Wie lange dauert die Heilung?

„Ihre Zeit ist begrenzt, also verschwenden Sie sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lassen Sie sich nicht von Dogmen in die Falle locken. Lassen Sie nicht zu, daß die Meinungen anderer Ihre innere Stimme ersticken. Am wichtigsten ist es, daß Sie den Mut haben, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist nebensächlich.“ ~ Steve Jobs

Die Phasen der Heilung nach dem Ausstieg aus einer „normalen“ Beziehung:

  •  sobald die Trennung entschieden ist, wird sie – unter mehr oder weniger Abschiedsschmerz und Trauer um den Verlust des Partners, der Partnerin und der Beziehung an sich – vollzogen. Die unter Umständen gemeinsame Wohnung oder das Haus wird „geräumt“, jeder der beiden Partner sucht sich wieder ein neues Zuhause und richtet sich wieder in seinem neuen Leben ein.

Auch eine Trennung unter „normalen“ Umständen ist kein „Klax“. Die Trauer braucht Raum, ebenso wie der Abschied voneinander, von gemeinsamen Plänen, die sich nicht mehr entfalten durften, gemeinsamen Kindern etc. Wenn die Partner mit sich reflektiert sind, sind Aussprachen nach einer Zeit des „Wunden leckens“ sinnvoll und können einen erheblichen Teil dazu beitragen, daß man sich auch nach einer Trennung noch begegnen und sprechen kann. Gerade im Falle von gemeinsamen Kindern ist das absolut ratsam, denn die Kinder sind im Falle einer Trennung eh schon diejenigen, die sich „fügen“ müssen. Es gibt heute viele Elternpaare – und das finde ich super! – die eine gemeinsame Sorge und Kinderzeit trotz einer Trennung gut hinbekommen.

Irgendwann können die ehemaligen Partner wieder in neue Beziehungen gehen und sich dann ein neues entsprechendes Leben aufbauen.

Ganz anders sehen die Phasen der Heilung nach einer „nicht normalen“ bis missbräuchlichen und destruktiven Beziehung aus:

  • meistens braucht der Partner, die Partnerin in einer solchen Beziehung sehr lange, bevor er oder sie sich überhaupt trennt trotz viel Destruktivität schon über Jahre vorher. Das Wissen allein reicht nicht; viele wissen sehr genau, wie sehr ihnen diese Beziehung schadet und schaffen den Absprung, die Trennung dennoch nicht. Gerade in solchen Beziehungen sind Abhängigkeiten oder es wurden welche geschaffen über die Jahre. Diese können finanzieller Natur sein, aber meist ist es eine sehr ungute emotionale Abhängigkeit, die die Partner trotz zunehmender „emotionaler Verwahrlosung“, Eiseskälte, immer wieder auftretenden Demütigungen, Erniedrigungen etc. in der Beziehung bleiben lässt. Freunde fragen sich oft: warum tut sie oder er das? Warum geht er oder sie nicht endlich? Die Freunde und die Familie sind oft ratlos, können auch nicht wirklich helfen. Die Entscheidung muss vom Partner, der Partnerin selbst nicht nur von Herzen getroffen, sondern auch vollzogen werden. Für viele fühlt sich das an, als würde ein Teil von einem selbst abgeschnitten oder herausgerissen, was ich nur bestätigen kann.

 

  • Diese wirklich große Wunde muss erst mal „bluten“ dürfen. Und oft blutet sie noch lange nach; sie kann auch immer wieder aufreißen, sie kann sich immer wieder erneut „entzünden“ und braucht vor allem zwei Voraussetzungen, um Stück für Stück verheilen zu können: stringenten oder zumindest weitestgehenden (bei gemeinsamen Kindern ist das nur bedingt möglich) Kontakt-Abbruch und Zeit!  Ohne diese beiden Voraussetzungen ist Heilung unmöglich! Die diversen Trigger, die durch immer-wieder-Kontakt – und da reichen SMS o.a. – auftreten und immer wieder in die „offene Wunde“ hinein langen, wirken wie Bakterien, die in eine Wunde eindringen. Nicht umsonst zählen die homöopathischen Mittel Staphisagria und Arnica zu den „Ersthelfern“ schon während, vor allem aber nach einer solchen Beziehung. Ich weise an dieser Stelle darauf hin, daß diese Mittel nicht auf eigene Faust genommen werden sollten, sondern durch eine erfahrene Heilpraktikerin oder einen Heilpraktiker genau repertorisiert und dann in der passenden Potenz und genauen Einnahme-Empfehlung verordnet werden sollten!
  • Die diversen Beschwerden, die schon während einer solchen Beziehung auftreten, werden sich z.T. nach der Trennung und in der Dauer der Heilung verflüchtigen. Manche jedoch bleiben und bedürfen entweder ärztlicher oder anderweitig heilkundlicher Aufsicht und Behandlung.

