz, den Intellekt, die Rationalisierung ihrer eigenen Empfindungen die Kontrolle behalten. Sie müssen immer wieder durch verschiedene und sehr destruktive Verhaltensweisen einen möglichst hohen emotionalen Abstand schaffen. Sie manipulieren andere, um bestätigt zu bekommen, daß sie nicht das Problemfeld in einer Beziehung sind, sondern der Partner. Manipulation ist eine der meist hoch entwickelten Kompensationen von liebesunfähigen Menschen. So wie der Empath Schwingungen aufnimmt, so weiß der liebesunfähige Mensch sehr genau, wie er – meist Frauen, die schon von Natur aus oft empathischer sind als Männer – beeinflussen kann, um das zu bekommen, was er will. Es geht dem liebesunfähigen Menschen aber immer nur um sich selbst, nie um den anderen.

Diese Verhaltensweisen sind sehr verletzend – schon für einen nicht besonders emphatischen Menschen. Dieser ist jedoch meist schneller in der Lage, sich von liebesunfähigen Menschen zu distanzieren. Der empathische Mensch kann das aufgrund seiner Fähigkeit oft nicht, weil ihm die Abgrenzung viel schwerer fällt. Auch ist es in einigen Familien, wie in meiner eigenen, verboten worden in die Distanz zu gehen. Dazu ist es einem Kind ja unmöglich, sich gegen liebesunfähige Eltern abzugrenzen, denn von diesen Eltern hängt ja ihre Existenz ab. Würden sie sich abgrenzen, so wäre das gleichbedeutend mit ihrem Tod – so fühlt es sich zumindest als Kind an. Also bleibt diesen Kindern nichts anderes übrig, als sich von den liebesunfähigen Eltern „aussaugen“ zu lassen.

Emotionaler Mißbrauch in Familien ist ein oft lebenslanges Stigma, eine lebenslange Aufgabe – gerade für empathische Menschen – um bei sich bleiben zu können. Vor allem aber, um rechtzeitig liebesunfähige Menschen zu erkennen und sich von ihnen zu distanzieren, bevor sie wie ein Parasit die Lebensenergie von anderen nehmen, damit sie selbst leben können.

Liebesunfähige Menschen sehen nur sich selbst. Sie drehen nur um sich selbst, sie können anderen Menschen weder mit Liebe, noch mit Mitgefühl begegnen. Sie sind „herzkalt“, gepanzert, unfähig, andere Menschen zu trösten, ihnen beizustehen, sie auch nur im Ansatz liebevoll und fürsorglich zu behandeln.

Kinder von liebesunfähigen Eltern haben folgende Möglichkeiten, mit liebesunfähigen Eltern (oder Eltern-Teilen) umzugehen:

  • sie weisen früher oder später narzisstische Verhaltensmuster auf, um sich zu schützen und den Schmerz der liebesunfähigen Eltern (oder Elternteile) nicht spüren zu müssen
  • sie flüchten sich in Drogen aller Art
  • sie entwickeln nicht stofflich gebundene Süchte wie Arbeitssucht, Spielsucht etc. als Kompensation für eine große innere Leere
  • sie werden selbst liebesunfähig; oft noch in gesteigerter Form zu den Eltern
  • sie benutzen andere, sehr gerne emphatische Menschen, um sich von deren Herzens- und Lebensenergie / Lebensfreude etc. zu „ernähren“. Da es aber nicht ihre eigene Herzensenergie ist, nutzt sie dem liebesunfähigen Menschen nichts, und der Empath wird seiner eigenen Lebensenergie beraubt
  • sie werden zu Empathen, um durch Verletzungen von liebesunfähigen Menschen zu lernen, auf sich achtzugeben und ihre Empathie dahin zu bringen, wo sie auf fruchtbaren Boden fallen kann

In einer Zeit, wo die psychischen Störungen von Menschen immer offensichtlicher zutage treten, sind gerade die Empathen gefragt, um Heilung zu bringen. Aber ihre erste und größte Aufgabe ist es, den emotionalen Mißbrauch von Familienmitgliedern, Partnern, Freunden etc. aufzuarbeiten und sich zu erlauben, in die Abgrenzung zu gehen. Sie müssen lernen, immer erst gut für sich zu sorgen.

 

Manipulationen in Beziehungen – Last, Leid oder Geschenk?

Alle Strategien des dependenten Mannes sind Versuche, andere dahingehend zu manipulieren, für ihn zu sorgen und sich um seine Bedürfnisse zu kümmern.
Moore/Gillette, Der Magier im Mann

Wir manipulieren alle – jeden Tag, mal mehr, mal weniger. Das ist ein normales Verhalten, und Manipulationen im gesunden Sinn sind auch notwendig im zwischenmenschlichen Miteinander.

Es gibt aber auch die Abstufungen krankhafter Formen. Das kann von leichter Manipulation in gewissen Themenbereichen gehen bis hin zu so schwerer Manipulation, daß der manipulierte Mensch (Partner, Partnerin, Freund, Freundin, Kollege, Kollegin) irgendwann nicht mehr weiß, wo überhaupt noch die Wahrheit im Miteinander liegt, geschweige denn, wer er/sie selbst ist. Krankhafte Manipulation hat nur ein Ziel: die eigenen Bedürfnisse des Manipulierenden zu befriedigen (auf meist unterer und sehr unreflektierter) Ebene und zwar immer auf Kosten anderer Menschen. Die Bedürfnisse des anderen (Partner etc.) sind dem Manipulierenden völlig egal. Der manipulierende (und meist narzisstisch gestörte) Mensch hat keine Empathie für andere. Er hat noch nicht einmal Empathie für sich selbst.

Manipulierende Menschen tauschen andere Menschen einfach und schnell aus, wenn die Manipulationen nicht gelingen, wie sie das wollen. Im günstigsten Fall merkt das Gegenüber, daß es manipuliert wird und verlässt die gemeinsame Ebene.

Manipulierende Menschen können unglaubliche Dramen hinlegen (oft Frauen), aber auch sehr bissig, böse und hinterhältig bis gewalttätig werden, wenn sie mit ihren Manipulationen nicht weiterkommen. Wenn das passiert, verlieren sie die emotionale Kontrolle erst über das „Opfer“, also den-/diejenigen, die sie manipulieren wollen, dann u.U. auch noch über sich selbst. Die Anwendung von Gewalt ist hier oft ein probates Mittel, aber auch das Weinerliche, das Unter-Druck-Setzen mit verschiedenen Mitteln.

Die Ursachen für krankhafte Manipulationen liegen immer in der Kindheit begründet.

In fast allen Fällen ist der Umgang der Mutter (oder eine andere weibliche Bezugsperson)  mit dem Kind die Hauptursache. So, wie sie selbst war und das, was sie an das Kind weitergibt, was es von ihrem Kind erwartet, oder wenn sie es sehr vernachlässigt, aber auch überbehütet – also für ihre eigenen narzisstisch gestörten Anteile als Mutter benutzt – so wird sich auch das Kind untherapiert im Erwachsenenalter verhalten. Wer nichts anderes gelernt hat, damit immer „durchkommt“ und sich weigert, diese krankhaften manipulierenden und narzisstisch gestörten Anteile aufzuarbeiten und konstruktiv zu verändern, wird u.U. sein ganzes Leben lang mit anderen Menschen so umgehen.

Was bleibt in diesen Menschen ist eine innere und sehr große Leere. Sie finden – trotz über die Jahre immer ausgefeilterer Manipulationstechniken – keine innere Ruhe. Sie kommen nirgendwo an – weder bei Partnern, Partnerinnen, noch an Orten. Ihr Leben ist von Unruhe bestimmt, von Unstetigkeit, von Flucht. Sie müssen vor dem großen Schmerz flüchten, niemals selbst wirklich als das angenommen worden zu sein, was sie sind. Sondern den Manipulationen ihrer eigenen Mütter ausgesetzt gewesen zu sein und danach ihr späteres Leben auszurichten. Sie sind wie Tiger in einem Käfig, der nie zur Ruhe kommen kann, wenn dieser Schmerz nicht angeschaut, zugelassen und angenommen wird.

Schlussendlich aber sind sie im wahrsten Sinne mutterseelenallein und total haltlos. Das waren sie meistens, und das wiederholen sie in allen Beziehungen. Darauf arbeiten sie mit ihren Manipulationen ja auch hin: sie reaktivieren permanent den alten Schmerz des Kindes, nicht wirklich geliebt und verlassen worden zu sein. Durch die Manipulationen erschaffen sie automatisch eine innere und emotionale Distanz zu ihren Partnern, die diese destruktive Beziehung dann schlussendlich beenden. Selbst beenden diese Menschen ihre Beziehungen meist nicht, denn das würde den Mut kosten, selbst ausgesprochen zu verlassen. Davor haben sie aber eine solche Angst, daß sie lieber mit Manipulationen alles daran setzen, daß der Partner irgendwann – mehr oder weniger in der eigenen Seele geschädigt – das Handtuch wirft und geht.

Und damit reaktivieren sie dann den alten Schmerz des Verlassenseins durch die Mutter (oder auch den Vater)…immer und immer wieder.

Wenn wir mit einem Menschen in Beziehung sind, deren Manipulationen wir erliegen, dürfen wir bei uns selbst nachsehen, woher wir diese Muster kennen. Wenn wir erkennen, woher wir Manipulationen der krankhaften Art kennen, kann der Weg zurück zu uns selbst beginnen.

Wir müssen uns klarmachen, daß der manipulierende Mensch nur aus einem Grund Interesse an uns hat:

  • er/sie will seine Bedürfnisse befriedigen
  • er/sie will in jedem Fall die Kontrolle behalten
  • er/sie will uns nicht zu nahe an sich haben (Kontrollverlust droht)
  • er/sie will das alte schmerzhafte Muster über uns wiederholen

Menschen mit einer solchen Störung ohne Aufarbeitung sind nicht beziehungsfähig. Auch, wenn sie u.U. in langen Beziehungen sind, so dienen diese Beziehungen nur ihnen selbst. Mit dem Partner/der Partnerin hat diese Beziehung nichts zu tun, weil sie nicht auf Liebe, sondern auf Mangel basiert. Und zwar auf dem Mangel an Mutter (und/oder Vater), der niemals wieder aufzufüllen ist durch Manipulationen in Beziehungen. Dieser Mangel kann nur von Grund auf bearbeitet werden.

Gute Möglichkeiten um eine solche Störung zu heilen im Sinne von Transformation:

  • Bonding
  • sich in einem Projekt ehrenamtlich engagieren, wo es wirklich um existentielle Hilfe an anderen Menschen geht
  • spezielle Yoga-Übungen wie dem Fisch, um sein Herz-Chakra zu öffnen
  • sich von einem gleichgeschlechtlichen Partner halten lassen (gegengeschlechtliche Partner werden sofort wieder manipuliert)
  • seinen eigenen Mangel zulassen und beweinen (ohne in die Opferrolle zu gehen; das geht gut über geführte Meditationen)
  • spezielle Rituale in gleichgeschlechtlichen Gruppen, um sich nochmal mit der eigenen Mutter zu befassen (auch sie hatte einen Mangel! Hier gilt es, Verständnis zu entwickeln, um die Mutter dann loslassen zu können)
  • Familien-Aufstellungen

Für diejenigen, die es mit eigener Mutter-Mangel-Geschichte und Anfälligkeit für manipulierende Menschen noch nicht schaffen, aus einer solchen Beziehung auszusteigen, empfehle ich vor allem eins:

  • immer bei sich zu bleiben, sich seinen eigenen Standpunkt klarmachen und umzusetzen
  • sich die Manipulationen klarmachen, lernen, sie rechtzeitig zu erkennen
  • immer wieder aus der destruktiven Spirale von Manipulation auszusteigen
  • den anderen in seinem Schmerz, in seinem Mangel, in seiner Trotzhaltung, Bockigkeit etc. zu lassen und zu gehen
  • bei Gewalt-Anwendung entsprechende Maßnahmen zu ergreifen
  • auch selbst eine Therapie o.ä. zur eigenen Mutter-Thematik zu machen, sich aber immer Hilfe holen!

Wenn wir manipulative Beziehungen als Spiegel unserer eigenen Mutter-Manipulation betrachten können, ist das hilfreich und kann auch dazu beitragen, daß wir zum passenden Zeitpunkt aus dieser Destruktivität aussteigen und den Manipulator/die Manipulatorin stehen lassen. Er/sie wird andere Menschen finden, neue Partner, und das Spiel beginnt dann von vorn.

Wichtig ist, sich selbst keine Vorwürfe zu machen, daß wir nicht im Sinne des Manipulators/der Manipulatorin „funktioniert“ haben – das ist ja genau das Ziel, was sie mit allen Mitteln erreichen wollen.

Viel wichtiger aber ist es, aus der Spirale auszusteigen, um in unsere innere und äußere Freiheit zurückkehren zu können.

 

Warum die sog. 3D-Beziehungen ausgedient haben und wie es weitergehen könnte

„Die neue Form der Liebe wird eine freie und wirklich zutiefst wertschätzende Liebe sein.“

Wir bewegen uns alle im Wandel der Zeiten. Jeder, der die aktuellen Meldungen in den sozialen Netzwerken verfolgt, wird feststellen, daß sich gewaltige Umbrüche vollziehen. Und mit „gewaltig“ meine ich auch „gewalt-tätig“.

So schlimm wie das alles ist, so sehr betroffen, wie uns das alle macht…so sehr wir uns z.T. wirklich handlungsunfähig fühlen, einer gewissen Ohn-Macht ausgesetzt, so wirksam und wirklich notwendig sind all diese Prozesse. Weil sie uns wach machen. Weil sie uns zwingen, unsere alten Strukturen zu überdenken, sie zu hinterfragen. Uns selbst zu hinterfragen, unseren Platz, unsere Aufgabe auf diesem Planeten, in der jeweiligen Gesellschaft zu hinterfragen, in der wir uns in diesem Leben befinden.

