Grau ist sexy – wenn es mit Würde getragen wird

„Graue Haare sind eine Krone der Ehre; auf dem Weg der Gerechtigkeit wird sie gefunden.“ – Martin Luther

 

Heute tauchte das Thema „graue Haare – lassen oder färben“ im Netz auf.

Es war spannend, die Kommentare von Frauen dazu zu lesen!

Graues Haar verbinden die meisten Menschen – vor allem aber Frauen und bei sich selbst – noch immer mit dem Begriff „Alter“, „alt sein“, „alt werden“.

Meine ersten, vereinzelten grauen Haare hatte ich bereits mit 18.

„Gesegnet“ mit einem Vater, dessen (in jungen Jahren) blau-schwarze Lockenpracht mit dem Älterwerden immer dünner und weißer wurde, ahnte ich schon, was mal auf mich zukommen würde.

Und mit gerade mal 18 ist das nicht lustig.

Also…Farbe! In meinen jungen Jahren hatte ich meine Lockenmähne von über hüftlang bis raspelkurz geschnitten – und immer gefärbt.

Ein knalliges Henna-Rot war lange mein Markenzeichen, bis ich das Rot nicht mehr sehen konnte.

Also wechselte ich zu dunkelbraun bis schwarz…jahrelang.

Bis mir meine Haar-Pracht büschelweise nach der Färberei mit Schwarz ausging.

Danach entschloss ich mich, meinen damaligen Bob gegen einen sehr kurzen Haarschnitt auszutauschen und die Farbe nicht nur rauswachsen, sondern mein Grau endlich durchkommen zu lassen.

Nein, einfach war das nicht. Grau passte nicht zu meinem Gesicht, nicht zu meiner jugendlichen sonstigen Ausstrahlung. Grau war für mich Abschied…dabei gab es gar keinen Grund, von irgendetwas Abschied zu nehmen.

Als die Entscheidung getroffen war, und ich sah, welch wirklich wunderschönes Grau sich durch die Reste von schwarzer Haarfarbe zeigte, wusste ich, daß meine Entscheidung total richtig war.

Ich wurde „silbern“…eine Melange aus meinen ehemals (natürlich) dunklen Haaren und dem schönen Grau, das sich nun endlich zeigen durfte.

Dieser Prozess begann ca. 2013/2014, da war ich Anfang 50. Und ich sah dann, als die Farbreste rausgewachsen war, wie grau/silbern ich schon war.

Mein graues Haar habe ich lange nicht sehen wollen…denn noch immer war es eine Art Abschied…in Abschieden war ich lange, lange nicht besonders gut ;).

Aber direkt folgte auch meine Freude über diese neue Nuance auf meinem Kopf und der damit verbundene Entwicklungsschritt in mir:

– meine Kinder waren dabei, aus dem Haus zu gehen

– ich heiratete nochmal

– ich war auf dem Weg, ein Leben ohne meine Kinder und die auch damit verbundenen Pflichten zu führen

Diese Ehe ist zum Glück mittlerweile wieder geschieden, meine Haare sind noch grauer, z.T. weiß geworden, und ich liebe sie noch immer…diese Krone auf meinem Kopf. Ich „stehe“ nicht nur dazu, sondern ich liebe sie, ich bin stolz auf sie. Ich muss mein Haar nicht mehr färben. Ich muss vor allem nicht dem allgemeinen Trend folgen, „jünger“ auszusehen – wozu??? Ich bin so alt wie ich laut meinem Geburtsdatum bin, aber meine Haltung, mein „junger Kopf“, mein „junges Herz“ – DAS ist ausschlaggebend, nichts anderes.

Für mich ist es noch immer sehr befremdlich, wenn sich meine Geschlechtsgenossinnen partout nicht „zu sich stellen“ können und wollen.

Es ist für mich noch immer befremdlich, WAS Frauen alles unternehmen, um ihr Alter zu vertuschen.

Das Äußere lässt sich manipulieren, das Innere nicht. Ich kenne Frauen, die sehen mit Mitte vierzig aus wie Ende fünzig – weil sie sich nicht lieben, respektieren und noch immer auf der Suche nach Anerkennung und Aufmerksamkeit sind.

Ich kenne Frauen, die Anfang oder Mitte 60 sind und eine total tolle, jugendliche Ausstrahlung haben (und das mit grauem Haar), weil sie in ihrer Selbstliebe und ihrem Selbst-Respekt sind (das beste Beispiel ist eine Freundin von mir, die MS-Patientin ist).

Wenn Frauen nicht in ihren Entwicklungsschritten „mitwachsen“, wenn sie sich über andere, ältere Frauen lustig machen, dann ist das zum Einen ein sehr deutliches Zeichen von Unreife; zum anderen aber auch eine große Angst vor dem eigenen Älterwerden. Vor allem aber eine Angst vor dem (vermeintlichen) Verlust der Attraktivität (die sie sich wahrscheinlich aber schon vorher irgendwie „erkaufen“ mussten – auf welcher Ebene und wie teuer auch immer).

Sei´s drum. Jede Frau entscheidet selbst, welchen Weg sie geht. Ob sie weiterhin „pimpt“ oder nicht. Wer ein aufmerksames Auge hat, merkt sowieso, wie „alt“ ein Mensch – egal, ob Mann oder Frau – wirklich ist.

Mir ist mein Alter schlussendlich egal. Das Wichtigste für mich sind meine innere Haltung zum Leben und mein persönliches Wachstum.

Schreibe einen Kommentar