Die Sollbruchstellen von Narzissten

„Eitelkeit – Hohlraumgestaltung“ ~ Manfred Hinrich (dt. Philosoph)

„Nur Narren wollen gefallen; der Starke will seine Gedanken geltend machen.“ ~ Heinrich Heine

Eitelkeit…wohl eine sehr menschliche Eigenschaft, gegen die überhaupt nichts einzuwenden ist. Ein gesundes Maß an Eitelkeit „steht“ jedem Menschen und bringt uns ja auch auf den Weg.

Die narzisstische Eitelkeit, sowie der ständige Drang, im Außen gesehen zu werden, die große Wichtigkeit der Öffentlichkeitswirksamkeit ist jedoch anders gelagert und wird auch anders vollzogen.

Um dieses Bild von „toll“, „attraktiv“, „ich bin der/die Schönste, Beste, Klügste“ etc. zu untermauern, unternehmen narzisstisch gestörte Personen eine ganze Menge.

Und genau da liegt ihre größte Sollbruchstelle:

  • am Bild dessen, was sie nach außen präsentieren (wollen)

Die narzisstisch gestörte Person ist käuflich. Und damit selbst als Narzisst von anderen Narzissten manipulierbar…ein spannendes Schauspiel übrigens.

Die Eitelkeit einer narzisstisch gestörten Person hat viele Gesichter.

Bei Frauen dieser „Gattung“ geht es fast immer um ihren Körper, ihr Aussehen. Da wird trainiert, Eiweiss gefuttert (danach gefastet :))), jegliche Art von Body-Forming exerziert…gefeilt, gepinselt, getuscht, retuschiert, kaschiert…Übersee-Koffer statt Beauty-Case ;)…3 mal am Tag die Kleidung gewechselt…die Sonnenbräune muss stimmen, Fotos werden überretuschiert, bis keine einzige Falte mehr zu sehen ist (oder nur noch ein Achtel von dem, was vorhanden).

Altern ist für sie der blanke Horror, denn es ist immer ein Verlust von Kontrolle anderer und Ansehen im Außen.

Die Wahrnehmung des eigenen Körpers ist bei narzisstischen Personen – zumindest nach außen – verzerrt. Sie können gar nicht anders, als sich ständig ihre Brille von „forever young“ aufzusetzen und können ihren Alterungsprozess in keinster Weise als normalen Vorgang akzeptieren.

Diesen müssen sie dann – natürlich in Projektion…das liebste „Spielzeug der NPSlerInnen – auf andere in hämischer Weise übertragen.

Ein Mensch bleibt nur dann „forever young“, wenn er sich diesen Alterungsprozessen im positiven Sinne durch ständige Persönlichkeitsentwicklung gegenüberstellt, sich so annimmt in diesen Prozessen und sich so ansehen kann, wie er ist. „Forever young“ entsteht im Kopf und vor allem im Herzen – es ist eine bestimmte Haltung zum Leben, eine bestimmte Haltung Menschen gegenüber, die offen, warmherzig und „open minded“ ist.

All diese Eigenschaften gehen narzisstischen Personen völlig ab. Sie entwickeln sich nicht weiter, denn das würde eine gesunde Selbstreflektion benötigen…ein Wort, von dem Narzissten grade mal wissen, wie es geschrieben wird.

Narzissten kreisen nur um ihren eigenen Bauchnabel – es gibt nichts anderes in ihrem Mikro-Universum. Und je älter sie werden (und meistens dann irgendwann weit älter aussehen, als sie sind), umso enger wird ihr Geist, ihre Haltung. Die hauptsächliche Beschäftigung gilt ja ihrer Wirksamkeit im Außen; Menschen sind ihnen an sich egal, es sei denn, sie dienen ihnen auf unterschiedliche Art und Weise.

„Ungeschminkte“ Narzissten zu sehen…in den „Genuss“ kommen nur diejenigen, die mit solchen Personen länger zu tun haben. Dann ist das wahre Gesicht zu sehen, und das ist bei weitem nicht mehr so „schön“, wie sie es gern für sich und andere hätten und auch im Außen gern darstellen.

Ich habe diese Gesichter gesehen…vor allem in der narzisstischen Wut. Es sind Fratzen…verzerrt, wütend, hämisch, abwertend anderen gegenüber mit einem Glanz in den Augen, wenn sie andere Menschen erniedrigt haben.