Nichts scheint mehr zu bleiben, wie es war:

  • Arbeitsplätze gehen verloren
  •  alte Werte und vermeintliche Sicherheiten gehen verloren
  • Freundschaften gehen verloren
  • Beziehungen verwandeln sich im günstigsten Fall oder gehen auch verloren
  • all das, wofür wir seit Generationen – oft nicht hinterfragt – gehen, stehen, geht verloren
  • ja, auch wir selbst gehen verloren

Aber ist das alles nur schlecht?

Ja, die Kriege in dieser Welt sind schlecht. Das Macht-Gerangel überall ist schlecht. Die Lieblosigkeit ist schlecht. Die Gewalt ist schlecht. Das Leiden ist schlecht. Überall und auf jeder Ebene.

Aber! Wir haben JETZT die Chance, all das zu wandeln. Indem wir das Gute darin sehen. Indem wir die Schatten sehen, ohne die es kein Licht gäbe und umgekehrt. Indem wir erkennen, was wirklich ist – in uns und auf diesem Planeten. Indem wir das erste Mal erfahren, wie sehr wir selbst die Schöpfer und Schöpferinnen unseres eigenen Lebens, unseres Umfeldes und letztlich des Planeten sind, auf dem wir leben.

Fangen wir in der sog. kleinsten Zelle an: bei uns selbst.

Wie lange wollen wir das alles noch mitmachen? Wie lange wollen wir noch nach und in den Strukturen leben, die uns letztlich und insgesamt gefangen halten?

Wie lange wollen wir uns noch – um auf das Thema Beziehungen zu kommen – noch in Beziehungsstrukturen aufhalten, die uns an der wirklichen und wahrhaften Entwicklung unseres Selbst nicht nur behindern, sondern uns unfrei machen? Uns selbst und diejenigen, mit denen wir Be-Zieh-Ungen haben? Denn…es sind Beziehungen…jeder zieht am anderen herum. Jeder er-zieht den anderen.

Jeder versucht die Versäumnisse seiner Kindheit in jedweder Form umzuerziehen, anders zu machen, neuer zu machen…und dennoch in den alten Strukturen hängen zu bleiben.

Warum? Weil wir kaum oder keine anderen Muster kennen. Weil wir keine anderen Strukturen gelernt haben. Weil wir nicht den Mut aufbringen, etwas neues zu versuchen. Ja, es überhaupt und oft erst einmal gedanklich überhaupt zuzulassen. Weil all das uns Angst macht. Wir sind so in den alten Strukturen verhaftet, daß uns jeder Schritt in eine andere Richtung Angst macht. Es ist eine Angst vor Kontroll-Verlust. Eine Angst vor dem Verlust an sich (und wir vielleicht viel mehr gewinnen könnten). Es sind alte Ängste von der Trennung.  Und zwar der Trennung von Mann und Frau. Und der Trennung vom Göttlichen in uns selbst.

Ich glaube, die Angst vor dieser Trennung vom Göttlichen in uns selbst hat einen Höhepunkt angenommen, was in allen Kriegen, Gewalt-Taten und Auseinandersetzungen rund um den Erdball zu sehen ist. Dabei ist es der erste Schritt zurück in genau das Göttliche in uns selbst, was eine Heilung bringen kann. Was vor allem eine Heilung in unsere Beziehungen – egal, auf welcher Ebene – bringen kann.

In Beziehungen, die heute noch auf einer Abhängigkeitsstruktur beruhen. Selbst, wenn die Frauen ihr eigenes Geld verdienen, sich sozusagen unabhängig bewegen können, Karriere machen können, ihren „Mann stehen“ können…genauso wie die Männer ihrerseits ihre Schritte unternehmen, so wird eine gewisse Abhängigkeit von Mann und Frau zueinander und miteinander bleiben. Oder auch homosexuelle Beziehungen, die nach diesem Muster verfahren – ihnen wird es ebenso gehen.

Doch diese Wege laufen in die Sackgasse. Wir übernehmen mehr oder weniger stumpf das, was uns unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern usw. vorgelebt haben.

Damit möchte ich nicht sagen: das war schlecht. Für die Zeiten, in denen unsere Vorfahren genau diese Muster in ihren Beziehungen gelebt haben (denken wir nur an die klassische Versorgungsehe), war genau das richtig. Und ich würde das niemals in Abrede stellen.

Meine Eltern waren über 50 Jahren verheiratet – mit allen Höhen und Tiefen. Und es ist ihr Muster, ihr Verständnis von Ehe.

Ich bin genau in diese Zeit hineingewachsen als Tochter und habe damals schon als jungen Mädchen genau diese Muster massiv hinterfragt. Aber es war so, wie es war. Und es war in Ordnung so.

Das Wandlungsfähige besteht jedoch in der Bereitschaft zu fragen: ist diese Form von Beziehung überhaupt noch trag- und lebbar? Damit meine ich nicht: der grundsätzliche Zusammenhalt ist überholt. Der sollte in keiner Form von Gemeinschaft „überholt“ sein. Denn davon lebt ja eine Gemeinschaft!

Meine Frage ist eher: sind wir wirklich noch glücklich mit dieser überholten Form in unseren geschlechtlichen Beziehungen? Sollten wir nicht darüber nachdenken, inwieweit wir in diesen festen und z.T. wirklich betonierten Strukturen noch in der Form glücklich sind, daß wir uns innerhalb von Beziehung und Gemeinschaft weiter entwickeln können? Bekommen wir das in unseren Beziehungen und Gemeinschaften, was uns in unseren Stärken fordert und vor allem fördert?

Oder erinnern unsere Beziehungen und Gemeinschaften eher an das Modell „eingeschlafene Füße“? In denen jeder vor sich hinwuselt, ohne den anderen noch wahrzunehmen? Ohne in dem anderen noch die Ergänzung unsererselbst zu sehen? Ohne den anderen noch fördern zu können mit dem, was uns durch die gute Gemeinschaft/Beziehung an Förderung zuteil wird?

Ich hinterfrage dieses klassische Modell von Beziehung schon lange. Auch ich habe in den letzten Jahren das klassische Modell gelebt, und ich würde es heute nicht noch einmal so machen.

In diesem Modell kann (!!!) für jeden der Partner eine Menge verloren gehen. Es kann ein Ungleichgewicht entstehen, ein Gefälle, das der Beziehung/Gemeinschaft mehr schadet als nutzt.

Und die Zahlen der Menschen, die sich für andere Lebensmodelle entscheiden, mehren sich.

3D-Beziehungen haben m.E. nach langsam ausgedient. Denn sie dienen vor allem einem: unserem System. Einem System, daß die Rechte von Kindern beschneidet und die Rechte von Vätern. Insbesondere denen, die nicht mit der Kindesmutter verheiratet sind. Im Fall einer Trennung haben sie immer noch das Nachsehen, obwohl sich die Gesetze langsam ändern.

Dieses System verankert immer noch die alte Form der Ehe als „höchstes Gut.“ Sie „schützt“ die Ehe während des sog. Trennungsjahres (was an sich nicht nur verkehrt ist) etc.

Wäre es nicht viel besser, Gemeinschaften jeder Art an sich würden in ihrer sich veränderbaren Grundstruktur unterstützt? Wäre es nicht viel wünschenswerter, Gemeinschaften/Beziehungen/Ehen/Elternschaften würden dabei unterstützt, neue Formen auszuprobieren und diese zu unterstützen?

Ich für meinen Teil möchte keine althergebrachte Struktur mehr als Beziehungsform. D.h. nicht, daß ich nun ausbrechen wollen würde in Polygamie z.B. Das mag jeder für sich so erproben und leben, wie er er möchte. Für mich ist gerade dieses Modell „polyamore“ eine weitere Trennung von Mann und Frau oder Frau und Frau, bzw. Mann und Mann. Sog. „freie und offene Beziehungen“ funktionieren in der Regel nicht. Irgendwann wird einer in einer polygamen Gemeinschaft emotional leiden und ausscheren.

Ich meine, daß zur Schaffung von neuen Beziehungsstrukturen erst einmal neue Formen und Bilder von Mann-Sein und Frau-Sein entstehen dürfen. Und diese Formen sind für mich nicht „neu“, sondern im Grunde „alt“. Aber im guten Sinne heute neu be- und erlebt, könnten sie Männer und Frauen in ihren Beziehungen zu neuen Erlebnissen führen. Sie könnten für eine Freiheit führen, die dennoch verbindlich ist. Wir sind heute in uns selbst und innerhalb unserer Beziehungen soweit auseinandergedriftet (und werden dazu noch „angespitzt“ durch tausende von Angeboten, die uns angeblich in die vor allem „sexuelle Freiheit“ führen sollen), daß wir noch nicht einmal mehr wissen: wer sind wir selbst denn überhaupt? Was macht mich denn als Mann oder Frau im Grunde überhaupt aus? Und vor allem: wo spüre ich mich denn noch als Frau oder als Mann? Stichwort Genderwahn. Wer das mal näher verfolgt, kann sich an fünf Fingern ausrechnen, wie weit wir jetzt schon in erster Linie von uns selbst damit entfernt werden sollen.

Was ich mir wünsche – für mich selbst und Gemeinschaften/Beziehungen:

  • ein neues/altes/wertschätzendes/integratives Männer- und Frauen-Bild
  • Gemeinschaften/Beziehungen, die offen für Veränderung sind, um diese neuen Formen zu entwickeln
  • eine Wertschätzung der alten Muster von Gemeinschaft und Beziehung, um aus ihnen Neues zu schaffen, das wiederum eine neue Form von Zusammensein und -leben überhaupt erst möglich macht
  • Räume und Zeit zu schaffen, damit diese neuen Formen gelebt werden können, also eine Abschaffung von Dauer-Beschäftigung im Arbeits-System und der darauffolgenden Trennung von Paaren und Familien
  • Männer und Frauen, die sich ihrer Empathie besinnen und diese miteinander leben
  • Männer und Frauen, die sich miteinander austauschen und neue Formen der Liebe finden und sich nicht in den alten Systemen gefangen halten lassen
  • Männer und Frauen, die Gemeinschaft, Beziehung und Familie wieder wertschätzen und sich nicht aufreiben in den Geldbeschaffungs-Systemen (Stichwort Dorf- und/oder Bedarfsgemeinschaften bilden)
  • Männer und Frauen, die vor allem ihre alten Wunden in sich geheilt haben; und zwar die Wunden, die sie jahrzehntelang schon mit sich rumschleppen und die noch aus den alten Systemen und Generationen stammen, die ihnen selbst heute überhaupt nicht mehr hilfreich sind und stattdessen neue Wunden erzeugen

Nun wird sich mancher Leser, manche Leserin fragen: wie soll das gehen?

Ich bin Idealistin, Reformerin und Visionärin. Und ich habe es als meine Aufgabe in diesem Leben erkannt, diese Ideen wenigstens gedanklich in die Welt zu bringen. Ich wünsche mir, das selbst noch zu erleben. Aber wenn ich es auch nicht mehr erlebe, so möchte ich wenigstens meinen Beitrag in dieser Welt dazu leisten, daß meine Gedanken gelesen und von anderen Stellen weiterentwickelt wird. Von jüngeren Menschen vielleicht. Denn die jungen Menschen sind unsere Zukunft. Für sie mache ich mir gern Gedanken darum, wie es in ihrer Welt weitergehen könnte…und sie die Chance haben, ihres im Sinne des verwandelten Alten und Traditionellen konstruktiv weiterzuleben und an ihre Kinder weiterzugeben.

Möge es ihnen gelingen. Und mögen wir „Alten“ ihnen eine so gut wie mögliche Unterstützung dabei geben!

 

Warum die Heilung des Planeten die Heilung der Weiblichkeit bedeutet

„Und was haben freilebende Wölfe und ungekünstelte Frauen gemeinsam? Die Akkuratheit ihres instinktiven Feingefühls, eine Vorliebe für alles spielerische, sie schnüffeln gerne neugierig herum, sind wißbegierig, spitzfindig, zäh, ausdauernd und seelenvoll, sind standhaft, anpassungsfähig…
Und beide Gattungen wurden und werden verleumdet, unterjocht bis zur Ausrottung. Die Jahrhunderte währende Säuberungsaktion der moralpredigenden Weltverbesserer galten selbstverständlich nicht allein dem Wildwuchs in der Außenwelt, sondern mehr noch den ungezähmten Wildregionen der menschlichen und speziell der weiblichen Psyche. //Hambra del Alma – den Gesang der ausgehungerten Seele“ ~ Clarissa Estola-Pinkes („Die Wolfsfrau“)

Dieses Buch las ich vor weit über 10 Jahren, und es hat mich nachhaltig beeindruckt und beeinflusst. Ich las es mehrfach, und mit jedem Mal tauchte ich tiefer in meine eigenen Verletzungen meiner Weiblichkeit ein.

Diese Verletzung meiner eigenen Weiblichkeit zieht sich nicht nur durch meine Familie, sondern durch das gesamte Kollektiv. Und zwar bei Frauen und Männern.

Angefangen von meiner Kindheit an bis über meine Beziehungen zu Männern und Frauen konnte ich mich immer wieder im anderen spiegeln. Die Verletzungen, die vor allem das Weibliche in Männern und Frauen stark beschädigt haben, haben eine weitreichende Wirkung bis in die Welt-Politik hinein.

Wir sehen es daran, daß die Kriege nicht aufhören, sondern im Gegenteil immer schlimmer werden. Der Kriegsgott Mars – im guten Sinne unsere Unterstützung als Inititalzünder bei allen kraftvollen und kreativen Prozessen – hat sich ins Destruktive verkehrt und bringt das Zerstörerische hervor. In den Menschen selbst und damit auch auf dem Planeten Erde.

Die damit verbundene Unterdrückung des Weiblichen liegt schon so lange Zeit zurück. Wir brauchen nur an die Hexenverbrennungen denken. Das Archaisch-Weibliche wurde von jeher zurückgedrängt und vernichtet.

Das destruktive Männliche, was auf Macht und Gier aufbaut, kann das konstruktive Weibliche „nicht gebrauchen“, es würde ihm jegliche Macht nehmen.

Aber auch das Weibliche (in allen Menschen) kann natürlich destruktiv wirken und steht dem destruktiv wirkenden Männlichen in keiner Hinsicht nach.