 

  • Was die Heilung der Seele und der eigenen Emotionalität betrifft, so braucht diese oft  länger als die der körperlichen Symptome und Erkrankungen. Das Vertrauen in sich selbst ist gerade bei vielen betroffenen Frauen erst einmal komplett hinüber. Sie trauen sich nichts mehr zu, da sie immer wieder Demütigungen, Beschimpfungen bis hin zu Gewalt-Anwendung ausgesetzt waren. Es gibt Frauen, die nach einer solchen Beziehung nie wieder eine Beziehung eingehen oder eingehen wollen. Die Angst, wieder so behandelt zu werden, ist einfach zu groß, die Verletzungen zu tief. Es gibt aber auch Frauen (oder auch Männer als Betroffene), die sich relativ schnell wieder (versuchen zu) binden. Sie sind in ihrem Selbstbewusstsein so weit unten, können und wollen aber auch nicht allein sein, so daß sie sich von einem neuen Partner „Seelen-Pflege“ erhoffen, ein Aufbau ihres Selbstwertes und jemanden an ihrer Seite, damit sie sich wieder vollständig fühlen. Alles hat seine Berechtigung; die Erfahrung zeigt aber fast durchweg, daß der letzte Weg genau der kontra produktivste ist, um in die eigene Heilung zu kommen und eben NICHT mit der nächsten Beziehung wieder an einen Menschen zu geraten, der die vorherige Destruktivität fortsetzt.

 

  • Heilung ist immer individuell, ebenso die Phasen und der gesamte Zeitraum des Heilungsprozesses nach einer solchen Beziehung. Es sind meist so viele Ebenen „betroffen“, daß diese erst einmal genau erspürt und gefunden werden müssen. Das geht nur Stück für Stück und dauert einfach. Es gibt Frauen (und Männer), die mit sehr viel Bewusstsein und eigener innerer Klarheit durch diesen Prozess gehen und weder etwas beschleunigen (wollen), noch verzögern (wollen). Sie nehmen sich die Zeit mit sich selbst und davon möglichst viel, um genau diese Wunden wirklich zuwachsen zu lassen. Sie gehen intensiv in die Prozesse der Erkenntnis mit sich und ihrer eigenen Geschichte – denn das ist eine der Grundvoraussetzungen, um irgendwann wieder gut für sich stehen und gehen zu können! – und spüren sehr genau ab, wann sie wo mit sich stehen. Sie folgen wieder mehr und mehr ihrer Intuition, sie lassen sich kein X mehr für ein U vormachen. Sie sind wachsamer, was neue Kontakte angeht und lernen, wieder oder noch mehr gut für sich zu sorgen. Sie lassen ihre Wut zu, genauso wie ihre Ängste. Sie lassen ihre Trauer zu und ihren Wunsch nach Rückzug. Sie lernen, wieder allein mit sich zu sein oder genießen genau das Stück für Stück. Sie stellen sich u.U. nochmal komplett neu in ihrem Leben auf, erobern sich ehemalige Kraft-Quellen zurück und beleben diese neu. Sie finden in ihre Kreativität zurück oder entdecken diese überhaupt erst einmal. Sie finden u.U. neue Fähigkeiten in sich und nehmen sich auch die Zeit dafür, die vorher für das ewige Theater in diesen destruktiven Beziehungen drauf gegangen ist. Sie entwickeln ein neues Selbst-Bild oder formen ihres an einigen Stellen neu. Sie lernen, autark zu sein und sich ohne jegliche emotionalen Abhängigkeiten durch ihr neues Leben zu bewegen. Sie lernen, sich durch nichts und niemanden mehr beirren zu lassen und gehen konsequent ihren eigenen Weg – egal, wer oder was auf sie zukommt und u.U. wieder einen negativen Einfluss nehmen möchte. Das halte ich insgesamt für den gesündesten und konstruktivsten Heilungsprozess, den eine Frau oder auch ein Mann nach einer solchen Beziehung durchlaufen kann.