Und ich habe Menschen gesehen – einschließlich mir selbst – die sich über die Jahre im Kontakt mit diesen Menschen auch äußerlich sehr verändert haben. Wenn ich mir heute immer mal wieder Fotos von mir aus dieser Zeit ansehe, dann weiß ich nochmal mehr, wie Projektion funktioniert (hat) – kein Glanz mehr in meinen Augen, eingefallenes Gesicht, harter Ausdruck und mein Lachen gab es kaum noch.

Diese Fratzen und Gesichter bleiben hängen – bei mir zumindest. Umso schöner ist es für mich, mit Menschen zusammen zu sein, die authentisch und wahrhaftig sind. Die keine Käuflichkeit an den Tag legen, die sich so zeigen, wie sie sind. Deren Lachen echt und herzlich ist und nicht hämisch.

Ich bin sehr dankbar, daß mein ehemals harter Ausdruck verschwunden ist, meine Lebensfreude und mein Lachen, mein unerschütterlicher Optimismus und mein Humor wieder da sind.

40 Jahre Fotografie und vor allem meine intensive Beschäftigung mit der Portrait-Fotografie haben mein Auge sehr geschult, was meinen Blick für Narzissten angeht. Sie verraten sich sehr schnell an gewissen Merkmalen, und diese Merkmale lassen sich auch mit noch so ausgefeilter Technik, Make-Up oder bestimmten „posings“ vor der Linse nicht „wegmachen“.

Die umgekehrte Variante ist auch sehr spannend. Ich habe reichlich Fotos von NPSlerInnen, die mehr oder weniger professionell hinter der Kamera stehen, gesehen. Sehr spannend, wie die Menschen vor der Kamera z.T. abgelichtet werden.

„Käuflichkeit ist Prostitution der Seele, gekoppelt an das lukrativste Angebot.“ ~ Frank Schätzing

An dieser Käuflichkeit erkennst Du am ehesten einen narzisstisch gestörten Menschen – egal, auf welcher Ebene diese Käuflichkeit besteht. NPSlerInnen kontrollieren andere durch diverse manipulative Taktiken und haben damit auch Erfolg – zumindest solange, bis sie durchschaut werden und ihre Maske, ihr zusammengezimmertes Selbst-Bild bröselt.

Doch sind sie selbst viel kontrollierbarer und vor allem manipulierbarer durch ihre Gier nach einer bestimmten Wirksamkeit im Außen – es ist eine Form von Sucht, für die diese Menschen so ziemlich alles tun würden. Daß sie dabei ihre Seele verkaufen, ist ihnen entweder klar und sie gehen damit oder – und das halte ich für sehr viel wahrscheinlicher, denn ersteres würde ja einen Funken Selbstreflektion beinhalten 😉 – sie tun schon wahrscheinlich ihr ganzes Leben nichts anderes (zumindest von dem Zeitpunkt an, an dem sie mitbekommen, wie Manipulation anderer Menschen funktioniert) und haben das so perfektioniert, daß sie ihre eigene Falschheit nicht mehr mitbekommen, diese aber – selbstverständlich! – auf andere projizieren.

So ein Leben zu führen, ist enorm anstrengend. Es zieht Kraft-Reserven, die dann durch alle möglichen Kompensationen wieder aufgefüllt werden müssen…was aber nicht gelingt und über die Jahre sehr gut vor allem in den Gesichtern abzulesen ist. Der Frust darüber, daß doch all die Mühen zumindest oft vergeblich und vielleicht nur über gewisse Strecken erfolgreich waren oder sind, hinterläßt Ausdrücke und Augen-Blicke, die Bände sprechen.

Nach all meinen Recherchen in den letzten gut zwei Jahren geht der Verfall von NPSlerInnen ca. um das vierzigste Lebensjahr los. Bis dahin waren sie u.U. sogar mal recht ansehnliche Männer und Frauen; ausgestattet mit allem, was sie attraktiv machte. Für die meisten jedoch ist allein der Eintritt in die 40er schon der absolute Supergau. Und mit mehr „Supergau“ wird die Maske mehr bearbeitet, damit die Wirksamkeit für`s Außen erhalten bleibt.

Daß damit auch der Ausverkauf der eigenen Seele ständig voranschreitet, dürfte den meisten NPSlerInnen nur im ganz stillen Kämmerlein bewusst sein oder Stück für Stück werden.

„Auch wer um die ganze Welt reist, um das Schöne zu suchen, findet es nur, wenn er es in sich trägt.“ ~ Ralph Waldo Emerson

 

 

 

 

 

 

 

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