Der Kampf dieser beiden Mächte führt nun zu allem, was wir im Außen finden:

  • die Zunahme (oder auch das Offenbarwerden) von immer mehr psychischen und körperlichen (chronischen) Erkrankungen
  • die Zunahme von Gewalt – gegen uns selbst und gegen andere Menschen
  • die Zunahme von unausgewogenen und lieb- und respektlosen Beziehungen
  • die Zunahme von Denk-Strukturen und entsprechendem Handeln statt ein Leben und Lieben aus der Herz-Energie heraus
  • Zunahme von allen Kontroll-Mechanismen im Großen und im Kleinen
  • die Zunahme von Kapitalismus und entsprechendem Konsum-Verhalten
  • die Zunahme von Ausbeutung der weiblichen Kräfte in jedem Menschen und schlussendlich auch des Planeten Erde
  • die Zunahme von Verrohung, Missgunst, Neid und Macht-Kämpfen
  • die Zunahme von Ängsten mit allen Folgeerscheinungen
  • etc.

Das Weibliche zu heilen – was auch aktuell Stück für Stück durch das Bewusstsein der destruktiven Kräfte geschieht – ist die für mein Empfinden einzige Chance, uns selbst und den Planeten Erde zu heilen.

Wenn dies geschieht, dann gäbe es wieder eine

  • Zunahme von Gesundung auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene
  • Zunahme der Selbstheilungskräfte im Menschen und damit für den Planeten Erde
  • Zunahme von ausgewogenen, liebe- und respektvollen Beziehungen
  • Zunahme von einem Agieren und Geschehenlassen aus dem Herzen heraus und damit einem besseren zwischenmenschlichen Miteinander auf allen Ebenen
  • Zunahme von einem bewussten Umgehen mit Ressourcen, eine wirkliche Nachhaltigkeit, ein wirklich ökologisches Bewusstsein
  • Zunahme der Förderung konstruktiver weiblicher und damit auch männlicher Anteile für ein ausgeglichenen Umgang im Miteinander
  • Zunahme von Empathie und Mitgefühl
  • Zunahme von Selbst- und „Fremd“-Vertrauen
  • etc.

Solange die Gier, das ausschließliche Denken statt Empfinden von Gefühlen, ein Konkurrenzdenken und -handeln, ein Verhaftetsein im Materiellen, ein sich-für-Arbeit-prostituieren, Machtkämpfe, Neid und Ohn-Macht diese Welt beherrschen, wird es keinen Frieden geben.

Solange all das Destruktive die Macht hat, wird der Planet Erde und auch das Weibliche in jedem Menschen nicht geheilt, sondern immer mehr zerstört werden.

Besinnen wir uns also auf das „mächtige Weibliche“ in uns selbst. Auf all die Fähigkeiten, die damit verbunden sind.

Besinnen wir uns auf die Heilung – in uns selbst und damit für den Planeten Erde.

 

Warum ein Herzmensch nicht mit einem Verstandesmenschen kann

„Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt.“ – Blaise Pascal

Ich habe viele Beziehungen versucht und bin zu dem Ergebnis gekommen:

gleich und gleich gesellt sich gern.

Gegensätze mögen sich anziehen, aber schlussendlich wird es in einem Kampf enden.

Der Verstandesmensch wird den Herzmenschen nicht verstehen können, da es ihm an einem fehlt, es ins Leben zu bringen: dem Gefühl, dem gelebten Gefühl.

Ich bin durch 4,5 heftige Jahre gegangen. Immer im Kampf gegen den Verstand. Es hat keinen Sinn, denn der Verstandesmensch wird immer die Kontrolle behalten wollen – über sein Gefühl.

Der Gefühlsmensch kann sich u.U. lange anpassen, bis das Gefühl aus ihm herausbricht, es sich ergießt…in Wut, in Tränen, in Zorn, in nicht-verstanden-werden, da nicht-gefühlt-werden-können.

Verstandesmenschen neigen nun mal dazu, jegliches Gefühl zu rationalisieren, alles an (eigenem) Gefühl und das des anderen abzuwehren, permanent auf eine Kopf-Ebene zu ziehen.

Dabei bleibt alles auf der Strecke, was zu einer guten Liebesbeziehung gehört:

  • ohne das Zulassen von Gefühl keine gute, keine annehmende und wertschätzende Kommunikation
  • ohne das Zulassen von Gefühl keine gute Sexualität
  • ohne das Zulassen von Gefühl kein Verständnis mit- und voneinander
  • ohne das Zulassen von Gefühl keine Achtung voreinander
  • ohne das Zulassen von Gefühl keine gegenseitige Unterstützung – jedenfalls nicht lange und schon gar nicht auf Dauer
  • ohne Zulassen von Gefühl keinen Respekt voreinander
  • ohne Zulassen von Gefühl kein Leben miteinander
  • ohne Zulassen von Gefühl ist jeglicher Funke von Liebe direkt im Keim erstickt
  • ohne Zulassen von Gefühl kann eine Beziehung nicht wachsen
  • ohne Zulassen von Gefühl hat die Angst viel Raum
  • ohne Zulassen von Gefühl macht „der Kopf“ vieles im Ansatz kaputt
  • ohne Zulassen von Gefühl schwingt nur ein Herz und schwingt ins Leere und das dauerhaft
  • ohne Zulassen von Gefühl werden auf die Dauer beide Seiten verletzt
  • ohne Zulassen von Gefühl wird so eine Verbindung auseinandergehen
  • ohne Zulassen von Gefühl wird die Liebe niemals wachsen können
  • ohne Zulassen von Gefühl ist alles nichts

Es kann kein „Verstehen“ geben, wenn das „Fühlen“ nicht sein darf und Raum bekommt.

 

Was Hänschen nicht lernt…

…lernt Hans nimmer mehr.

Dieses alte Sprichwort kennt so ziemlicher jeder von uns. Sei es, daß wir es als Kinder selbst von unseren Eltern gehört haben oder aber auch von anderen Kindern. Menschen meiner Generation kennen es auf jeden Fall.

Ist da etwas dran? Lernt „Hänschen“ oder auch „Gretchen“ nicht mehr als Erwachsener, was in ihrer Kindheit an Erziehung und Erfahrung aus verschiedenen Gründen einfach ausblieb?

Die meisten meiner Erfahrungen sagen mir: ja. Vor allem aber bei Männern. Frauen sind meist noch viel eher bereit, sich mit den sog. Erziehungsversäumissen ihrer Kindheit auseinanderzusetzen und suchen nach Wegen als erwachsener Mensch, diese zumindest zu „reparieren“ oder durch neue Muster zu ersetzen.

Bei den allermeisten Männern erlebe ich meist eine Verweigerung dessen, viele Kompensationen oder einfach immer wieder neue Beziehungen mit Frauen, neue Jobs, neue Autos etc.

Derselbe Herr, die nächste Dame. Weil es so schön einfach ist, zumindest in den ersten Wochen und Monaten. Herrlich, was eine neue Partnerin kann…sie ist viel „besser“ als die alte. Und bestimmt wird es mit dieser Frau nun „alles anders.“

All das, was ich schreibe, gilt natürlich auch umgekehrt, sprich, für die Frauen. Aber wie ich oben schon schrieb, sehe ich viel mehr Frauen sich mit ihren Themen auseinandersetzen.

Was ist also dran an der Verweigerung, sich mit sich selbst über einen längeren Zeitraum auseinanderzusetzen, anstatt sich immer wieder die nächste Frau (oder den nächsten Mann)  „an Land zu ziehen“?

Für mich ist es in erster Linie Angst und kindisches Verhalten. Die Angst kann ich bis zu einem gewissen Punkt verstehen. Es ist doch so viel einfacher, sich nicht zu hinterfragen. Einfach alles im bewährten Stil weiterzumachen. Keine Veränderung auch nur im gedanklichen Ansatz zu wollen oder gar in die Tat umzusetzen.

Einfach ist es auch, dann immer wieder zu sagen: „Der/die andere ist schuld, daß ich „wieder enttäuscht“ wurde.“ Manchen Menschen „hilft“ nicht mal ein Burnout oder die Trennung ihrer Partnerin, ihrer Familie. Ist das doch erst recht ein Grund, weiter im kindischen Verhalten von jammern und klagen, schimpfen und resignieren zu bleiben.

Meine Erfahrungen haben gezeigt, daß sich die allermeisten Menschen nicht verändern wollen. Sie wollen ihre eigene Geschichte nicht reflektieren. Sie wollen nicht an ihren über lange Jahre aufgebauten Festungen rütteln lassen. Die eigene Komfort-Zone zu verlassen kostet Mut, richtig. Aber sie ist der einzige Weg, in einen lebenslangen Lernprozess zu gehen. Dieser Lernprozess kann wöchentliche Therapiestunden beinhalten. Und da wird in der Regel nicht „gekuschelt“, sondern aufgeräumt, hinterfragt, gebohrt. Man ist sich selbst gegenüber so nackt, daß viel Scham hochkommt. Wut über sich und die Eltern, die Herkunftsfamilie. Wut über die aktuellen oder die Ex-Partner, die Kinder, die Oma, den Opa, den Chef, die Kollegen usw.

Diese Wut auszuhalten, die eigene Ohn-Macht auszuhalten, die eigenen Mankos, die eigenen Fehler, die man wiederholt und wiederholt und wiederholt…sich eine gewisse „Schuld“ am Scheitern von Familie, Beziehungen, Freundschaften eingestehen zu müssen erfordert den Prozess der Reife, des Erwachsenwerdens. Und wenn man(n) erwachsen werden will, klopft die Eigenverantwortung an die ebenso eigene Tür. Eigenverantwortung für seine Handlungen zu übernehmen, erfordert Mut. Die Auswirkungen an anderen als Spiegel zu sehen für seine Unfähigkeiten, Verletzungen etc., die man anderen Menschen angetan hat, erfordert Mut.

Ich nenne das „sich gerade machen“. Das Gegenteil davon ist weglaufen, egal, in welcher Form. Sich gerade machen heißt stehenbleiben. Sich gerade machen heißt nicht, sich jedes mal für erneute nicht erlernte Verhaltensweisen zu entschuldigen. Sich gerade machen heißt: sich entschuldigen und aus den Fehlern zu lernen. Sich gerade machen heißt: Respekt dem anderen gegenüber. Respekt vor anderen erfordert Mut. Respekt vor anderen erfordert ein erwachsenes Denken und Handeln. Respekt heißt nicht immer und immer wieder in die alten Verhaltensmuster zurückzufallen und sich damit auch noch im Recht zu fühlen. Respekt heißt nicht, dem anderen die Schuld für eigenes Mißverhalten zu geben. Respekt heißt, sich selbst auf den Weg zu machen und in die Veränderung zu gehen.

Hänschen hat – wie auch Gretchen – in seiner/ihrer Kindheit nichts oder nicht das Elementare gelernt. Und viele Hänschen und Gretchen wiederholen einfach stumpf ihre Muster. Wie kleine Kinder. Sie verhalten sich respektlos, weil niemand da war, der ihnen Respekt beibrachte und geben es weiter. Sie begehen Kontakt-Abbrüche, weil ihnen niemand gezeigt hat, was es heißt, im Kontakt zu bleiben. Sie können nicht mit offenem Visier agieren, weil ihnen das niemand gezeigt hat. Sie rennen vor Problemen weg, weil Kinder das so tun…und auch zunächst einmal dürfen. Aber dann muss die Erziehung in die Richtung der Eigenverantwortung gehen. Sie haben nicht gelernt zu lieben, weil das in der eigenen Familie nicht gezeigt und gelebt wurde. Und so weiter und so fort.

Aber müssen Hänschen und Gretchen darin bleiben?

Ich denke, jeder Mensch hat solch eine oder andere Erfahrungen gemacht. Darin sind wir uns alle ähnlich oder gar gleich. Der Unterschied aber, vom Hänschen zum Hans oder vom Gretchen zur Grete zu werden, ist der, eines Tages wirklich in Eigenverantwortung das Ruder herumzureißen und der Kinderwelt „Lebewohl“ zu sagen.

Aber auch dieser Schritt erfordert Mut und Bereitschaft. Die Aufgabe alter Muster fühlt sich zunächst unsicher an…es ist wie ein Schliddern auf einem zugefrorenen See. Wir haben die Wahl…entweder wir kehren zum sicheren Ufer zurück und werden niemals die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt, mit Mut über den zugefrorenen See zu schliddern und dann stolz am anderen Ende anzukommen oder wir überwinden unsere Angst, weil wir genau wissen, daß uns am anderen Ufer neue und sicher auch bessere Erfahrungen erwarten. Vor allem aber wartet dort die persönliche Freiheit. Denn nur, wer aus seinen alten Verstrickungen endlich mutig heraustritt, wird genau diese Freiheit schmecken und leben können.

Wofür entscheidest DU Dich?

