Die Un-Schuld des Narzissten

„Bekennen bricht den Hals.“ ~ deutsches Sprichwort

Vielleicht ist das die größte Angst eines narzisstisch gestörten Menschen?

Schuld – ein Thema, über das „man“ nicht gerne spricht, geschweige denn, diesen Anteil im zwischenmenschlichen Verhalten zu sich nimmt.

Das Bekennen zu den eigenen Anteilen am Scheitern einer Beziehung ist einem Narzissten nicht gegeben.

Im Laufe seiner „Beziehungs-Karriere“ wird der narzisstische Mensch eine Reihe von Kandidaten und Kandidatinnen hinterlassen, die natürlich allesamt „schuldig gesprochen werden“ – von ihm (oder ihr) höchstpersönlich.

Die Ansammlung von auf die ehemaligen oder noch aktuellen Partnerinnen projizierten Anteile  eigenen Versagens ist beachtlich.

Jede Frau oder jeder Mann, der mit einem narzisstisch gestörten Menschen zu tun hatte, kennt diese Dauer-Berieselung mit Schuld-Vorwürfen und Herumgejammer über ehemalige Partner und Partnerinnen.

Perse sind diese Ehemaligen schuld – an allem!

Ab einem gewissen Zeitpunkt in der dann aktuellen „Beziehung“ wird dann in bestimmten Kreisen auch damit begonnen, die aktuelle Partnerin oder den aktuellen Partner in die Schuld-Spirale zu setzen. Irgendwer muss ja schließlich die Verantwortung für das Scheitern des NPSlers oder der NPSlerin übernehmen.

Was viele ehemalige oder noch aktuelle Partner oder Partnerinnen von solchen „Charakteren“ lange nicht oder nie begreifen:

  • die eigenen persönlichen Mankos sind so groß, die Selbst-Reflektion einfach nicht vorhanden, und das bedürftige und ewige Kleinkind so unreif, daß es keinerlei Übernahme von Verantwortung gibt

Ein narzisstisch gestörter Mensch gibt IMMER seinen ehemaligen oder aktuellen PartnerInnen die Schuld für sein eigenes Versagen und Vergeigen – egal, in welcher Hinsicht.

Niemals würde er oder sie sich hinstellen und sagen: „Ja, da habe ich richtig Mist gebaut, und das tut mir aufrichtig leid.“ Im Gegenteil: sie verletzen am Stück, demütigen am Stück, schreien Dich an, gehen „zur Not“ (nämlich der eigenen inneren) dann irgendwann zur Anwendung von Gewalt über und wollen dann im Außen nach IHRER verdrehten und verlogenen Version noch das Köpfchen gestreichelt bekommen. Die böse Frau/der böse Mann war´s!!! Und das immer…natürlich ;).

Anderen vor`s Knie treten und dann nach der Mama rufen, die „helfen“  und „trösten“ soll…wie alt mag so ein vermeintlich Erwachsener wohl sein?

Wer also mit solchen Menschen zu tun hatte oder hat, muss sich vor allem das merken:

  • es sind eben KEINE erwachsenen und gereiften Menschen, sondern Kleinkinder, die ihre Geschichte der Nicht-Reifung, der Nicht-Übernahme von Verantwortung, die ständige Grenzüberschreitung an anderen Menschen permanent und in Dauerschleife wiederholen

„Gib ruhig anderen die Schuld. Geben ist seliger denn nehmen.“ ~ Erhard Horst Bellermann

Diese Menschen ändern nichts – und das niemals. Es ist ja auch so einfach, so zu bleiben, wie man ist, und immer wieder einen Dummen oder eine Dumme zu finden, die das Spielchen mitmacht ;).

Sie wiederholen und wiederholen und wiederholen. Sie bleiben in einer Dauerschleife von Verführung – Abwertung – Demontage – Schuldzuweisung – und das mit jedem Partner, jeder Partnerin, die sie sich – nach vorher genauestens narzisstischen Kriterien ausgewählt –  irgendwann an ihre Seite holen und das mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Manipulationstechniken und Masken, die sie sich im Laufe ihres Lebens zugelegt haben.

Wer mit einem solchen Menschen zusammen war oder ist, wird anhand der entsprechend langen Vorreihe der ehemaligen Partner oder Partnerinnen die immer mehr zunehmende Destruktivität erfahren. Wer mir heute das und in einem entsprechenden Ausmaß von seinen ehemaligen Partnerinnen erzählen würde, was ich zu hören bekam, würde von mir nur noch einen Kondensstreifen sehen ;). Alarmstufe ROT!

Der narzisstische Mensch unterscheidet fein zwischen zwei Kategorien:

  • dem Außen – insbesondere dem Part, den es zu manipulieren gilt, um das eigene „reine“ Selbstbild zu wahren und zu untermauern
  • dem eigenen häuslichen Umfeld, in dem dann das Destruktive gelebt wird und zwar nach dem Motto: „My way or the highway.“ Spurst Du als Partnerin oder Partner nicht, dann geht`s rund, und Du bekommst all das noch mit ab, was schon die vorherigen Partner oder Partnerinnen abbekommen haben. Das kann – je nach „Karriere“ ein ziemliches Paket sein – also renn´weg, sobald sich die ersten Anzeichen zeigen!!!

