Die Schattenseiten des Helfens

„Helfen ohne Auftrag ist kein helfen – es ist eine Kompensation und versuchte Vertuschung eigener Unzulänglichkeiten.“ ~ Heike Zanini

Anderen Menschen zu helfen, ist an sich eine sehr gute Eigenschaft. Aber wer hilft schon aus wirklich altruistischen und selbstlosen Gründen?

Was sagt es denn aus, wenn ein Mensch hilfsbereit ist?

Nichts weiter als: er ist bereit, anderen Menschen zu helfen – ohne jegliche Erwartungen an denjenigen, dem geholfen wird.

„Eine Hand wäscht die andere“ – in kleineren Gemeinden, auf kleineren Dörfern (wie ich es in Südfrankreich sehr oft erleben durfte), geht es nicht ohne. Da, wo gewisse Infrastrukturen und damit gewisse Einkommenssätze fehlen, ist es zwingend nötig für das eigene Leben, daß man sich in der Nachbarschaft, der Gemeinde oder unter den Familien hilft.

„Tausche Radwechsel gegen Haarschnitt“, den Verleih einer Axt gegen eine Flasche Wein, ein landwirtschaftliches Gerät gegen…etc.

Ich habe das in den drei Monaten, in denen ich in Frankreich gelebt habe, als sehr angenehm empfunden. Vor allem aber, weil es gepasst hat im Sinne von:  „Eine Hand wäscht die andere.“

Da gab es kein Überlegen, ob und wie viel dafür an „Gegenleistung“ rausspringt…es war immer ausgeglichen.

Dazu kommt ein sehr schöner geselliger Aspekt…man redet miteinander, lädt sich vielleicht noch auf ein Glas Wein ein, und es ergeben sich aus solchen Hilfs-Aktionen neue Themen, neue Kontakte etc.

Ich habe es in Deutschland oft anders empfunden…Menschen fallen bei Glatteis hin und die Menschen gehen noch lachend dran vorbei.

Wer hier eine Auto-Panne hat, wird noch von der Straße gehupt und beschimpft. (in Frankreich nicht ein einziges Mal so erlebt, eher das Gegenteil!)

Alte Menschen, die auf dem Bürgersteig stehen, stehen da oft solange, bis sich endlich mal jemand „erbarmt“, diesem Menschen über die Straße zu helfen.

Dennoch gibt es auch hier viele Menschen, die ohne zu überlegen helfen und das ohne Hintergründe. So, wie das Helfen an sich gedacht ist.

 

Aber es gibt die zahlreichen Schattenseiten des Helfens. Sie zeugen nicht von Altruismus, sondern von schlichter Berechnung:

  • es wird nur „geholfen“, wenn andere (möglichst viele) Menschen das auch sehen
  • es wird „geholfen“, damit man(n)/frau sich „besser fühlt“ und das wird dann auch gleich noch in sozialen Netzwerken publik gemacht
  • es wird „geholfen“, damit andere Menschen, nämlich der-/diejenige, der/die die aktuell schwächere oder beeinflussbare Position hat, manipuliert werden kann. Ist ein Mensch aus unterschiedlichen Gründen geschwächt, ist es ein leichtes für gerade manipulative Menschen, sich den Zugang zu deren Leben zu verschaffen und dann manipulierend über eine sog. Hilfe zu agieren, z.T. sogar langfristig
  • es wird im schlimmsten Fall sogar mit Lügen „geholfen“, um einem Dritten schaden zu können oder zu wollen über den Menschen hinweg, dem das sog. „Hilfsangebot“ gilt

Was sind die Beweggründe solcher Menschen?

  • immer ein schwaches Selbstwertgefühl
  • in letzterem Fall das Ausleben eigener Boshaftigkeit und/oder der Unfähigkeit, seine eigene Bedürftigkeit nach Sicherheit anzusehen und zu korrigieren; oftmals sind gerade das im Grunde sehr schwache Menschen
  • der Wunsch nach „gesehen werden“
  • der Wunsch nach Rache aufgrund von Eifersucht oder Neid und damit wiederum eigene Schwachstellen, die nicht geklärt sind im Inneren
  • der Wunsch, „gut dazustehen“
  • der Wunsch, sich durch solche Aktionen eine „Fan-Gemeinde“ aufzubauen…möglichst aus ebenso schwachen Menschen
  • der Wunsch, andere und das möglichst überschau- und kalkulierbar, zu kontrollieren und zu manipulieren, am besten noch Kreise dadurch ziehen zu können

Menschen, die so ihre „Hilfsangebote“ (insofern es denn überhaupt noch Angebote sind oder nicht gleich übergestülpt wird) an andere und (aktuell) schwächere (gedacht/projiziert oder real) Menschen bringen, sind keine Helfer – ganz im Gegenteil. Sie sind im höchsten Maße manipulierend und agieren dafür auch über moralische Grenzen hinaus. Denn hier geht es nicht um Moral, hier geht es immer um eigene und niedere Motive, bzw. Kompensation eigener Unwuchten.

Das Thema „Spiritualität und helfen in diesem Bereich“ ist auch so eines, über das immer wieder geschrieben wird.

Zum einen wollen gerade oberflächliche Menschen nur zu gern festlegen, was denn nun „spirituell“ überhaupt ist – natürlich, OHNE selbst dazu konkret Stellung zu beziehen, was es für sie ist.

Sie beschweren und beklagen sich lieber darüber, daß für Leistungen in der Richtung Geld genommen wird…das soll dann spirituell sein?

Früher habe ich mich mal darüber aufgeregt ;). Heute lache ich darüber. Wer auch immer seinen Job macht – egal, ob Müllfahrer oder Yoga-Lehrer, ob Putzfrau, Bank-Direktor oder Kartenleger: sie machen erst einmal das, was sie können (mehr oder weniger, aber das spielt an der Stelle überhaupt keine Rolle), und wenn diese Dienstleistung gebucht wird, hat sie auch entlohnt zu werden nach Absprache.

Wer aber meint, daß „spirituell“ heißt: selbst-los und geld-los zu handeln und seine Dienstleistungen im Orbit zu verschenken, der hat Spiritualität NICHT verstanden, sondern benutzt diese Mecker lediglich als Ausrede für seine eigene nicht übernommene Verantwortung, das zu honorieren, was er oder sie als Leistung gebucht hat.

Womit wir wieder beim Thema des Helfens sind, denn hier würde oder wird eine Manipulation von der anderen Seite vorgenommen!

Helfen hat ganz viele Facetten…vom Kredit unter Freunden bis hin zum ehrenamtlichen Unterricht für Flüchtlinge. Vom ehrenamtlichen betreuen einer alten Dame bis hin zu wirklichen Freundschaftsdiensten (die dann später nicht aufgerechnet oder un-wahr verbogen werden).

Helfen bedarf eines wirklichen Auftrages! Nur dann wird auch ein Ausgleich stattfinden – DAS ist spirituell – nichts anderes.

So werden manipulative und/oder ungefragte, ungebetene „Helfer“ und/oder „Helferinnen“ IMMER un-ausgeglichen – über kurz oder lang – aus einer solchen Geschichte herausgehen.

Wer sich ungefragt und ungebeten“hergibt“ (und damit ja…prostituiert!) und dafür mindestens einen der oben genannten (niederen) Beweggründe hat, wird unter`m Strich immer den Kürzeren ziehen und leer ausgehen – das ist ein universelles Gesetz und damit unumstößlich.

Helfen ohne Auftrag ist vermessen zum einen und bettelt im Grunde – egal, wie es verkauft wird.

 

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