 

Warum Liebe und Hoffnung nicht dasselbe ist

„Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung. Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion.“ ~ Voltaire

„Du kannst Deine Augen schließen, wenn Du etwas nicht sehen willst, aber Du kannst nicht Dein Herz verschließen, wenn Du etwas nicht fühlen willst.“ ~ Johnny Depp

~~~~~~~~

„Eigentlich“ bräuchte ich jetzt nicht weiterschreiben, denn diese beiden Zitate sagen für mich deutlich aus, wo der Unterschied zwischen Liebe und Hoffnung liegt.

Hoffnung liebt nicht, Hoffnung wünscht sich. Sie würde gern, sie hätte gern, sie wäre gern…mit dem sog. Konjunktiv verlassen wir die reale Welt und tauchen ein in die irreale Welt. Die, die so sein möge, wie wir sie gern hätten…nur ungeachtet dessen, was wirklich IST!

Hoffnungsträger verschließen die Augen vor der Realität. Sie tauchen meist ein in (kindliche) Wunschwelten, in denen noch andere, nämlich unsere Eltern, Großeltern etc. doch bitte dafür gesorgt haben, daß unsere (kindliche) Welt schön sein möge. Daß es uns an nichts fehlen möge, wir immer er- und genährt sind auf allen Ebenen. Und wir nichts dazu tun müssen, außer Kind zu sein. Später erwarten sie genau das von ihrem Partner.

In der Hoffnung zu sein, ist ein verschwommener Zustand, er lässt die Realität gar nicht erst zu, weil sie uns vor allem daran erinnert, daß WIR selbst etwas dazu tun müssen, damit diese Hoffnung sich in eine Realität verwandelt und nicht irreal bleibt, nicht in den Kinderschuhen steckenbleibt.

Die Hoffnung auf eine schöne Liebesbeziehung z.B. erwartet im Grunde vom anderen: ich will, daß DU mir meine Welt so machst, wie ich sie früher als Kind bekam. Oder auch nicht bekam. Wer im Mangel ist, hat da nochmal ganz andere Ansprüche an den anderen. Wir möchten nichts tun, und uns nur den schönen Wonnen der Liebe hingeben, für die aber bitte der andere zu sorgen hat. Wie ein großer Vanille-Pudding, der niemals versiegt. Warm, weich und süß.

Das ist allerdings keine Liebe. Liebe ist etwas für Erwachsene.

Was tut die klare, reine Liebe?

Sie nährt keine Hoffnungen – niemals! Sie fordert auf zum handeln, zur Bewegung, zu Aktivität. Sie macht wach, sie rüttelt wach, sie ist beharrlich, und letztlich kann sie auch loslassen.

Die Liebe liebt. Sie lebt und liebt aus dem Herzen und wird immer daraus gespeist. Sie verschließt sich nicht der Realität, denn sie ist ja die Realität. Die Liebe ist in der Lage, Berge zu versetzen. Die Hoffnung setzt darauf, daß das bitte ein anderer, eine andere macht, während wir regungslos vor dem Berg sitzenbleiben.

Die Liebe hat immer die gute Entwicklung als Absicht. Die Hoffnung hat immer die Erwartung, daß andere sich ent-wickeln mögen, dann müssen wir das nicht tun und können „so bleiben, wie wir sind“.

Die Liebe ist kreativ und fließt. Die Hoffnung ist ein modriger Tümpel, der steht und stinkt.

Die Liebe sieht hin. Die Hoffnung sieht weg.

Die Liebe ist präsent. Die Hoffnung nicht.

Die Liebe kennt alle Gefühls-Facetten und lebt sie. Die Hoffnung kennt keine Gefühle, sondern nur Anforderung und Erwartung. Und wenn diese nicht in ihrem Gusto erfüllt werden, wird sie böse.

Die Liebe sieht andere Menschen, sie möchte von ihnen wissen, sie nimmt Anteil, sie fühlt mit. Die Hoffnung sieht nur sich selbst, interessiert sich auch nur für sich selbst (auch, wenn das nach außen anders verkauft wird), sie kennt keine wirkliche Anteilnahme (oder nur selten), sie fühlt nur mit sich selbst, sie leidet nur mit sich selbst.

Die Liebe hat Platz in ihrem Herzen. Die Hoffnung hat ihr Herz so verschlossen, daß dort niemand mehr einen Platz finden kann.

Die Liebe hat einen weiten Horizont und viele Möglichkeiten. Die Hoffnung ist eng und begrenzt und ihr Spielraum ist gar nicht vorhanden oder sehr klein.

Die Liebe ist spielerisch. Die Hoffnung ist träge.

Die Liebe macht keine Einschränkungen. Die Hoffnung schränkt sich und andere ein.

Die Liebe ist reif und erwachsen. Die Hoffnung ist unreif und im Kindlichen verhaftet.

Die Liebe braucht einen ebenbürtigen Partner. Die Hoffnung braucht eine Mama und/oder einen Papa.

Was also willst Du? Von Herzen lieben oder weiter Dein Kind hinausschicken und erwarten, daß andere Deine kindlichen Hoffnungen endlich erfüllen?

Erkennst Du den Unterschied?

 

„Lass´uns gemeinsam die Sonne putzen“ 🙂 – warum Paare Visionen brauchen

„Träumer haben vielleicht keinen Plan, aber Realisten haben keine Visionen.“ ~ unbekannt

Nach vielen Beziehungserfahrungen in meinem eigenen Leben, aber auch durch Beobachtungen und Gespräche bei und mit anderen Paaren – heute aktuell mit einer lieben Freundin, die in mir den Impuls angestoßen hat, diesen Artikel zu schreiben – durfte ich oft feststellen, daß viele Paare entweder keine Vision haben oder ihnen diese irgendwann im Laufe der Beziehung verloren ging.

Wenn Paare sich in jungen Jahren zusammen tun, dürften die meisten die gleiche Vision haben:

  • wir gründen eine Familie und/oder
  • wir bauen ein Haus und/oder
  • wir bleiben bis an unser Lebensende zusammen

Diese Visionen haben unterschiedliche Facetten, aber im Grunde sind diese Visionen für die meisten Paare das, was sie leben und auch verwirklichen (wollen).

Und ja, es sind Visionen, die durchaus eine Berechtigung und auch Notwendigkeit haben – insbesondere das Gründen einer Familie. Sonst wäre die Menschheit sicher schon ausgestorben.

Diese Visionen erfüllen sich aber oft nicht – es werden Jahr für Jahr immer mehr Ehen geschieden – oder sie „nutzen“ sich ab, verlieren ihren einstigen „Glanz“ und werden mehr zur Pflichterfüllung, anstatt sie weiter zu pflegen und ihren Glanz zu erhalten.

Wenn ein Paar nur noch Eltern aus Pflichtgefühl ist, dann ist genau diese Vision begraben, sie ist nicht mehr mit Leben erfüllt. Und es tut daher gut, wenn sich Eltern-Paare immer wieder die Frage stellen: ist das noch unsere Vision, mit der wir unsere Beziehung, unsere Ehe begonnen haben? Ist die Qualität noch dieselbe oder bedarf sie einer Erneuerung, einer „Renovierung“?

Wenn die Kinder groß sind und aus dem Haus gehen, stehen viele Paare oft voreinander und haben sich nichts mehr zu sagen. Oder machen sich Vorwürfe, daß sie ja „nur wegen der Kinder“ oder „wegen dem gemeinsamen Haus“ zusammengeblieben sind. Entweder sie trennen sich dann und wagen nochmal einen Neuanfang mit einem anderen Partner oder sie erhalten das längst „tote Pferd“, nämlich die längst abgestorbene Vision von „damals“ aufrecht, weil sie sich nicht trauen, aus der Gemeinsamkeit – sei sie auch noch so unlebendig – auszusteigen.

Da gilt es, sich zusammenzuraufen, sich gemeinsam immer wieder zusammen „an einen Tisch“ zu setzen und sich und den Partner zu fragen, miteinander zu besprechen:

  • haben wir noch eine gemeinsame Vision?
  • hat jeder von uns noch eine für sich selbst?
  • wie können wir eine neue Vision kreiren?
  • brauchen wir u.U. Hilfe dazu, die uns inspiriert?
  • was sind vor allem unsere (gemeinsamen) Werte, die eine solche Vision unterstützen?

Es gibt aber auch Paare – wie meinen Mann und mich z.B. – die andere Ehen hinter sich haben, die ihre Kinder längst aus dem Haus haben und sich gemeinsam eine neue Vision schaffen müssen, die jenseits von Elternschaft und gemeinsamen Besitztümern wie z.B. einem Haus liegt.

Oft bringen solche Paare durchaus gescheiterte Visionen (oder gar keine) aus anderen Beziehungen mit, so daß sie den Begriff der Vision als Paar entweder völlig und mit Vertrauen neu initiieren müssen oder sich überhaupt erstmalig damit befassen.

Fakt ist für mich und aus meinen Erfahrungen:

  • eine Beziehung ohne eine gemeinsame Vision ist zum Scheitern verurteilt.
  • aber nur eine Vision zu haben, reicht eben auch nicht.
  • die Vision muss/darf/soll gepflegt werden, sonst verliert sie wiederum ihren Glanz

Was können denn solche Visionen sein?

  • ein gemeinsames (kreatives) Projekt wie z.B. Kunst zu erschaffen
  • ein gemeinsames Hilfsprojekt wie z.B. sich in der Flüchtlingshilfe (sehr aktuell gerade!) oder in anderen Hilfsorganisationen zu betätigen
  • einen „Altersruhesitz“ im Ausland z.B. zu erschaffen
  • auf ein Segelboot sparen und damit die Meere zu erkunden
  • eine Weltreise zu unternehmen
  • anderen jungen Paaren helfen, ihre Visionen zu entwickeln und zu pflegen
  • junge Familien zu unterstützen, indem man „Ersatz-Opa“ oder „Ersatz-Oma“ ist
  • die eigenen Kinder zu unterstützen in ihrem jungen Familienleben
  • sich endlich einen Garten zu kaufen und diesen mit Hingabe zu bestellen
  • mit einem Wohnmobil ein halbes Jahr im Jahr auf Reisen zu gehen und dann
  • einen Reiseblog zu schreiben
  • usw.

Es gibt viele Visionen, die für ein Paar erschaffen werden können. Fakt ist: das Paar sollte sich erst einmal jeder für sich fragen:

  • was möchte ich denn gerne tun?
  • was ist meine Vision, meine „Vorstellung von…“
  • wo möchte ich denn mit mir und dann mit dem Partner in 2, 3, 5 oder 10 Jahren sein?
  • was sind meine Werte im ganz persönlichen Sinn zu verschiedenen Lebensfragen?

Danach tauscht sich das Paar aus und schaut gemeinsam:

  • wo genau ist unsere Schnittmenge?
  • wohin wollen wir als Paar mit unserer eigenen, aber auch mit der Vision als Paar?
  • wie können wir das bewerkstelligen?
  • was benötigen wir genau dafür?
  • welchen Zeitrahmen stellen wir uns vor?
  • was könnte ein Ziel am Ende sein oder
  • brauchen wir überhaupt ein Ziel oder ist es nicht viel wichtiger
  • einen gemeinsamen Weg zunächst oder überhaupt zu gehen?

Das alles sind sehr wichtige und kontruktive Schritte, eine Beziehung auf Dauer lebendig und liebevoll zu gestalten.

Wen nur einer diese Überlegungen und Gedanken hat, wenn nur einer von beiden diese Gedanken auch in die Tat und nachhaltig umsetzen möchte, dann stellen sich wohl eher die Fragen:

  • ist mein derzeitiger Partner der richtige für mich, mit dem ich eine/meine/unsere Vision überhaupt entwickeln und leben kann?
  • was gibt es im anderen, daß diese Bereitschaft und Entwicklung erschwert oder gar unmöglich macht?
  • und schussendlich u.U. auch die Entscheidung, sich zu trennen, damit eben beide (oder zumindest ein) Partner mit neuen Partnern ihre Vision leben kann?

Steht also hier die Vision, die Visionen höher als die Beziehung?

Für mich persönlich ja. Zum einen bin ich als Schütze-Geborene perse eine Visionsträgerin. In Phasen, wo mir – aus unterschiedlichen Gründen – meine eigenen Visionen „weggerutscht“ sind, war ich zutiefst unglücklich. Ich brauche Visionen, um mich als Mensch, Frau und Partnerin weiterentwickeln zu können. Stillstand und Stagnation machen mich krank – seelisch und auch körperlich.

Aber ich glaube, daß ich nicht nur als Visions-Trägerin perse eine Vision brauche, sondern auch, daß Beziehungen diese Vision brauchen, um lebendig zu bleiben.

Und sei es wie in dem Falle dieses Pärchens hier 🙂 :

Wir nehmen das Aschgrau

Ich wünsche allen Paaren IHRE beherzte Vision – somit tragen wir alle zu einer besseren Welt bei :).

 

Warum gelebte Männlichkeit das einzig Wahre ist – und damit die Frauen in ihre wahre Weiblichkeit gehen können

Ich erinnere mich noch gut an die 80er Jahre. Der sog. Softie war angesagt in der Frauenwelt. Die Frauen wollten keinen Macho (kommt für mich von Macher=machen=gut!) mehr, sie wollten einen sanften, weichen Mann.

Schon damals habe ich das nicht verstanden. Was ist an authentischer Männlichkeit verkehrt?

All das hat ja eine Vorgeschichte in der Evolution der Menschheit. Das Männliche wurde meist gleichgesetzt mit Zerstörung und Gewalt. Mit Destruktivität und Negativität. Die Emanzipationswelle und der Feminismus haben „nein“ dazu gesagt und eine mächtige Gegenbewegung dazu hervorgerufen.

Nur…diese Feministinnen waren z.T. noch schlimmer als das „Feindbild“ (in sich selbst, nämlich das nicht gelebte oder pervertierte Männliche). Ich war eine Zeitlang in dieser Szene unterwegs und habe mich dann recht schnell wieder abgewandt. Es war mir zuwider, wie sich die Geschlechter bekämpften, anstatt sich gegenseitig zu verstehen und miteinander in den Dialog zu kommen.

30 Jahre später erlebe ich eine sehr seltsame Welt von sog. Männern und sog. Frauen. Für mich gibt es keinen wirklichen Unterschied mehr. Frauen verhärten ins negative männliche, Männer verweichlichen ins negative weibliche.

Frauen und Männer haben immer auch den gegengeschlechtlichen Part in sich. Und zwar um eine Integrität im Laufe ihres Lebens zu erlangen und sich als Paar dann genauso im Miteinander zu spiegeln, sich nämlich zu ergänzen und zu unterstützen.

Nur leben Männer und Frauen für mich heute weder ihren eigenen, noch den gegengeschlechtlichen Part. Es sind Zerrbilder geworden, nicht mehr greifbar und unter-, bzw. miteinander einfach nur noch „vermanscht“. Dazu kommen aber die durchaus noch wirksamen alten Rollen- und archaischen Bilder von Mann und Frau. Diese Rollen und Botschaften haben wir in uns, das lässt sich auch durch noch so viele Emanzipationsbewegungen nicht löschen. Aber wir versuchen das. Weil wir…fortschrittlich sind oder sein möchten. Weil es eben heute so ist. Wenn ich mir z.B. junge Eltern ansehe, dann ist das für mich eine „Masse an Geschlecht“. Das mag alles altmodisch klingen, aber ich bin den archaischen Bildern (in mir) sehr verbunden und bin dennoch in meinem Sinne emanzipiert. Ich kann einiges von dem, was Männer tun, und das ist auch gut so. Aber: es macht etwas mit mir als Frau, wenn ich diese Dinge über lange Zeiträume machen muss.

Ich bin nun mal eine Frau und kein Mann.

Und ich denke, umgekehrt funktioniert das genauso. Ein Mann muss m.E. nach auch „Männersachen“ machen. Wobei ich aber hier nicht nur das Klischee von Fußball und Saufrunden bedienen will. Das ist jedem selbst überlassen.

Mir geht es hier eher um eine männliche Bewusstheit, ein Bewusstsein als Mann. Wie spüre ich mich als Mann? Was macht mich als Mann denn überhaupt aus? Wie fühlt sich das an für mich, außer es nur an Muskelmasse u.ä. festzumachen?

Wo ist meine Kontur als Mann? Bin ich greifbar oder an-greifbar, weil ich nicht integer in meiner Männlichkeit bin?

Was sind meine Urbilder von Männlichkeit? Wie habe ich meinen Vater als Mann empfunden/gesehen? Wie meinen Großvater? Was habe ich – stillschweigend oder unbewusst – von ihnen übernommen? Wo kann ich eine Linie zu mir selbst als Mann finden? Finde ich überhaupt eine oder bin ich in mir eher schwammig? Weil ich keine konkreten Vorstellungen habe, aber auch nicht das übernehmen möchte, was mir vorgelebt wurde?

Ist Holz hacken männlich?

Ja. Ist es. Das Holz zu bearbeiten, sich mit der Kraft eines Baumes auseinanderzusetzen, fast mit ihm in einen Tanz zu gehen, ist für mich persönlich Männlichkeit pur. Da begegnet sich Wurzel und Wurzel. Der Duft eines gefällten Baumes hat für mich immer den Duft des Männlichen: erdig, verwurzelt, kräftig, fordernd.

Warum wird den Jungs heute nicht mehr beigebracht, sich genau mit diesem Thema auseinanderzusetzen?

Weil die Väter dafür fehlen. Und die Großväter. Wie schon in meiner Generation. Denn diese Väter waren Kriegskinder, die Großväter Soldaten. Sie sind entweder als Kind schon verhärtet durch die Kriegsjahre oder kastriert in Körper und Geist aus der Gefangenschaft zurückgekehrt. Sie konnten keine Vorbilder sein. Männer haben also nur genau diese Vorbilder. Und wenn ich mich in meiner Generation umsehe, sehe ich fast ausschließlich kleine Jungs. Zerbrechlich, ängstlich, wütend und nicht in der Lage, zum Mann heranzuwachsen.

Was Männer tun können? Sie müssen in sich hineinspüren. Ich bin davon überzeugt, daß die archaischen Bilder noch in jedem Mann weiterleben. Männer wissen auch neben Bierflasche und Fußball noch ziemlich genau, was das archaisch Männliche ist und zwar im positiven Sinn! Im erhaltenden Sinn, im beschützenden, im tragenden und fürsorglichen. Im initiierenden und schöpfenden Sinn. Sie müssen es nur wieder erinnern.

Was macht das mit Frauen, wenn die Männer so sind, wie sie heute sind? Sie müssen Teile übernehmen, in ihre Persona aufnehmen und integrieren, die ihnen eigentlich gar nicht zustehen im Sinne von: sie gehören nicht zum Weiblichen. Sie werden im günstigsten Fall dem Weiblichen „hinzuaddiert“, im ungünstigsten Fall aber übergestülpt.

Da kann eine Frau sich noch so „weiblich“ kleiden mit allem, was dazu gehört. Für mich als Frau ist auf einen Blick erkennbar, ob solch eine Frau in ihrer Weiblichkeit verankert ist oder sich eher männliche Eigenschaften zu eigen gemacht hat, und zwar so, daß sie schlussendlich in ihrer Ausstrahlung weder wirklich weiblich, noch wirklich männlich ist.

Frauen müssen sich ihrer Weiblichkeit besinnen. Diese Form von Weiblichkeit hat nichts mit einer antrainierten Hilflosigkeit der Frauen zu tun, die einen Mann „brauchen“, die einen Mann „gebrauchen“, um ihre eigene Lebensfähigkeit herzustellen. Die eigentlich ohne viele Kompensationen gar nicht lebensfähig sind. Weil sie ihrerseits in ihrem Kleinmädchen-Muster hängengeblieben sind – auch noch mit u.U. an die 60. Sie fühlen sich ohne Mann an ihrer Seite nicht ganz. Und das können auch Frauen sein, die Single sind. Es ist deutlich zu spüren an vielen kleinen und größeren Merkmalen und Signalen, die sie senden.

Wenn die Frauen also in ihre kraftvolle, archaische Weiblichkeit zurückkehren wollen, müssen sie sich – ebenso wie die Männer – an ihre Urbilder erinnern. Schauen, wie war meine Mutter, wie meine Großmutter? Welche Muster in bezug auf Weiblichkeit und Frau-Sein existierten in meiner Familie? Was habe ich übernommen, was nicht? Was für Muster habe ich übernommen, die mir vllt. gar nicht wirklich bewusst sind, die mir aber bei näherem Hinschauen hinderlich erscheinen? Was heißt für mich als Frau denn überhaupt, zutiefst weiblich zu sein?

Beziehungen können m.E. nach nur wirklich dauerhaft gelebt werden, wenn sich Männer und Frauen wieder auf den Weg zu ihren Wurzeln machen, sich zurückerinnern. Sie können vllt. die Bilder erinnern, die in ihnen sind. Wenn es an der Stelle haken sollte, dann rate ich sowohl Männern und Frauen, sich mal mit den männlichen und weiblichen Rollen in Filmen oder Romanen auseinanderzusetzen. Sie werden feststellen: es sind immer noch die gleichen Bilder und Rollen, wie schon vor zig hundert Jahren: der Mann ist derjenige, der die Frau umwirbt, der sie auch umkämpft und schliesslich nach Hause bringt. Das, was sich geändert hat – und das ist auch gut so – daß Frauen sich einfühlsame und dennoch starke Männer wünschen. Was Männer bisweilen enorm unter Druck setzt. So wollen Männer aber auch durchaus eine toughe, aber eben auch weibliche Frau.

Begegnet Euch. Sprecht miteinander, was Ihr voneinander wollt. Kramt in Euren eigenen Bildern von Mann und Frau. Erinnert Euch dessen, was Ihr als Kinder für Vorbilder hattet. Was Ihr z.B. in Märchen oder Sagen zum Thema findet oder aus Eurer Schulzeit erinnert.

Ich glaube an die Emanzipation. Aber für mich heißt das nicht eine Gleichmachung der Geschlechter und der Rollen. Für mich heisst das: ich DARF – und zwar gerne – Mann sein. Ich DARF – und zwar gerne – Frau sein.

Und im Miteinander, im Spiel mit den männlichen und weiblichen Energien ergänzen wir uns.

 

Der nährende und liebende männliche Anteil

„Jedes Weib hat ein Recht, von jedem Mann zu verlangen, daß er ein Held sei.“ ~ Christian Friedrich Hebbel

Nun…da werden sich sicher einige Nasen krausen. Schließlich leben wir ja nicht in Zeiten des Mittelalters und der Ritter. Heute sind doch die Geschlechter emanzipiert.

Sind sie das wirklich? Ist es nicht noch in jeder – noch so starken – Frau verankert, daß sie sich insgeheim einen „ritterlichen“ Mann wünscht?

Und ist es nicht auch ebenso insgeheim in jedem Mann verankert, daß er sich eine Frau wünscht, die er beschützen und behüten möchte?

Ich finde beide Eigenschaften nicht verkehrt. Im Gegenteil! Für mich persönlich ist eine Pervertierung der Geschlechter-Rollen mit der Emanzipierung eingetreten.

Emanzipation war in vielen Bereichen immens wichtig. Das würde ich niemals in Abrede stellen. Aber sie hatte, ebenso wie der z.T. einfach vollkommen überzogene und vor allem kämpferische Feminismus auch Nachteile – für beide, für Männer wie für Frauen. Für unsere Söhne, wie auch für unsere Töchter.

Ich möchte daher heute einfach meine Gedanken zu dem sog.

nährenden und liebenden männlichen Anteil 

schreiben. Denn der ist im Grunde der „Ritter“, der „gute Mann“ in den Männern, aber auch in den Frauen selbst. Genauso wie die „gute Frau“, also die reflektierten und wirklich weiblichen Anteile in den Männern genauso wie in den Frauen ist.

Wie fühlt sich das für Sie, liebe Leserin und lieber Leser an, wenn ich schreibe, daß der nährende liebende männliche Anteil:

– das Weibliche (in der Frau und im Mann) ehrt und wertschätzt

– Freiräume zur kreativen Entfaltung schafft und auch lässt

– mehr gibt als er nimmt

– das Weibliche unterstützt und stärkt

– die Schöpfung und das Leben ehrt

– dem Weiblichen auf Augenhöhe gegenüberstehen kann

– milde anderen Menschen gegenüber ist

– eine entspannte Haltung dem Leben gegenüber hat

– frei von Aggressionen im destruktiven Sinne ist

– seine positive Aggression im Sinne von Schöpferkraft nutzt, die er auch anderen Menschen oder Gruppen in jedweder Form zur Verfügung stellt und diese dann ihren eigenen Weg gehen lässt

– das Weibliche und die Schwächeren unterstützt

– anderen Menschen zu eigener innerer Stärke verhilft

– anderen Menschen dazu verhilft, ihr eigenes Potential in ihrem Sinne zu leben

– Handreichungen über die „Lebensbrücken“ zum Selbst macht

– der zur Demut und Hingabe ohne Angst vor Verlusten fähig ist

– aufrichtig lieben kann

– so wahrhaftig wie möglich ist – mit sich und mit anderen

Ich lasse diese Anregungen einfach mal so stehen…zum nachdenken, zum nachspüren.

Würden diese Qualitäten – im Mann und in der Frau – nicht die Welt zu einem viel besseren Ort machen für alle?

 

Männer, was ist los mit Euch?

„Leb wohl mein junges Weib

Und Säugling in der Wiegen.
Denn ich darf mit trägem Leib
Nicht daheim bei euch verliegen.

Diesen Leib, den halt ich hin, eh‘ ich nicht durchlöchert bin,Flintenkugeln und Granaten.

Kann der Feldzug nicht geraten.

Komm mein lieber Kamerad,
Dass wir beide gleich und Gleiche:
Heut‘ in Reih‘ und Glied Soldat
Morgen liegen Leich‘ an Leiche!“

Gerhart Hauptmann – „Komm wir wollen sterben gehen“

Processed with VSCOcam
Bildquelle: www.abstracta-cultura.de // Heike Zanini