Ich schrieb schon mal in einem anderen Artikel über Projektion der Schattenanteile und darüber, daß der Kontakt zu den Vorgängern/Vorgängerinnen hilfreich sein kann.

Das kann ich auch hier nur wieder betonen – mir hat es sehr weitergeholfen und meine Erlebnisse bestätigt. Allerdings gehört zu diesem Schritt auch der Mut, sich sehr wahrscheinlich (oder genau zu 100 %) ALLER Illusionen berauben zu lassen, die noch im entferntesten Winkel eines „hoffenden Herzens“ schlummern.

Die „Hoffnung“, daß man als aktueller Partner oder Partnerin sicher nicht so behandelt wird wie die Vorgänger, bzw. Vorgängerinnen, ist von vornherein zum scheitern verurteilt, da ja nie etwas grundlegend im Verhalten geändert wird…außer:

  • noch mehr Manipulation
  • noch mehr ausgefeilte „Techniken“
  • noch mehr Bindungsunfähigkeit
  • noch mehr Resistenz gegen Veränderung
  • noch mehr Schuldzuweisungen
  • noch mehr Abwehr der eigenen Anteile
  • noch mehr Projektion auf ein neues Gegenüber

Im Grunde lässt sich das – schön ausgedrückt – uneinsichtige – Verhalten so beschreiben:

„Kann der Bauer nicht schwimmen, ist grundsätzlich die Badehose schuld.“

WER SONST? :)))

Was für die ehemaligen oder aktuellen Partner, bzw. Partnerinnen gilt, lässt sich am besten so beschreiben:

  • „Der Glaube an das Gute im Menschen kann dich sehr behindern. Wenn du nämlich nur noch das Gute sehen willst, du alle ent-schuldest, und am Ende nur noch dich selbst be-schuldigst. Am Ende trägst du die Schuld für alle und alles.“ ~ Irina Rauthmann

Wer in einer Familie aufgewachsen ist, in der das Thema Schuld wie eine heiße Kartoffel demjenigen in den Mund geschoben oder in die Hand gedrückt wurde, der dafür „bestimmt“ war, wird haargenau solche „Charaktere“ anziehen wie die Scheisse die Fliegen.

„In einer Herde schwarzer Schafe ist das weiße Schaf das schwarze Schaf der Familie.“ ~ Dagmar Cunderlik

Wer aus Familien-Systemen kommt, in der die Schuld-Thematik von niemandem übernommen wurde, der es eigentlich hätte tun sollen, sondern immer weiter und weiter gegeben wurde, der ist DER Magnet für Menschen, die ihre Anteile an Verantwortung nicht übernehmen – niemals!

Schuld ist ein Thema in der deutschen Geschichte, das m.E. nach nie wirklich aufgearbeitet wurde und sich bis in die heutige Generation hineinzieht.

Die sog. Kriegs-Schuld wird von den Urgroß-Eltern und Großeltern weiter an ihre Kinder und Kindeskinder weitergegeben…niemand von den Alten (so meine Erfahrung aus vielen Gesprächen mit alten Menschen über diese Zeit) sagt gerne von sich, daß sie einem Hitler gern gefolgt sind. Sie waren fast alle so jung, daß sie wirklich z.T. nicht wussten, was sie da taten.

Aber die Schuld bleibt. Sie klebt an mindestens zwei, wenn nicht drei Generationen und begünstigt daher heute die vielfältigen Persönlichkeitsstörungen und ihre Auswirkungen.

Es bleiben also nur zwei Wege:

  • entweder in dieser Energie hängenbleiben und diese weiterleben in allen Beziehungsgefügen // „Schuld: unwillkommene Chance, etwas zu verändern“ ~ Peter Rudl oder
  • sich auf den Weg zurück machen und schauen, woher kommt ein ständiges Schuld-Abwehr-Verhalten und die dauernde Projektion auf andere // „Wer seine Schuld bekennt, nimmt Abschied vom Scheindasein und wendet sich der Realität zu. Er kehrt seine Schwächen nach außen. Zwar wird er sie dadurch nicht wirklich los, aber er hat auch nicht länger nötig, sie mit falschen Tugenden zu übertünchen.“ ~ William James

Beide Wege erfordern etwas elementares:

Der erste Weg erfordert die permanente Kraft, sich vom eigentlichen Leben abzuschneiden und wirkliche Bewusstheit auszuschalten, die Reifung in sich selbst nicht zu vollziehen und ewiges Kleinkind zu bleiben.

Der zweite Weg erfordert den Mut, stehen zu bleiben und zu forschen, zu resümieren, warum immer wieder die gleichen Baustellen im Leben, insbesondere in unseren Beziehungen, auftauchen und damit den persönlichen Reife-Prozess zu vollziehen.

„Schuld anzunehmen ist kein Makel, schon gar keine Schwäche, sondern die Möglichkeit und eine große Kraft-Ressource, sich immer wieder neu für sich und andere im positiven Miteinander zu entscheiden.“ ~ Pantha Mahamati

 

 

 

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