Der sog. richtige Zeitpunkt des „wann bin ich geheilt?“ ist also auf keinen Fall pauschal zu beurteilen, ist aber bei vielen Betroffenen oft die erste Frage nach dem Ausstieg aus einer destruktiven Beziehung. Viele wollen Zeit-Angaben, die überhaupt nicht zu machen sind und auch nicht gemacht werden sollten. Es braucht solange, wie es eben braucht. Wichtig ist, abzuspüren: ich war zu schnell oder ich verbleibe in der Position des ewigen Opfers. Letzteres ist genau die Gefahr von ehemals Betroffenen, die sich von der ehemaligen Abhängigkeit in die nächste begeben…ein neuer Partner, zu schnell auserkoren, ist oft einer der Hauptgründe.

Das Gegenteil – und an dieser Stelle möchte ich erwähnen, daß ich KEINEN der von den ehemals Betroffenen gewählten Wege werte – ist die totale Abwehr „auf Lebenszeit“, was eine neue Beziehung angeht.

Der Mensch ist nun mal nicht für`s Alleinsein in Gänze geschaffen und auch nicht gedacht. Beziehungsformen gibt es reichlich, vielleicht ist im oder nach dem Heilungs-Prozess auch mal eine Revision im eigenen Inneren dran, was die vorherige und gelebte Form von Beziehung und Partnerschaft angeht.

Vielleicht eine Weile oder überhaupt nur noch Affären oder „Freundschaft plus“?

Auch das ist eine individuelle Entscheidung, die jede(r) für sich trifft. Für mich persönlich greift das nicht, und es würde mich zu Tode langweilen ;). Und mal ganz ehrlich: letztlich geht es oft dabei nur darum, auf sehr kurzen Wegen die „angeschrammte Politur des Selbstwertes“, mit reinen Affären wieder auf Hochglanz zu bringen…funktioniert nur meistens nicht ;). Menschen, die in „fortgeschrittenem“ Alter nur Affären oder eben „Freundschaft plus“ leben wollen und das auf Dauer, halte ich für nicht beziehungsfähig oder zumindest sehr stark eingeschränkt, was die Fähigkeit und Bereitschaft angeht, in Beziehungen wirklich miteinander zu wachsen, sich wirklich einzulassen auf den anderen und einen gemeinsamen Lebensplan zu entwickeln, der beide Partner fördert und unterstützt.

Viele Wege, viele Möglichkeiten. Aber nur ein Heilungs-Prozess – und genau den gilt es, sehr bewusst und nachhaltig zu durchleben in allen Formen, um irgendwann wieder – zwar mit Narben, aber neu aufgestellt – im Leben zu stehen, Beziehungen zu leben und zu lieben.

Ich bin nun genau ein Jahr lang sehr bewusst diesen Weg gegangen. Ich war sehr viel und auch sehr bewusst mit mir allein, mit meinen Gefühlen und Gedanken. Das Schreiben meiner Artikel hat mir unglaublich dabei geholfen, in eine neue Klarheit und Klarsicht für mich selbst zu kommen. Ich habe alte Quellen in mir wieder aktiviert und mir neue erobert. Meine Sicht auf Menschen und Begebenheiten hat sich an einigen Stellen neu geformt, meine frühere Offenheit Menschen gegenüber gilt nur noch denjenigen, denen ich wirklich vertrauen kann, und mit denen eine recht lange Verbindung besteht oder wo ich ein wirklich und durchgängig gutes Bauchgefühl habe.

Bauchgefühl…Intuition: „Am wichtigsten ist es, daß Sie den Mut haben, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist nebensächlich.“

DAS ist für mich der allerwichtigste Punkt in meinem eigenen Heilungs-Prozess! Wie „flüsterte“ mir meine alte Katze noch einige Stunden vor ihrem Tod in der Nacht vom 03. auf den 04.06.2016 zu: „Verrate nie wieder deine Werte!“ Und zu meinen Werten gehört auch, nur auf mein Bauchgefühl zu hören und dem auch stringent zu folgen. Das habe ich ihr nach fast 20 Jahren gemeinsamen Lebens versprochen und daran halte ich mich.

 

 

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