~~~~~~~~

Heute möchte ich meine Gedanken an die Männer richten und ihnen die Frage stellen:

„Was ist los mit Euch?“

Wo seid Ihr hin, wo ist Eure Kraft, Eure Männlichkeit, Euer Potential, Eure Liebe, Eure Fürsorge, Euer Respekt, Eure Herzenswärme, Eure Achtung, Eure Würde, Eure Treue, Eure Freude?

Wo ist Eure Präsenz? In der Familie, in Euren Beziehungen, in Euren Freundschaften, im Beruf, in Euch selbst?

In der aktuellen Zeit, in der alles hochgeschwemmt wird, was über Jahrzehnte vor allem durch die beiden Weltkriege nicht verarbeitet wurde, wird mir sehr deutlich, wie sehr die Folgen des Krieges in unsere Leben eingreifen.

Wie viele Jahre schon kann ich beobachten, wie sich Männer entwickeln, bzw. nicht entwickeln. Wie Familien kaputt gehen, Beziehungen auseinander gehen, das Gewalt-Potential bei Männern zunimmt, wie hoch die Statistiken der diagnostizierten Depressionen allein bei Männern sind.

Dazu kommen Suchtverhalten und alles an Kompensationsmöglichkeiten, um nicht nur in der destruktiven und zerstörerischen Energie mit allen möglichen „Auswüchsen“ zu bleiben, sondern diese immer weiter in eine Spirale zu drehen, die ich mehr als besorgniserregend finde.

Und diese Energie, diese Entwicklungen stimmen mich zunehmend trauriger.

Denn: Männer sind in ihrer eigentlichen Wesensart mit allen Anteilen, mit ihren Potentialen, die das Männliche mit sich bringt, ganz wunderbare Seelen!

Ich schätze ihre Kraft, ihren Mut, ihre Art, Dinge so ganz anders anzugehen als Frauen, ihre Würde und Fürsorge als Väter und Großväter sehr. Wenn sie gelebt wird – das ist natürlich die Voraussetzung.

Ich kenne es aus meiner eigenen Familie: mein Großvater war als Berufssoldat im Krieg und war demzufolge als Ernährer und als Familienvater nicht anwesend. Meine Großmutter musste also zusehen, wie sie mit ihren vier Kindern allein klar kam; dazu die ständige Sorge, ob der Vater nun im Krieg gefallen war oder wieder heimkommt.

Er kam wieder nach Hause – nach jahrelangen Strapazen im Krieg, der ständigen Bedrohung und Begegnung mit dem „täglichen Tod“ von Kameraden auf dem Schlachtfeld. Der Tod gehörte zum Alltag wie das nicht vorhandene Brot, wie die Sorge um die Familie und der Ungewißheit, ob man den nächsten Morgen erlebt.

Ich kenne all diese Geschichten nur in Bruchstücken von meiner Großmutter. Ab und an erzählte sie mir davon, aber nicht wirklich viel. Für mich als Kind haben diese Eindrücke gereicht; es war bedrückend, es hat mir Angst gemacht. Und ich habe an meinem Großvater – der mir immer ein guter Großvater war – gesehen und erlebt, WIE groß das eigene Leid gewesen sein muss. Denn insgeheim hing über der Familie auch noch das Damokles-Schwert des „Vorwurfs des Verlassens“ meiner Großmutter und auch deren Kinder. Es wurde nie ausgesprochen, aber es war zu spüren.

Was also haben diese Familien, die allesamt das gleiche Schicksal teilten und bis heute teilen, gemeinsam?

Die Väter, die Männer der Familien waren nicht anwesend. Sie waren im Krieg, sie starben jung oder kehrten irgendwann völlig gebrochen zurück. Sie waren an Leib und Seele massivst verletzt. Sie sprachen wenig bis gar nicht darüber, weil sie es nicht ertragen konnten. Und sie fühlten sich schuldig ihren Familien gegenüber, was ein entsprechendes Verhalten und entsprechende Seelen-Verletzungen der männlichen Linien bis heute zur Folge hat.

Diese Männer wurden nicht gewürdigt in ihren Familien. Man war froh, daß sie überhaupt wieder heimkehrten. Und wenn sie nicht heimkehrten, dann war das einerseits schlimm genug. Andererseits war manchmal die Gewissheit nach oft langem bangen Warten besser, wenn „endlich“ die Todesnachricht mit der Feldpost kam.

Die Würdigung bleibt bis heute meines Erachtens nach aus. Wenn ich über Friedhöfe gehe und sehe dort die vielen Gräber oder Mahnmale der gefallenen Soldaten, dann frage ich mich, ob die Familien das nicht in ihrem System von Familie einfach „vergessen“ haben auf bestimmten Ebenen. Ob nicht im Stillen sogar ein Vorwurf an diese jungen Männer, die ja z.T. auch schon sehr jung Familienväter waren, gerichtet wurde…“du hast uns verlassen“. Oder sie wurden wirklich einfach vergessen…als „Opfer des Krieges“. Eine Würdigung findet aber oft nicht statt.

Processed with VSCOcam
Bildquelle: www.abstracta-cultura.de // Heike Zanini

Was wäre denn eine sog. Würdigung? Für mich wäre das eine „seelische Qualität“, ein gedankliches und emotionales Verbleiben im Familienbund. Man spricht noch über diese Männer in Achtsamkeit und Respekt. Man gedenkt ihrer, indem die Familie vllt. das Grab pflegt und sie damit im Familienverbund belässt und eben nicht vergißt.

Denn genau dieses „Vergessen“ darüber, daß diese Männer ihr Leben für den Frieden (nicht für den Krieg!) gelassen haben, muss gewürdigt werden! Nur so wird die männliche Ahnenkraft erhalten. Von der systemischen Sichtweise her ist m.E. nach genau das die Crux für all die Probleme, die die Männer der Nachkriegszeit haben einschließlich ihrer Söhne, aber auch Töchter, die heute heranwachsen…und irgendwann wiederum Väter werden, von Töchtern und von Söhnen. Die Thematik des Vergessens, des Verschweigens wird einfach – ebenso stillschweigend – weitergegeben. Und damit wird auch die nächste Generation die ursprünglich männlich-konstruktive Kraft nicht zur Verfügung haben.

Was also können Männer der direkten Nachfolge der Kriegsgeneration tun? Was sollten sie tun? Ich persönlich und aus der systemischen Sichtweise heraus halte es für fast die einzige Möglichkeit der Heilung der männlichen Ahnen für eine Pflicht, diese Geschichte der Väter und Großväter aufzuarbeiten. Forschen…was war mit den Männern meiner Familie? Wie ist es ihnen ergangen? Befragt Eure Väter, befragt Eure Großväter, falls sie noch leben. Erwartet keine Antworten, aber fragt! Werdet Euch durch das forschen und fragen, das hineinspüren Eurer eigenen männlichen Wurzeln bewusst. Befasst Euch mit Euren Söhnen UND Töchtern, sprecht mit ihnen, seid da und übt Euch in Fürsorge. Lebt Kameradschaft im Sinne von Freundschaft zu anderen Männern. Lebt Fürsorge für Euch selbst. Hinterfragt Eure Wut, Eure Traurigkeit, Eure Depressionen (Unterdrückung!) – oft sind das die „alten“ Gefühle Eurer männlichen UND weiblichen Vorfahren, die Ihr einfach übernommen habt. Geht Euren Gefühlen von Angst, Wut und Unzulänglichkeit hinterher bis zum Ursprung, soweit möglich. Fahrt – wenn Eure Familien fliehen mussten – mit Euren Kindern zu den Orten, wenn es sie noch gibt.

Ehrt Eure Väter und Großväter. Verneigt Euch innerlich vor ihnen. Und vor allem: schließt Frieden mit ihnen in Eurem eigenen Innern und verbleibt nicht ein Leben lang das „lebende Mahnmal“ für die Nicht-Würdigung Eurer männlichen Ahnen. Sie haben ihr Leben gelassen, damit Ihr heute in Frieden leben könnt.

Alles, was nicht gewürdigt wird, holt sich seine Würdigung auf irgendeine Weise zurück. Die „Kastration“ und „Amputation“ von Männlichkeit mit den entsprechenden Folgen auf breiter Ebene über Generationen hinweg ist die Folge des „Vergessens“ und der mangelnden Würdigung der männlichen Ahnen.

Ich für meinen Teil habe meine Arbeit an der Stelle und als Tochter immer wieder getan. Weil ich es für mich, meine Kinder in Verantwortung und in Achtung und Respekt meiner Ahnen für absolut wichtig und richtig halte.

 

Wenn Du zum Weibe gehst, vergiß die Peitsche nicht ~ von Zicken, ewigen Prinzessinnen und sonstigen weiblichen Ungereimtheiten

Vor allem und deswegen…

…bedanke ich mich bei meiner Mutter und meinen Ahninnen, denn ohne sie würde es mich nicht geben, und auch meine wunderbaren Kinder nicht.

…bedanke ich mich bei ALLEN Frauen, die jemals in meinem Leben (Wegbegleiterinnen) waren, denn ohne Euch hätte ich diese Erfahrungen nicht machen, und diesen Artikel nicht so authentisch schreiben können.

…bedanke ich mich bei den Frauen und Herzens-Freundinnen, die z.T. seit langen Jahren an meiner Seite sind und sich gemeinsam mit mir und unserer Freundschaft weiterentwickelt haben (und wir kommen immer noch gut klar 😉 ). Das Geschenk unserer Freundschaft ist mehr wert als alles Gold der Welt!

Und…

natürlich könnte ich so einen Artikel auch über Männer verfassen. Aber: ich habe ganz bewusst diese Thematik genommen und auch genau zu diesem Zeitpunkt.

Aber nun los!

Nietzsche gehört eindeutig zu meinen Lieblings-Philosophen ~ nicht nur wegen diesem Zitat ;).

Ich bin nun lange mit diesem Beitrag schwanger gegangen ~ nicht aus der Befürchtung heraus, daß ich dann entsprechenden weiblichen Gegenwind bekomme ;). Nein, ganz einfach aus der Tatsache heraus, daß es so unglaublich viele Frauen gibt, die genauso so unglaublich viele destruktive Verhaltensmuster haben.  So erhebt dieser Artikel in seiner Gesamtheit nun wahrlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit; er stellt lediglich eine ~ aber sicher nicht nur meine ~ Wahrnehmung von einem großen Teil meiner Geschlechtsgenossinnen dar.

Fange ich mal früh in meiner eigenen Geschichte an

ich erlebte meine eigene Mutter schon sehr früh als chronisch unzufrieden, biestig, nörgelig, neidisch und im permanenten Mangel. Ich habe sie selten in Freundschaft mit einer anderen Frau erlebt; es musste immer sehr viel Materielles im Haus sein. Sie überzog mich mit einer permanenten Eifersucht, weil ich ein zunächst gutes Verhältnis zu meinem Vater hatte, bis sie Keile in diese Vater-Tochter-Beziehung trieb.

Als ich dann mit knapp 19 Jahren auszog, war ich heilfroh, ihrer Destruktivität entgehen zu können.

Meine Freundschaften zu Mädchen in der Kindheit und Jugend gestalteten sich ähnlich schwierig, weil ich das Verhalten der meisten Mädchen weder einsortieren, noch einschätzen, noch gutheißen konnte. Diese ständigen Konkurrenzkämpfe selbst ganz junger Mädchen, das Bilden von Koalitionen gegen ein anderes Mädchen innerhalb der Schulklasse oder im Verein fand ich immer schon schlimm, und ich habe mich sofort von solchen Grüppchen distanziert.

Ich war also lieber mit Jungs befreundet, später in meinem Berufsleben konnte ich viel besser mit Männern arbeiten, als mit Frauen. Da ich einige Berufsfelder erlebt habe, durfte ich auch viele Felder erleben, in denen Frauen arbeiteten. Meistens war das eine Katastrophe: es wurde hinterrücks gegen eine Frau Stimmung gemacht; Frauen wurden um ihre Männer beneidet, um ihre Kinder, um ihr Haus, ihre Frisur, ihre Kleidung, ihr Aussehen etc.

Ich habe Frauen erlebt, die mit ihrem Älterwerden solche Probleme hatten, daß sie sich nicht nur mit Macht auf jung trimmten, sondern auch noch jüngeren Kolleginnen ihre „autoritären Krallen“ zeigten – je nach Dienstgrad/-verhältnis.

Ich durfte mehrfach miterleben, wie sich Frauen an die Ehemänner der sog. besten Freundin schamlos heranmachten und/oder auch den eigenen Ehemann mit dem besten Freund ihres Mannes betrogen. Ich kannte Frauen (nicht als Freundinnen!), die nur danach schauten, wie viel Geld ein Mann verdient, welches Auto er fährt und es sonst auch genug für sie zu holen gibt.

Männer berichteten mir von ihren (ehemaligen) Partnerinnen, daß diese zwar nach der Trennung sofort wieder einen neuen Partner haben, aber mit allen Mitteln gegen eine neue Partnerin ihrerseits angingen. In getrennten Ehen mit Kindern werden diese durch Besuchs-Verbote bei den Vätern dazu benutzt, alte „Rechnungen“ zu „begleichen“ oder es wird den Vätern ein Mißbrauch mit der gemeinsamen Tochter angedichtet. Z.T. waren diese Männer danach vollkommen und zu Unrecht stigmatisiert!

Frauen benutzen ihre Söhne, um ihre Nähe-Bedürfnisse zu stillen, wenn sie keinen Partner haben.

Frauen benutzen ihre Töchter, um von der Anerkennung, die diese für ihr Aussehen bekommen, auch noch etwas auf sich selbst „regnen“ zu lassen.

Ich „durfte“ – dann eine ehemalige – Freundin erleben, die sich, nachdem ich die Freundschaft beendet hatte, an meine Freundinnen wandte, um diese „abzuwerben“.

Frauen bleiben in sehr destruktiven Beziehungen, obwohl sie dort schlecht behandelt werden. Sie betrügen ihre Ehemänner, damit sie nicht auf das  „tolle Haus“ und die ganzen anderen materiellen Vorzüge verzichten müssen. Sie fühlen und deklarieren sich dann als „Opfer“ und haben damit eine vermeintliche Legitimation für eine o.g. Kompensation.

Während der Jahre, in denen ich mich oft in Frauen-Gruppen aufhielt, um Seminare, Workshops oder Projekte zu machen, konnte ich all diese „weiblichen Qualitäten“ oft in geballter Dynamik erleben. In Windeseile checken Frauen ab, welche Frau wie tickt und verhalten sich dann entsprechend, wenn diese Frau nach Konkurrenz „riecht“: mobben, unterschwelliges oder offenes Ausgrenzen,  Koalitionen bilden. Kam u.U. ein Mann in die Gruppe, in der es vorher abgesprochen wurde: kein Mann, wir bleiben unter uns! wurden alle Register von Eitelkeit und Balz-Verhalten gezeigt, der Mann natürlich aufgenommen. Daß sich die gesamte Energie eines solchen Projektes dann meist zum Nachteil veränderte, muss ich wohl nicht erwähnen.

Spannend, aber nicht ungewöhnlich ist auch das Verhalten von Frauen, wenn ich z.B. Fotos von Veranstaltungen mache, in denen häufig ein Frauen-Überschuss herrscht. Erst wenn die Frauen sehen, daß ich eine Kamera dabei habe, wird ihr Blick entspannter. Bis zu diesem Moment bin ich „Konkurrenz“, weil zu wenige Männer da sind.

Frauen können so viele Register auffahren, weil sie zu ihren „typisch weiblichen“ Mustern ganz viele verschiedene Rollen inszenieren können:

– der Vamp

– die Intellektuelle

– die Romantische

– die gute Hausfrau und Mutter

– die coole und taffe Business-Frau

– die Helferin und Heilerin

– die Männerversteherin

– die Männerhasserin

– die Familien-Glucke

– die arme Alleinerziehende

– die bedürftige (Single-) Frau

– die unabhängige (Single-) Frau

– die ewig Junge

– die esoterische Ver-  Entspannte

– die Übermutter

– die super Freundin

– die nur manchmal gute schlechte Freundin

etc.

Wir alle dürften eine dieser Frauen-Typen in uns selbst erkennen, aber auch in anderen Frauen.

Emanzipation ~ Segen oder nicht?

Ich persönlich bin überhaupt keine Freundin von  der sog. Emanzipation. Sie hat vielen Frauen über Generationen m.E. nach mehr Schaden in ihrer Weiblichkeit zugefügt als Nutzen.  Die sog. Feministinnen haben zum größten Teil für mein Empfinden nun eine Legitimation dafür, daß „alle Männer Schweine“ sind und verhalten sich entsprechend und das seit langen Jahren. Beschweren sich dann aber, daß sie keinen „vernünftigen“ Mann an ihrer Seite haben und/oder ewige Singles sind.

Und wenn wir schon bei der sog. Emanzipation vs. Männer (sind doch toll)-Thematik sind: wenn die Frauen so emanzipiert wären, wie es uns seit langen Jahren vorgekaukelt berichtet wird (oder wir es selbst glauben), dann frage ich mich: warum folgen so viele Frauen anhimmelnd vermeintlichen Männern oder eher selbsternannten Gurus, die ihrerseits und für mein Empfinden so sehr weit weg von archaischer Männlichkeit sind, wie die Sonne von der Erde?

Emanzipation hat auch die sog. ewigen Prinzessinnen hervorgebracht: Frauen, die sich einfach konstant weigern, erwachsen zu werden und noch bis weit über ihr 40. Lebensjahr hinaus auf den „Prinzen auf dem weißen Pferd“ warten.

Warum ist der Anteil bei Frauen so hoch, die:

– an Depressionen

– an narzisstischer Persönlichkeitsstörung (oder anderen Persönlichkeitsstörungen etc.)

– Süchten

– Krebs (insbesondere Brust- und Gebärmutter-Krebs)

– Burn-out

etc. leiden?

Aus medizinischer Sicht gibt es sicher Erklärungen dazu. Aus sog. esoterischer Sicht auch.

Meine Meinung dazu ist eine ganz klare Haltung zum sog. archaischen Frau-Sein. 

Was meine ich damit?

Eine Frau, die sich ihrer archaischen Weiblichkeit bewusst ist, diese leben kann ohne sich damit „schwach“ zu fühlen – im Gegenteil! – die um sich weiß, um ihre Fähigkeiten, die ihr Frau-Sein lebt, ohne zum „Weibchen“ oder zur ausschliesslich „taffen“ und vermännlichten Frau mutiert, die sich gesund abgrenzen kann, gut mit sich verbunden ist, ihre Aggressivität nicht unterdrückt, sondern konstruktiv lebt, die sich selbst wertschätzt, anerkennt, liebt und sich auch „ihre graden Fünfe“ läßt, muss all diese o.g. destruktiven Muster einfach nicht leben. Weil sie nicht in ihr selbstbestimmtes, aber allumfassendes Leben hineinpassen.

Eine solche Frau hat ihre weiblichen und männlichen Anteile integriert, hat sie tief in sich verankert – leider sind die wenigsten Frauen in unserer heutigen Gesellschaft und Zeit so. Und leider sind diese Frauen um keinen Deut besser als die Männer, über die sich genau diese Frauen aufregen.

Wenn ich die Schreie nach einem Matriarchat höre, dann bekomme ich ein wenig Angst ;). Denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß solche  Frauen diese Welt regieren sollen. Wenn wir uns allein die aktuellen Ereignisse ansehen und mal in die weibliche Riege der Politikerinnen schauen, sehe ich schwarz! Da müssten schon andere Frauen her, die wirklich integer sind.

Und manchmal frage ich mich auch: was war denn eher in dieser Welt? Das destruktive Männliche oder das destruktive Weibliche?

Ich kann nur auf Besserung hoffen, und ich kann meinen Teil als Frau dazu beitragen, daß die archaische Weiblichkeit wieder mehr in diese Welt kommt.

 

Warum es so wichtig ist, seine Vergangenheit aufzuarbeiten

„Wer vor seiner Vergangenheit flieht, verliert immer das Rennen.“ ~ Thomas Stearns Eliot

Wie oft lesen wir vom „Leben im Hier und Jetzt“, vom Loslassen der Vergangenheit, vom nicht zurückschauen, sondern nach vorne leben.

Ja, das hat durchaus seine Berechtigung. Doch können wir all das, was wir mitbringen, nicht einfach „sein lassen“, weil uns Menschen nun mal das in Gänze ausmacht, was wir erlebt haben in unserer Biografie.

Wir können nicht einfach so tun, als sei unsere Vergangenheit Geschichte, wenn wir im Hier und Jetzt wirklich reflektiert, achtsam und qualitativ gut leben wollen. Im Gegenteil: wenn wir unsere Vergangenheit, unsere Geschichte nicht gut beleuchten, schauen, woher unsere Verhaltensmuster in allen Belangen herkommen, wertschätzen wir uns nicht und damit auch nicht andere. Denn unsere Geschichte (und natürlich noch andere Faktoren) haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind und WIE wir heute sind.

Unsere Geschichte, unsere Herkunft hat uns von frühester Kindheit an geprägt. WIR wurden geprägt, und wer sich mit seiner Geschichte und den Folgen dieser Prägungen intensiv auseinandergesetzt hat, weiß, WIE nachhaltig diese Prägungen sein können, meist auch sind. Wir haben Werte vermittelt bekommen, die uns ein Leben lang nützlich sein können. Wir haben aber auch Muster und Verhaltensweisen vermittelt bekommen und/oder sie selbst aus den Folgen von Erziehung etc. entwickelt, die alles andere als hilfreich sind.

Meist zeigen sich diese Muster in unseren zwischenmenschlichen Belangen. Am häufigsten in unseren Liebesbeziehungen mit unterschiedlichen Auswirkungen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht explizit auf alle Prägungen in unserer Kindheit eingehen, das würde zu weit führen. Aber ich möchte darauf eingehen, wie immens wichtig es für uns, unser Leben und unsere Beziehungen ist, daß wir eine ganze Wegstrecke lang oder in mehreren Wegstrecken immer wieder mal auf unsere Vergangenheit schauen – am besten mit gut ausgewählter Hilfe, weil wir selbst in unseren eigenen Gedankenkreiseln einfach eingeschränkt sind und manchmal den Wald vor lauter Bäumen gar nicht sehen können.

Unbearbeitete sog. Altlasten wie spezielle Prägungen in unserem Elternhaus, wie das Verhalten der Eltern untereinander oder auch nur eines Elternteils, gibt uns als Kind ein Vorbild dafür, wie wir Beziehungen verstehen. Ist die Ehe der Eltern also achtsam, fürsorglich, respekt- und liebevoll gewesen, und ist das als Kind unser „täglich Brot“, so werden wir höchstwahrscheinlich genau dieses Bild im späteren Leben, in unseren späteren Beziehungen nachzuleben versuchen und es damit auch an unsere eigenen Kinder weitergeben.

Ist die Eltern-Ehe aber eher ein liebloses Nebeneinanderherleben, eine von Gewalt und/oder Alkoholmißbrauch geprägte Beziehung, eine Beziehung, wo Machtverhältnisse ausgelebt wurden usw. mit all ihren destruktiven Begleiterscheinungen, so werden wir uns – wenn wir diese unsere Geschichte nicht eingehend aufarbeiten und andere Muster erlernen – genau wieder diese „vertraute Qualität“ einer Beziehung konstruieren. Wir suchen uns das als Erwachsene, was sich noch aus Kindertagen so unglaublich vertraut anfühlt und wählen einen entsprechenden Partner. Oder wir leben selbst das nach, was wir als Kind in einer solch destruktiven Weise erfahren haben.

Viele heutige Erwachsene hatten ein wenig liebevolles Elternhaus; in der Nachkriegszeit hatten die Eltern und Großeltern ihre eigenen Traumata zu bewältigen, wofür oft aber gar kein Raum war, weil es um existenziellere Themen ging. Viele dieser Menschen sind bis heute so traumatisiert von den Kriegserlebnissen in ihrer Familie, daß sie überhaupt nicht darüber nachdenken, diese Geschichte aufzuarbeiten, weil sie die alten Traumata nie wieder anrühren möchten – verständlicherweise, aber leider fatal für ihre Kinder, also unsere Eltern und damit auch uns.

So wird unserer Generation seit 40, 50, 60 Jahren oft ein „emotionales Schweigen“ anerzogen, was wir dann weiterleben und wir damit u.U. unsere eigenen Leben massiv negativ beeinflussen und/oder unserer Beziehungen zerstören. Das passiert z.T. bewusst, z.T. unbewusst.

Als ich mich mit 35 Jahren auf den Weg in meine erste Therapie machte, wurde ich z.T. argwöhnisch betrachtet. In meiner Ausbildung zur Erzieherin kam ich mit dem Thema „Was braucht ein Kind, um gut aufzuwachsen, um eine seelische Stabilität für sein Leben zu bekommen?“ konfrontiert. Ich wusste natürlich, was in meinem Elternhaus gelebt wurde, aber durch diese Frage kam ich an meine eigenen Mankos durch diese elterlichen Vorbilder. Und in diesem Moment wusste ich – zumal ich zu dem Zeitpunkt schon zwei eigene kleine Kinder hatte – daß ich meine Geschichte dringend aufarbeiten muss. Und zwar schon aus dem Grund, daß ich meinen Kindern nicht ungefiltert das mitgeben möchte, was ich selbst erfahren hatte. Ich wollte partout keine Wiederholungstäterin werden.

Dieser Schritt, diese Entscheidung brachte eine Kehrtwende in mein vorher eher unbewusstes Leben, und ich habe einige Jahre intensiv mit meiner Geschichte, mit dem Verstehen meiner Verhaltensweisen zugebracht und tue das heute in gewissen Abständen noch immer, denn im Grunde hört die Suche nach dem wahren und unversehrten Wesenskern nie auf – sie sollte nie aufhören, wenn wir zu einer integeren Persönlichkeit, zu unserem unversehrten Wesenskern vordringen wollen, um von ihm aus unsere wirkliche Lebens- und vor allem Liebeskraft schöpfen zu können.

Vor allem aber, um gesunde und qualitativ hochwertige dauerhafte Liebesbeziehungen führen zu können, die uns mit dem Partner ein weiteres Wachstum ermöglicht.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es für mein Empfinden und aus meinen Erfahrungen heraus aber dringend nötig, daß BEIDE Partner sich den Erfahrungen ihrer Kindheit stellen und sich die daraus resultierenden Muster vergegenwärtigen, wirklich bewusst machen. Wenn nur einer der Partner das tut, der andere sich aber konstant weigert, hat diese Beziehung keine Chance. Sie kann dann einen Fortbestand bis zu einem gewissen Punkt haben, aber derjenige, der in seiner Entwicklung durch Aufarbeitung und wirkliche Bewusstwerdung voranschreitet, wird über kurz oder lang diese Beziehung verlassen. Sie ermöglicht nicht nur kein beiderseitiges Vorankommen und liebevolles Wachsen der Beziehung, sondern sie verhindert durch Projektion desjenigen, der eben nicht aufarbeitet und damit seiner Verhaltensweisen bewusst wird, eine wirkliche LIEBES-Beziehung.

Vielleicht (oder wahrscheinlich) werden wir nie alle Ressentiments aufarbeiten können. Gewisse Verhaltensweisen bleiben erhalten, sie machen uns aus und dürfen auch so bleiben – wenn sie keinen Schaden innerhalb von zwischenmenschlichen Beziehungen anrichten. Sobald sich aber die Beziehung nicht mehr als förderlich für BEIDE herausstellt, sich destruktive Verhaltensweisen so manifestieren, daß die Beziehung dadurch Schaden erleidet, haben wir als Partner nur zwei Möglichkeiten: die Beziehung beenden oder den Entschluß fassen, daß wir an uns arbeiten müssen, um zu erkennen, was falsch läuft, wo unsere Anteile am Scheitern der Beziehung liegen.

Ich stelle immer wieder fest, daß eher Frauen bereit sind, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten als Männer. Frauen sind insgesamt bereiter, sie sind offener, sie wünschen sich eine gute und qualitativ hochwertige Partnerschaft. Es gibt auch reichlich Ausnahmen, in denen Frauen ihre Traumata und selbst erstellten Trugbilder von Beziehung zu Beziehung weiterleben und dann immer wieder enttäuscht feststellen, daß der Partner eben NICHT der Prinz auf dem weißén Pferd ist, den sie sich als Mädchen erträumt haben.

Dennoch erlebe ich viel mehr Männer, die sich partout nicht mit ihren anerzogenen und oftmals durch Prägungen in der elterlichen Ehe entstandenen Verhaltensmustern auseinandersetzen wollen. Sie kompensieren ihre Mankos durch vielerlei Ersatz-Handlungen; die bevorzugten sind:

– sich in die Arbeit stürzen und damit den Fokus weg von der Beziehung, vor allem aber weg von ihren Mankos zu lenken. Eine Therapie könnte hilfreich sein, wird aber – gerade unter Männern – immer noch als „Versagen“ oder „Schwäche“ ausgelegt

– über materielle Dinge, die immer auf dem neuesten Stand sein müssen

– über (mehr oder weniger häufig) wechselnde Beziehungen

– über Drogen und Alkohol im Übermaß

– über Ess-, Porno-, Spielsüchte

– über rein sexuelle Beziehungen, weil die Bindungsängste zu groß sind für eine wirkliche Partnerschaft

usw.

Diesen Männern ist scheinbar nicht klar, wie sehr diese Kompensationen in erster Linie ihnen selbst, aber im Nachgang immer auch ihren Partnerinnen und Beziehungen schaden. Ich bin sehr erfreut darüber, daß sich immer mehr Autoren mit ihrer eigenen Geschichte diesbezüglich im öffentlichen Raum durch selbst geschriebene Bücher damit auseinandersetzen und damit anderen Männern Mut machen, dies auch zu tun. Davon darf es gerne mehr geben!

Die Folgen einer nicht aufgearbeiteten Geschichte und je nach Schwere der Traumata sind in den meisten Fällen für die Partner(in) und die Beziehung verheerend: sie führen immer in die Abspaltung vom Selbst, vom unversehrten Wesenskern, von der Quelle der Schöpfungskraft weg und in verletzende Verhaltensweisen bis hin zur Trennung.

Wenn nicht spätestens nach einer solch destruktiven Beziehung und Trennung die Aufarbeitung begonnen wird und stattdessen all diese alten Themen mit in die nächste Beziehung genommen werden (bei der nächsten Frau, beim nächsten Mann wird alles anders), wird die Verletzungsrate zunächst gegen uns selbst und dann auch wieder gegen die Partnerin/den Partner immer höher und die Resignation danach immer größer.

Schlussendlich ist eine innerlich große Einsamkeit die Folge, die dann wieder noch stärker kompensiert werden muss. Das kann bis ins hohe Alter betrieben werden – ist das unser Anspruch?

Wie viele Menschen mögen das Bild von einem alten Ehepaar, das händchenhaltend auf einer Bank sitzt und sich anlächelt? Sehr viele! Ich glaube, das ist im Grunde der Wunsch eines jeden Menschen – egal, ob Mann oder Frau. Der Wunsch nach dieser Qualität in einer Beziehung, nach einer verbindenden und alles überdauernden Liebe ist in uns allen tief verankert. Nur müssen wir dafür auch etwas tun, damit wir dieses hehre Ziel erreichen; vor allem aber beginnt es immer in uns selbst, mit unserer eigenen Bewusstwerdung.

936080_190161124487969_9151390156081893402_n

Das Foto stammt von Lee Jeffries – einer meiner Lieblingsfotografen.

 

Meine persönliche „goldene Regel“ für eine gute Partnerschaft ~ Wertschätzung

„Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“ ~ Goethe

Eine gute Beziehung, eine gute Partnerschaft – was ist das überhaupt? Und…wie kann sie dauerhaft gut sein?

Im Laufe meines Lebens habe ich viele Beziehungen beobachten können. Meine eigenen und die von Freunden und Bekannten.

Die Beziehungen, die mich am meisten und nachhaltigsten im Herzen berührt haben – sowohl meine eigenen, als auch die von Freunden und Bekannten, waren diejenigen, die im Grunde von einem Wert getragen wurde:

– von der Wertschätzung der Partner füreinander.

Und genau diese „nur“ eine goldene Regel gilt es zu beachten und zu leben, damit eine Partnerschaft gut im Sinne von qualitativ hochwertig ist und auch bleibt.

Nun wird sich der eine oder andere Leser, die eine oder andere Leserin vielleicht fragen:

nur diese eine Regel? Nicht mehr? Ich dachte immer, daß…

Nein. Für mein persönliches Empfinden gibt es nur diese eine Regel ~ die der Wertschätzung füreinander, aus der sich alles ableitet.

Was ist denn „Wertschätzung“ überhaupt?

Wie das Wort uns schon sagt: den Wert (des Menschen, der Partnerschaft) schätzen. Und genau damit tun sich viele Menschen unglaublich schwer. Und dafür gibt es für mein Empfinden mehrere Gründe:

– viele Menschen haben kaum noch sog. Werte. Sie haben sie entweder nie kennengelernt (und damit auch nicht schätzen gelernt) oder diese Werte sind ihnen im Laufe ihres Lebens – wie auch immer – „abhanden“ gekommen.

Wir leben in einer Leistungs- und Konsumgesellschaft. „Werte“ werden von vielen Menschen zunächst mit „materiellen Werten“ gleichgesetzt. Wer also viele solcher „Werte“ hat, ist also in unserer Gesellschaft etwas „wert“. Das ist leider ein gesellschaftliches Problem. Dazu kommt, daß gerade im Bereich von Beziehungen heute „alles möglich“ ist. Wir sind sozusagen „käuflich“ auf dem Markt der „Eitelkeiten“. Da wird oft nur noch nach äußerlichen „Werten“ geschaut…Aussehen, Figur, Verdienst, Berufsstand etc.

Die sog. „inneren“ Werte bleiben oft dabei auf der Strecke. D.h., Paare finden u.U. über ihren persönlichen und auch nach außen getragenen „Wertestand“ zueinander, was aber nicht zwingend bedeuten muss, daß damit auch die inneren Werte beteiligt sind oder gepflegt werden.

Jeder hat sicher seine eigenen Vorstellung von diesen sog. inneren Werten. Das ist auch gut so, weil diese Vorstellungen nun mal individuell sind.

Meiner Meinung nach gibt es sog. Grundwerte, die in einer Beziehung zum Wohl und Bestand, aber im Falle des nicht-vorhanden-und-gelebt-werdens auch zum Scheitern einer Beziehung führen.

Zu diesen Grundwerten zähle ich persönlich und vor allem:

– dem Partner nicht das Exklusiv- sondern INKLUSIV-Recht vorbehalten

Was bedeutet das?

Der Partner ist die Nummer 1 in meinem Leben. D.h. nicht, es soll sich alles immer und nur um den Partner drehen. Aber er sollte die Aufmerksamkeit bekommen, die ihm gebührt. Wenn ich meinem Job oder Freunden oder meinem Hobby oder gar dem anderen Geschlecht mehr Aufmerksamkeit und HINGABE widme, als meinem eigenen Partner, dann ist das nicht nur NICHT wertschätzend, NICHT aufmerksam, sondern kränkend und respektlos. Wenn ich meinen Partner nur als sog. schmückendes Beiwerk, als willkommene Abwechslung zu meinem Job oder als Lückenfüller zwischen meinen diversen Freundeskreisen sehe, ist das alles andere als wertschätzend dem Partner gegenüber. Dazu gehören für mich auch die klassischen Regeln guten Benehmens, was vielen Männern z.B. heute auch z.T. „abgeht“. Nur, weil eine Frau „emanzipiert“ und oder „tough“ ist, heißt das nicht zwingend, daß man(n) sie nicht in ihrer Weiblichkeit abholen darf. Ich persönlich kenne keine Frau – mich eingeschlossen – die das nicht genießt, auch wenn sie vielleicht etwas anderes signalisiert ;).

– dem Partner gegenüber aufmerksam sein

Was bedeutet das?

Ich höre dem Partner zu, was er mag oder auch nicht mag. Ich achte die Beziehung durch genau diese kleinen oder größeren Aufmerksamkeiten. „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“ sagt genau das aus. Sich erinnern, wenn wir irgendwo etwas sehen, was der Partner sich wünscht, was ihm gefällt. Unterwegs sein und an einem Kartenständer eine schöne Postkarte sehen, ein paar liebevolle Worte darauf schreiben und mal wieder ganz „altmodisch“ mit der Post schicken. Eine kleine nette Zettel-Botschaft unter den Scheibenwischer klemmen. Einen Feldblumenstrauß beim Spaziergang pflücken und in die Blumenvase zuhause auf den Tisch stellen. Wenn wir in einer anderen Stadt unterwegs sind und etwas sehen, von dem wir wissen, daß dem Partner das gefällt, mitbringen. Karten für eine Ausstellung, einen Theater-Besuch, einem Konzert/ein Festival besorgen und den anderen „entführen“. Ein warmes Bad bereiten, wenn der andere nach Hause kommt. Ein schönes Essen kochen als Überraschung oder einen Restaurant-Besuch, der dann mal NICHT in dem sonstigen Stamm-Restaurant stattfindet. Und so weiter…es gibt so viele schöne Gelegenheiten und Aufmerksamkeiten, die man dem Partner bereiten kann…wenn man(n)/frau selbst aufmerksam ist. Die Fantasie entwickelt sich mit dem Tun ;).

– dem Partner zeigen, daß er mit allem angenommen ist, gerade dann, wenn er Probleme hat mit sich selbst

Was bedeutet das?

Anteilnahme am anderen. Auch, wenn er vielleicht gerade „nervt“ oder er/sie „festhängt“ in einer Thematik. Die Schulter, den Arm anbieten, einfach DA SEIN und zuhören, den anderen ernst nehmen und wirklich präsent sein. Zusammen schauen, was man für den anderen oder gemeinsam tun kann. D.h. nicht: den anderen noch in seiner Thematik unterstützen, indem wir ihn noch mehr in einen Trauerprozess z.B. bringen. Wir sollten unsere Grenzen kennen, wo professionelle Hilfe angebracht ist. Sondern einfach signalisieren: Du bist auch jetzt für mich mein Partner, meine Partnerin. Ich bin gerade jetzt für Dich da. Ich nehme Dich gerade jetzt noch mehr an. Dieses Verhalten stärkt jede Beziehung. Alles andere, genervte, abweisende Verhalten gibt dem Partner das Gefühl, KEINEN Partner und damit keine Unterstützung zu haben. Die logische Folge ist: der Partner öffnet sich nicht mehr, das Vertrauen schwindet und macht die Partnerschaft damit „brüchig.“

– Fürsorge für den Partner und die Beziehung übernehmen

Was bedeutet das?

Wir übernehmen vor allem die Verantwortung für unsere Anteile in einer Partnerschaft. Aber wir schauen auch nach dem anderen, sind für-sorglich. Fürsorge für uns selbst UND die Partnerschaft zu übernehmen, ist einer der Grundpfeiler einer stabilen und liebevollen Partnerschaft. In vielen Beziehungen übernimmt meist die Frau die Fürsorge. Sei es für die Kinder, wenn welche da sind, vor allem aber die emotionale Fürsorge. Auch die Fürsorge für die Pflege von Freundes- und Bekanntenkreisen. Die meisten Männer überlassen das gerne den Frauen und übernehmen dann vor allem die Fürsorge für ihren Job. Das kann funktionieren – je nach Rollen- oder Beziehungsmodell – muss aber nicht. Ich kenne viele Frauen, die davon zumindest genervt sind, daß die emotionale Fürsorge und die Pflege von Familie und Freundschaften meist ihr Part ist. Das lässt die Waagschale in einer Partnerschaft aber meist irgendwann in die Schräglage der Unzufriedenheit kippen. Wenn der Mann sich nicht zumindest annähert, was die emotionale Fürsorge – vor allem in der Partnerschaft – angeht, so wird auch hier irgendwann die Achtsamkeit, die Wertschätzung abhanden kommen.

– die emotionale Erreichbarkeit sichern

Was bedeutet das?

Gerade Männer neigen dazu, sich emotional zu verschließen, und/oder ihre Gefühle mit sich abzuhandeln, wenn es für sie an der Stelle „eng“ wird. In Konflikt-Situationen brauchen sie oft Auszeit, ihre eigene Nische des Rückzuges, um sich klar zu werden. Die Akzeptanz dessen ist bei den meisten Frauen weniger das Problem, sondern eher die schlichte Verweigerung, das „Abtauchen“ des Mannes (oft mit einem verbundenen „Beleidigt-sein“) und damit ein Gefühl des „verlassen werdens“ bei der Frau. Männer, die ankündigen können, daß sie JETZT eine Stunde für sich brauchen, aber danach auf alle Fälle wieder bei und mit der Partnerin sind, und das auch verbalisieren, haben da einen entscheidenden Vorteil: sie geben der Partnerin das Gefühl, dennoch präsent zu sein. Damit ist die Frau meist beruhigt und kann sich auf ihre eigene Gefühlswelt nicht nur konzentrieren, sondern dem Mann auch seinen (berechtigten) Raum zur Reflektion lassen.

– die Pflege (der kleinen Gesten mit großer Wirkung)

Was bedeutet das?

Viel von dem, was ich bereits oben zum Thema Aufmerksamkeit genannt habe. Aber auch die kleinen Gesten im Alltag nicht vergessen…die Berührung im Vorbeigehen, sich nicht im gemeinsamen Haushalt benehmen wie im Hotel, sondern seinen Kram wegräumen. Sich pflegen und nicht dem Partner die ungeputzten Zähne präsentieren oder den ungepflegten Körper. Auch der Anblick eines Mannes, der jeden Abend mit Bierflasche und Chipstüte auf der Couch herumliegt, ist nicht gerade wertschätzend der Partnerin gegenüber. Umgekehrt gilt das natürlich genauso.  Wir alle neigen dazu, das Eine oder Andere im Laufe einer Partnerschaft zu „vergessen“. Das passiert, muss aber nicht „einreißen“, bis es Normalzustand ist. Es gehört sich einfach nicht und ist dazu kränkend für den Partner, wenn man sich gehen lässt.

– last but not least ~ eine achtsame Sexualität

Was bedeutet das?

Auch hier höre ich dem anderen zu, beobachte, probiere vorsichtig aus, ertaste im wahrsten Sinne des Wortes, was könnte dem anderen gefallen? Womit fühlt er sich wohl, womit nicht? Nicht jeder kann frei über seine Vorlieben und Abneigungen in der Sexualität sprechen. Da gilt es behut- und achtsam zu sein und dann eine gemeinsame, befriedigende Sexualität zu finden. Für mich persönlich sind alle o.g. Punkte das A und O, um auch eine gute Sexualität mit meinem Partner zu haben. Eine gute, sprich wirklich erfüllende Sexualität setzt Vertrauen voraus, damit beide sich hingeben können. Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Wer diese Seelen-Qualität dauerhaft nicht möchte, der ist m.E. nach allerdings besser in einer Affäre aufgehoben. Dazu hat sicher auch jeder eine andere Vorstellung von „beseeltem“ Sex. Viele Menschen haben heute soviel Angst vor einer wirklichen Herzensbegegnung in der Sexualität, daß sie dieser durch ein distanziertes Verhalten – auch in einer Partnerschaft – auf ihre Weise aus dem Weg gehen. Das kann auf die Dauer aber nur zur Trennung oder zum Fremdgehen führen, wenn einem der beiden Partner diese Form von Sexualität nicht reicht. Es gibt zum Glück immer mehr Menschen, gerade und vor allem Männer, die sich eher die wirkliche Hingabe wünschen, als schnellen Sex, der letztlich nur der eigenen Befriedigung dient und mit dem Partner rein gar nichts zu tun hat – vor allem nicht auf einer emotionalen Ebene. Ich werfe an dieser Stelle noch das Wort „Erotik“ ein. Sex ist NICHT gleich Erotik!

Heute morgen noch las ich ein wunderschönes, englischsprachiges Zitat zum Thema:

„Intimacy is not purely physical. It`s the act of connecting with someone so deeply, you feel like you can see into their soul“

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, daß auch eine Affäre, bzw. der schnelle Sex seinen Reiz hat. Wirklich berührend, bindend und herz-öffnend ist für mich nur die Qualität, die das Zitat beschreibt.

Nun wird sich manch eine(r) denken: Was für ein Anspruch an eine Partnerschaft! Das ist doch unerreich- und unerfüllbar!

Und darauf kann ich nur antworten: genau dieses Denken, genau dieser Glaubenssatz in Männern und Frauen lässt uns diese Qualität von wirklicher guter Partnerschaft oft nicht erreichen. Weil mir meinen: wir sind nicht „gut genug“. Wir „leisten nicht genug.“ Also lassen wir es bleiben und bleiben damit auch in einer mehr oder weniger latenten Unzufriedenheit stecken, die uns unsere Beziehungen auflösen und/oder uns in einer solchen leiden lässt. Die uns „fremdgehen“ lässt – obwohl die Meisten sicher wissen, daß das nicht die Lösung der Probleme in einer Partnerschaft ist. Die unsere Beziehungen wahrlich auf die Dauer „in die Wüste“ schickt.

In der Wüste allerdings können wir lange nach Wasser graben – wir werden keines finden.

Ich wünsche mir ein Erwachen von Männern und Frauen in Beziehungen, damit sie wirkliche und wahrhaftige Partnerschaften werden können. Und ich bin zwar ein sehr freiheitsliebender Mensch, aber auch eine große Liebhaberin von langjährigen und stabilen Partnerschaften. Denn nur darin können wir – auch über uns selbst hinaus – wachsen.